Zinnober Zacke: Typenunterschiede

Kann man Briefmarken beleidigen?

Erst glaubt Zinnober, dass sich Dr. Phil im Ton vergreift – aber das stellt sich als Irrtum heraus.

Ich hatte meine Schweden-Briefmarken sortiert und meine Dubletten ins Tauschalbum befördert. Stolz radelte ich zu Dr. Phil. Er kennt ja sehr viele Briefmarken, aber er hatte gesagt, dass er sich mit Schweden nie so wirklich beschäftigt hat. Nachdem er meine Schweden-Sammlung bewundert hatte, sah er mein Tauschalbum durch. Auf einer Seite stutzte er, schob seine Brille auf die Stirn – und holte einige Dauermarken aus dem Album heraus.
Dr. Phil und Dauermarken?

Er legte meinen gesamten Bestand einer alten 10-Öre-Briefmarke nebeneinander und dachte laut: „Sind das zwei Typen?“ Aus mir platzte heraus: „Nein, auf jeder Marke ist derselbe schwedische König zu sehen.“ Zum Glück war meine Mutter nicht in der Nähe, sie verehrt alle Könige – und besonders das schwedische Königshaus ist ihr wichtig, seit sie ein paar Jahre in Schweden gelebt hat. Sie weiß bestimmt auch, ob man in Schweden den König als „Typen“ bezeichnen darf, aber zum Glück hatte ja niemand Dr. Phil gehört. Doch Dr. Phils Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. „Ich bin ja nicht blind“, sagte er. Dass die Briefmarken alle dieselbe Person zeigen, würde man ja auf den ersten Blick sehen. Und dann dozierte er: „Das dürfte der schwedische König sein, nach den Stempeldaten zu urteilen, müsste es Gustaf der fünfte sein, das ist der Urgroßvater vom jetztigen König Carl Gustaf.“ Ich wusste gar nicht, dass Dr. Phil außer über Briefmarken noch über andere Dinge Bescheid weiß. Schließlich sammelt er weder Schweden noch besitzt er eine Sammlung über die europäischen Königshäuser.

Dr. Phil textete mich weiter zu: Mit „Typen“ seien keinesfalls zwielichtige Personen gemeint, sondern kleine Unterschiede in den Abbildungen auf Briefmarken. Er legte zwei Briefmarken direkt nebeneinander. Und dann sah ich es auch: Die eine „10“ war deutlich kleiner als die andere! Wir schlugen sofort im Katalog nach. Und richtig: Meine Briefmarke gab es in zwei Versionen: Mit einer kleinen „10“ und mit einer großen „10“. Es gab sie also in zwei Typen.
Zinnober Zacke

Dr. Phil informiert

Manchmal ändert die Post das Motiv einer Briefmarke ganz geringfügig ab, weil sich, wie hier, zum Beispiel herausgestellt hat, dass die Wertangabe zu klein ist. Wenn diese Unterschiede sehr gering sind, sprechen die Sammler nicht von einem neuen Motiv, sondern von einer Type oder Untertype. In den Katalogen werden Typen in der Regel nur als Unternummern mit römischen Ziffern versehen. In unserem Beispiel ist die kleine „10“ die MiNr. 256I, die große die 256II. Typenunterschiede können im Katalog einen erheblichen Preisunterschied ausmachen. Entscheidender ist aber oft einfach der ideelle Anreiz, „komplett“ sein zu wollen.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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