Fußball-EM (6): Nachbarschaftsduell

Es ist das vielleicht hochkarätigste Vorrunden-Spiel der diesjährigen Fußball-EM: Heute Abend trifft die deutsche Nationalmannschaft in Charkow (Ukraine) auf ihren ewigen Rivalen Niederlande. Das Nachbarschaftsduell weckt auf beiden Seiten große Erwartungen; beide Teams sind gespickt mit Stars internationaler Klasse. Begegnungen zwischen deutschen und niederländischen Mannschaften hatten schon immer einen besonderen Reiz – wenn Schwarz-Rot-Gold auf Oranje trifft, stellt sich bei vielen Fans eine regelrechte Derby-Stimmung ein. Worauf muss sich die deutsche Elf heute einstellen? (…weiter…)

In jedem Fall auf einen sehr gefährlichen Gegner, denn für die Niederlande geht es bereits um alles oder nichts. Völlig überraschend hat die „Elftal“, wie die Nationalmannschaft unserer Nachbarn auch genannt wird, ihre Auftakt-Partie gegen Dänemark mit 0:1 verloren und steht daher jetzt unter Zugzwang. Gelingt gegen die Deutschen kein Sieg, droht das frühe Aus des Mitfavoriten. Und das wäre im eigenen Land angesichts des qualitativ starken Kaders kaum vermittelbar. Wer es sich leisten kann, einen Spieler wie Klaas-Jan Huntelaar, der in der abgelaufenen Saison Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga wurde und für den FC Schalke 04 in insgesamt 48 Pfichtspielen 48 Tore erzielen konnte, zunächst auf der Bank zu lassen, der kann sich kaum Misserfolg erlauben. Das weiß auch Trainer Bert van Marwijk, der gerade in der Offensive auf großartige Fußballer wie Robin van Persie, Arjen Robben, Wesley Snijder oder Rafael van der Vaart zurückgreifen kann. In der bisherigen Länderspiel-Bilanz haben die Deutschen derzeit knapp die Nase vorn: 14 Siegen stehen zehn Niederlagen gegenüber, zehnmal trennte man sich Unentschieden. Zu den bedeutendsten Partien der beiden großen Fußball-Nationen zählen unzweifelhaft das Endspiel der Fußbal-WM 1974 und das EM-Halbfinale 1988 – beides auf deutschem Boden. Auch das WM-Achtelfinale 1990 in Italien blieb vielen in Erinnerung – man denke nur an das ganz besonde „Duell“ zwischen Rudi Völler und Frank Rijkaard: Nachdem Rijkaard Völler angespuckt hatte, flogen beide Spieler mit „Rot“ vom Platz.

Was den Niederländern bis heute fehlt, ist ein WM-Titel.  Der Europameister von 1988 nahm bereits an neun Weltmeisterschaften teil, kam aber nie über den zweiten Platz hinaus. Dies wiederum gelang gleich dreimal: 1974, 1978 und 2010. Insgesamt absolvierte die Elftal bisher mehr als 700 Länderspiele, von denen rund die Hälfte gewonnen werden konnten. In der FIFA-Weltrangliste rangieren die Niederländer derzeit auf Platz vier und damit einen Platz hinter Deutschland. Besser als diese beiden Teams sind derzeit nur Spanien und – man höre und staune – Uruguay, nicht etwa Brasilien (5.) oder Argentinien (7.). Und wo wir schon bei der Weltrangliste sind, können wir auch gleich mal herausstellen, dass die Gruppe B der Euro 2012 wohl in der Tat die stärkste Gruppe ist – die beiden anderen Kontrahenten Dänemark (9.) und Portugal (10.) finden sich nämlich ebenfalls in den Top Ten der momentan erfolgreichsten Nationalmannschaften.

Ein Wort noch zum Schiedsrichter der heutigen Partie, Jonas Eriksson aus Schweden. Normalerweise gilt der Schiedrichter bei einem Fußballspiel im Profibereich im wahrsten Sinne des Wortes als „ärmste Sau“. Bei den Gehältern, die Fußball-Profis heutzutage kassieren, wirkt das Honorar für eine Spielleitung doch eher bescheiden. Für ein Bundesligaspiel etwa bekommt der jeweilige Unparteiische derzeit 3800 Euro. Wirklich reich kann  man damit nicht werden. Jonas Eriksson ist es trotzdem – denn als ehemaliger Teilhaber einer Sportrechte-Agentur erhielt er bei deren Übernahme 2007 durch einen großen französischen Konzern umgerechnet rund 6,7 Millionen Euro ausgezahlt. Auf das Honorar für die Spielleitungen ist der früheren Journalist also nicht mehr angewiesen – und darum geht es ihm auch gar nicht. „Das ganze Geld hat nichts verändert. Das beste in meinem Leben ist immer noch, ein Fußballspiel zu leiten“, wird Eriksson, der seit 1994 Schiedsrichter ist, dieser Tage zitiert. Die Partie Deutschland – Niederlande wird seine erste Spielleitung bei einer Fußball-Europameisterschaft werden.

Bleibt noch der obligatorische Phila-Blick auf unseren heutigen Gegner. Niederländische Briefmarken gibt es bereits seit 1852, insgesamt inzwischen fast 3000 Hauptnummern im Michel. Das Thema Fußball wurde immer mal wieder zum Markenmotiv, erstmals 1928 im Rahmen einer Serie zu den Olympischen Sommerspielen von Amsterdam. Insgesamt 13 Sätze kennt der Michel-Online-Katalog für die Niederlande, wenn man als Suchwort „Fußball“ eingibt. Im Wertcheck des Versandhauses Sieger erhält das Sammelgebiet Niederlande eine Wertnote „2-3“, der monatliche Aufwand liege bei etwa 4,80 Euro. „In Holland finden wir die modernste Markengrafik der Welt. Die Postverwaltung hat auf diesem Gebiet mit zeitgenössischen Künstlern schon sehr viele Experimente unternommen“, schreibt Sieger auf seiner Internetseite. Von der modernen Markengrafik abgesehen sei die Ausgabepolitik „grundsolide wie die niederländische Wirtschaft“.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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