Marke der Woche: Bügeln, Baby!

Briefmarke mit Bügeleisen aus Birma

Wird man als Redakteur eines Briefmarken-Fachmagazins nach seinem Beruf gefragt und antwortet wahrheitsgemäß, erntet man mitunter ungläubige Blicke. Wenn man auf Nachfrage dann auch noch ergänzt, man könne sich kaum eine interessantere, kurzweiligere und beglückendere Beschäftigung vorstellen, steht man entweder allein da oder erhält die Gelegenheit, seine Leidenschaft mit farbenfrohen Details zu untermauern. Spätestens dann beginnt der Abschnitt des Gesprächs, in welchem man sich am Gesichtsausdruck seines Gegenübers zu erfreuen beginnt. Denn – diese Lanze ist leicht zu brechen – keine Tätigkeit erweitert den Horizont in dem Maße, wie es die tägliche Dechiffrierung der in Markenform präsentierten Facetten unserer Welt vermag. Zwölf Quadratzentimeter Papier und Druckerfarbe verwandeln sich in den noch nie betretenen Raum eines gigantischen Museums, dessen Inneres uns eine Thematik nahebringt, von dessen Existenz wir bis dahin noch nicht einmal eine Ahnung hatten. (…weiter…)

Schwedisches Bügeleisen auf BriefmarkeAm 1. September setzte die rumänische Postverwaltung eine im Februar begonnene Sondermarkenserie fort. Ihr Name lautet: Bügeleisen! Und was man auf den Marken zu sehen bekommt, ist durchaus geeignet, auch den größten Verächter heimischer Textilpflege zumindest ästhetisch zu berühren. Historische Plätt- und Glättwerkzeuge aus aller Welt bieten sich dem Betrachter dar. Eine Struktur mag vielleicht in der thematischen Aufarbeitung nicht zu erkennen sein, aber die Objekte sprechen für sich. Sie spiegeln sowohl technische Entwicklungen wieder, aber auch persönliche Marotten der produzierenden Kunsthandwerker finden Wiederhall. Manches Stück ist kaum als funktionales Haushaltsgerät zu erkennen. Bemerkenswert ist auch die Blockrandgestaltung der aktuellen Bügelmarken: ein Rondell verschiedener Heißmangeln.

Tanz der Heißmangeln auf Briefmarken-BlockBereits im 15. Jahrhundert entdeckten die Menschen die glättende Wirkung von Hitze und Feuchtigkeit auf manche Textilien. Metallene Platten, am Ofen erhitzt, ließen den geschmeidigen Stoff noch formschöner fallen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich praktischere Handhabungen, Wechselgriffe zum schnellen Tauschen des ausgekühlten Eisens gegen ein frisch dem Herd entnommenes Exemplar, Eisenkerne zum Befüllen verschließbarer Hohlkörper oder letztere zur Aufnahme glühender Kohlen. Bügeleisen mit Gasbrenner machten den Ofen überflüssig und die Elektrifizierung der Haushalte ließ die Prototypen unserer heutigen High-Tech-Bügler entstehen.

Bügelbahn aus dem 19. Jahrhundert USAAngesichts einer solchen Sammlung faszinierender Haushaltsgerät ist es nicht verwunderlich, dass Menschen in aller Welt sich des Sammelns von Bügeleisen verschrieben haben. Alle diese versammeln sich vom 1. bis 3. September in Sinaia, einem beliebten Ski-Ressort in den Karpaten. Dort findet in diesem Jahr der Internationale Kongress der Bügeleisen-Sammler statt. Diese treffen sich auch regelmäßig zu nationalen Veranstaltungen in anderen europäischen Ländern. Manch antikes Bügel-Werkzeug wird dort bestaunt oder wechselt  den Besitzer. Die ausgehandelten Preise können ohne weiteres fünfstellige Summen betragen. Der Blick auf den Dachboden könnte sich also durchaus lohnen.

Schweizer Bügeleisen auf BriefmarkeDoch auch in den Extremsport haben die Bügeleisen mittlerweile Einzug gehalten. Der Brite Phillip Shaw gilt als Erfinder des Extrem-Bügelns. Ihm kam 1997 die Erleuchtung, die lässliche Haushaltspflicht mit seiner Leidenschaft für das Klettern zu verbinden. Zwei Jahre nach den ersten Bügelversuchen in abenteuerlichen Posen ging er mit seiner Idee auf Werbetour um die halbe Welt. In Neuseeland zündete der Funken bei einer deutschen Touristengruppe, die wieder daheim die GEIS gründeten, die German Extreme Ironing Section. In den folgenden zehn Jahren fand die verrückt-kreative Bewegung zahlreiche Innovatoren, sodass heute synchron unter Wasser, an einem Bungee-Seil, während eines Fallschirm-Sprungs, in Baumkronen und sogar im Hochgebirge gebügelt wird. 2004 lief ein Brite bügelnderweise den London-Marathon.

Mit diesem kuriosen Aspekt soll diese Bügeleisenparade ein Ende finden. Der Dank geht an die rumänische Post, die einen nicht ganz kleinen Einblick in eine faszinierende Welt gewährt hat. Mit Spannung wird der nächste Part der Serie erwartet. Unten ist die Ausgabe vom 17. Februar 2012 abgebildet.

Februar Ausgabe der Bügeleisen auf Briefmarke


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Verfasst von: Jan Sperhake

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