Fußball-EM (3): Generationenduell

Abb.: Michel-Online-Katalog.

Nach der gestrigen Zitterpartie von Lemberg und dem 1:0 gegen Portugal können sich die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft heute Abend entspannt zurücklehnen und ein interessantes „Duell der Generationen“ verfolgen: Beim Spiel Irland gegen Kroatien treffen zwei Trainer aufeinander, die locker Vater und Sohn sein könnten. Beide kennt man aus der Fußball-Bundesliga – einer wurde durch eine Wutrede gar zur Legende.

Der Italiener Giovanni Trapattoni coacht die irische Elf seit Mitte 2008. Einst machte er sich als Trainer des FC Bayern München auch bei Nicht-Fußball-Fans einen Namen. Die Pressekonferenz vom 10. März 1998, in der „Trap“ zunächst die Fassung und dann das Gefühl für die deutsche Sprache verlor, gilt heute gemeinhin als Kult. Sätze wie „Diese Spieler waren schwach wie eine Flasche leer!“ und „Was erlaube Struuunz?“ können auch Laien problemlos Trapattoni zuordnen. Wesentlich unbekannter – auch unter Fußball-Anhängern – ist da schon die Tatsache, dass Trapattoni seit Mitte 2010 neben der irischen noch eine weitere Auswahl betreut – nämlich die von Vatikanstadt. Diese „besteht aus Schweizergardisten, päpstlichen Räten und Museumswächtern. Da der Vatikan weder Mitglied des Weltfußballverbandes FIFA noch des europäischen Fußballverbandes UEFA ist, nimmt die Mannschaft nicht an Qualifikationsspielen zu Fußballweltmeisterschaften und Europameisterschaften teil.“ (Quelle: wikipedia)

Mit der Nationalmannschaft Irlands hingegen hat Trapattoni Großes vor. Die Iren hatten ihre bisher besten Zeiten Ende der 1980er-Jahre und in der ersten Hälfte der 90er-Jahre – übrigens vor allem aufgrund einer interessanten Einbürgerungspolitik, denn der damalige Trainer schaute sich in den Ligen Großbritanniens einfach mal um, welche Engländer und Schotten vielleicht irische Wurzeln, jedoch in den Auswahlteams von England und Schottland keine Chance auf eine Berufung ins Nationalteam haben – und die wurden dann eben Iren.

Aus heutiger Sicht ist die Qualifikation zur EM-Endrunde bereits ein echter Achtungserfolg für Trap und sein Team. 2010 war Irland in den Playoffs zur Fußball-WM noch knapp und unglücklich gescheitert; für die jetzt laufende EM klappte es besser. Überhaupt ist Irland erst zum fünften Mal bei einer WM oder EM dabei. Da liegt es auf der Hand, dass das Team als einer der großen Außenseiter ins Turnier startet.  Die Stars in der Mannschaft sind allesamt Routiniers, die bereits seit 1996 (Torwart Shay Given von Aston Villa) bzw. 1998 (Damien Duff vom FC Fulham und Robbie Keane von Los Angeles Galaxy) ihr Land vertreten. „Jung und wild“ geht anders.

Abb.: Michel-Online-Katalog.

Auch die Kroaten gehen zwar mit einigen Spielern jenseits der 30 Jahre ins Turnier, allerdings weisen diese eine wesentlich größere internationale Erfahrung auf, auch im Vereinsfußball. Der älteste Kaderspieler ist Josip Simunic (34, Dinamo Zagreb), den viele noch aus der Bundesliga kennen dürften. Auch aktuelle Bundesliga-Stars schmücken den kroatischen EM-Kader, darunter Ivica Olic und Danijel Pranjic vom FC Bayern München, Ivan Perisic vom Meister Borussia Dortmund oder Mario Mandzukic vom VfL Wolfsburg. Dazu kommen Spieler wie Ivan Rakitic (FC Sevilla) oder Luka Modric und Niko Krancjar von Tottenham Hotspur. Die Mannschaft wirkt derzeit sehr gefestigt und gut besetzt, gehört aber nicht zum engeren Favoritenkreis auf den Titel. Vielleicht liegt darin eine Chance für die historisch gesehen noch sehr junge Nationalmannschaft – es gibt sie erst (wieder) seit 1990, wobei die damals aufgelöste jugoslawische Nationalmannschaft immer auch aus vielen Kroaten bestand.  Der heutige Trainer Kroatiens, Slaven Bilic, einst selbst erfolgreicher Nationalspieler und in der Bundesliga beim Karlsruher SC aktiv, wurde übrigens 1968 geboren – sein Gegenüber 1939.  Als Trapattoni gerade ein Baby war, trat eine kroatische Nationalmannschaft erstmals zu einem Länderspiel an: 1940 gegen die Schweiz. 1941 wurde Kroatien eigenständiges Mitglied der FIFA und blieb dies offiziell zunächst bis 1945.

Wie sieht es philatelistisch mit Irland und Kroatien aus? Nun, irische Briefmarken gibt es seit 1922. Seitdem wurden die Sammler mit etwas mehr als 2000 Michel-Hauptnummern bedacht. Nur sechs Sätze befassen sich mit dem Thema Fußball. Für Kroatien kennt der Michel nur etwa halb so viele Hauptnummern, aber dafür fast doppelt so viele Fußball-Marken. Die ersten 178 Michel-Nummern Kroatiens stammen aus den Jahren 1941 bis 1945; MiNr. 179 erschien dann am 9. September 1991. Die Bewertung des Briefmarkenversandhauses Sieger attestiert beiden Ländern eine gute Ausgabepolitik: „Irland ist bei Kennern längst ein Geheimtip, was die eigenständige Ausführung der Marken angeht. Irland ist ein übersichtliches Sammelgebiet und hat für Spekulationen keinen Platz, und das ist gut so. “ Der durchschnittliche Monatsaufwand liege bei ca. 5,90 Euro, was der grünen Insel die Wertnote „2“ einbringt. Die Postverwaltung von Kroatien sei „sehr, sehr konservativ, die Marken dokumentieren die Geschichte des Landes, zeigen Landschaften, Gebäude, Künstler und deren Kunstwerke und vieles mehr.“ Die Ausgabepolitik sei seriös, das Sammelgebiet interessant und empfehlenswert. Mit rund 2,65 Euro im Monat ist man dabei, auch hier steht bei Sieger die Wertnote „2“. Legen wir uns also einfach mal auf ein 2:2 fest, auch wenn sportlich die Kroaten (Platz acht der FIFA-Weltrangliste) gegenüber den Iren (Platz 18) sicherlich im Vorteil sind.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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