Fußball-EM (5): Cech(en) unter Druck

Der Michel-Online-Katalog kennt für das Sammelgebiet Tschechische Republik nur eine einzige Marke zum Thema Fußball. Sie erschien zur WM ‘94. Abb.: Michel-Online-Katalog

Mit der Partie Griechenland gegen Tschechien beginnt heute, wenn man so will, der 2. Spieltag der Fußball-Europameisterschaft. Aufgrund der bisherigen Ergebnisse steht die Mannschaft der Tschechischen Republik bereits gewaltig unter Druck: Nach der 1:4-Niederlage gegen Russland muss gegen die Griechen unbedingt ein Sieg her, wenn die Chance auf ein Weiterkommen gewahrt werden soll. Das Team setzt dabei vor allem auf die Fähigkeiten seines Torhüters Peter Cech, der im diesjährigen Finale der Champions League schon den FC Bayern München an den Rand der Verzweiflung brachte.

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Cech gilt derzeit neben dem Spanier Iker Casillas und dem Deutschen Manuel Neuer als einer der besten Torhüter der Welt. Dass die tschechische Elf bisher als einzige bei der EM mehr als drei Gegentore hinnehmen musste, spricht demnach nicht unbedingt für die anderen Mannschaftsteile, die gegen Russland viel zu viele Torchancen zugelassen hatten. Dabei stehen mit Tomás Rosicky (Arsenal London), Milan Baros (Galatasaray Istanbul) oder Jaroslav Plasil (Girondins Bordeaux) durchaus weitere Hochkaräter im Kader von Trainer Michal Bilek. Auch jene Spieler, die in der deutschen Bundesliga ihr Geld verdienen (Michal Kadlec, Roman Hubnik, Petr Jirácek, Tomás Pekhart, Jaroslav Drobny), gelten nicht etwa als Mitläufer, sondern durchaus als gestandene Profis. Gegen die kompakt stehenden Griechen werden sie in jedem Fall ein anderes Gesicht zeigen müssen als im Spiel gegen Russland – ansonsten droht die Regelmäßigkeit, seit 1996 bei jeder zweiten EM unter die besten Vier zu kommen, zu brechen. 1996 in England unterlagen die Tschechen im Finale Deutschland, 2004 im Halbfinale dem späteren Sieger Griechenland. Bei den anderen beiden EM-Teilnahmen (2000 und 2008) war jeweils in der Vorrunde Endstation – kurioserweise immer dort, wo zwei Länder gemeinsam die „Euro“ ausrichteten. Ein schlechtes Omen? Vielleicht sollten die Tschechen aber auch einfach nicht zu viel nachdenken und einfach die Einstellung ihres einstigen Teamkollegen Jiri Stajner, der zwischen 2002 und 2010 (mit kurzer Unterbrechung) in Diensten des Bundesligisten Hannover 96 stand, an den Tag legen. Er sagte 2009 in einem Interview: „Ich spiele mein Spiel. Alles andere ist doch scheiße.“ Fußball kann wirklich ganz einfach sein.

Wenn wir uns die EM- und WM-Geschichte Tschechiens insgesamt ansehen, sollte auch die Zeit vor 1993 berücksichtigt werden, denn in der bis Ende 1992 existierenden Nationalmannschaft der Tschechoslowakei waren traditionell deutlich mehr Tschechen als Slowaken aktiv. Ein WM-Titel war der einstigen ČSSR nie vergönnt, aber immerhin zwei Finalteilnahmen: 1934 in Italien und 1962 in Chile. Die große Stunde des tschechoslowakischen Fußballs schlug dann 1976. Erstmals wurde das Endspiel einer Fußball-EM durch ein Elfmeterschießen entschieden. Der Fehlschuss von Uli Hoeneß ging in die Fußball-Geschichte ein.

Ein Kuriosum ergab sich mit dem politischen Umbruch in den frühen 90er-Jahren: Da die Tschechoslowakei sich zum Jahreswechsel 1992/93 in Tschechien und die Slowakei aufgespalten hatte, existierte seitdem auch keine gemeinsame Nationalmannschaft mehr. Die beiden neuen Länder haben seit 1994 eigene Verbände. Die Mannschaft der ČSFR begann aber 1992 noch die Qualifikationsrunde zur WM 1994 – die letzten Spiele der (ohnehin erfolglosen) Qualifikation wurden 1993 dann als „Auswahl der Tschechen und Slowaken“ bestritten. (Quelle: wikipedia)

Schauen wir abschließend auf die Briefmarken der noch jungen Tschechischen Republik seit 1993. 720 Michel-Hauptnummern waren bis Mai 2012 zu verzeichnen; zum Thema Fußball gibt der Michel-Online-Katalog nur einen einzigen Treffer aus (siehe Abbildung oben). Das Briefmarkenversandhaus Sieger vergibt für dieses Sammelgebiet im Wertcheck eine glatte „1“ und begründet dies so: „Ein europäisches Sammelgebiet, wie es schöner nicht sein könnte. Echte Wertzeichen, eigenständige Markengrafik und – was heute sehr sehr selten geworden ist – Ausgaben, die im hochwertigen Stichtiefdruckverfahren (Banknotendruck) hergestellt werden. Dazu schöne Motive, herrliche großformatige Gemäldemarken, kleine Auflage und niedrige Nennwerte.“ Der durchschnittliche Monatsaufwand liege bei gerade mal 2,65 Euro.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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