Marke der Woche: Kunst im Haar

Samoanischer Unabhängigkeitskamm

„Fu'a“ heißt Flagge.

Am 1. August erschien in Neuseeland eine Sondermarken-Serie zum Thema „50 Jahre Freundschaft mit Samoa“. Nun, das klingt immer sehr schön, wenn Völker in Freundschaft verbunden sind. Allerdings versteckt sich hinter solchen Formulierungen natürlich oft ein langer Prozess. Im Falle Neuseelands und Samoas markiert das Jahr 1962 die Entlassung des polynesischen Landes in die Unabhängigkeit. Diese ist sicherlich Grundvoraussetzung für eine Freundschaft. Neuseeland hatte indes Samoa ursprünglich nie als Kolonie annektiert, sondern die Region war beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges militärisch besetzt worden, um diese deutsche Basis im Pazifik auszuschalten. Samoa war 1900 zwischen Deutschland und den USA aufgeteilt worden, die beide Interesse an der Palmöl-und Kokos-Produktion angemeldet hatten. Nach Kriegsende wurde der ehemals deutsche Westteil Samoas schließlich 1920 als Völkerbundmandat Neuseeland übergeben. Doch damit erbte man auch einen bereits in der deutschen Besatzungszeit schwelenden Konflikt. (…weiter…)

Kokosnuss-Kamm

Die Nuss des Wohlstands

Das Gericht

1902 von der deutschen Kolonialregierung errichtet: das „Courthouse“

In den Jahren 1908/09 hatte sich eine Unabhängigkeitsbewegung gegründet, die sich vor allem gegen die Verwaltungsmethoden des Gouverneurs von Deutsch-Samoa Wilhelm Solf gerichtet hatte. Die Bewegung, die bald zum Aufstand ausuferte, wurde niedergeschlagen, doch formierte sich darin ein starkes samoanisches Nationalbewusstsein, welches sich mit der Mandatsverwaltung Neuseelands ebensowenig anfreunden konnte. Zumal 1918 zu allem Unglück auch noch ein neuseeländisches Schiff die Spanische Grippe auf die Inseln gebracht hatte, der rund ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer gefallen war. Von 1926 bis 1928 steigerten sich Protestaktionen, bis es schließlich zu einer gewaltsamen Niederschlagung seitens neuseeländischer Truppen kam. Nur langsam vollzog sich in den folgenden 30 Jahren eine Entspannung der Lage. Heute leben und arbeiten sehr viele Samoaner in den Städten Neuseelands.

Tätowierungen

„tatau“ heute als „tattoo“ vertraut

Man sieht also, der Weg zur Freundschaft kann ein steiniger sein. Die Markenausgabe thematisiert in ansprechender Weise ein zentrales Element der samoanischen Kultur: den Zierkamm. Dieser dient nicht der profanen Haarpflege. Er hat vielmehr Statuscharakter und ist der Stammeshierarchie entsprungen. Heute kann er jedoch auch zeitgenössische Themen ins Bild setzen, wie durch den Markengrafiker geschickt bewiesen wurde. Seine „selu tuigas“ symbolisieren die Nationalflagge mit dem Regierungssitz der unabhängigen Nation, die Kokosnuss als Nahrungs- und Wirtschaftsfaktor sowie das Gericht. Weiter wird auf einem tuiga aus der Bildsprache traditioneller Körpertätowierungen zitiert, die oft Gestalten aus Tier- und Sagenwelt abbilden, und als letztes Thema greift eine Tuiga-Marke die „Malumalu o le Atua“ auf, also die Kirche. Samoa ist nämlich ein nahezu vollständig christliches Land, auch wenn das Staatsoberhaupt Malietoa Tanumafili II. 1963 sich persönlich zur Bahia-Religion bekannt hatte.

Die Kirche der unbefleckten Empfängnis

Leider fiel sie 2009 einem Erdbeben zum Opfer

Abschließend sei noch auf zwei Begebenheiten hingewiesen, die ein Näherrücken der beiden Nationen in der Vergangenheit unterstrichen. Am 7. September 2009 stellte Samoa seinen Straßenverkehr von Rechts- auf Linksverkehr um, da der Import von Fahrzeugen aus Neuseeland, Australien und Japan ohne Umrüstung kostengünstiger ist. Der zweite Punkt ist schon etwas kurioser, hat aber deutlichen Symbolcharakter. Bisher war auch Westsamoa, wie sein östliches Pendant, von seiner Zeitzone her nach Osten, als in Richtung USA, orientiert. Ende 2011 sprang man zusammen mit den Tokelau-Atollen hinüber auf die westliche Seite der Datumsgrenze. Sollte Ihnen also jemals ein Beleg mit samoanischem Poststempel vom 30. Dezember 2011 angeboten werden, können Sie ihn ruhigen Gewissens als Fälschung zurückweisen. Denn dieses Datum hat es in Samoa niemals gegeben.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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