Marke der Woche: Grüne Wege

Spanische Vias Verdes auf BriefmarkeAm kommenden Mittwoch, dem 12. September erscheint in Spanien eine weitere Sondermarke der Serie „Vias Verdes“. Dies heißt übersetzt „Grüne Wege“ und bezeichnet eine besondere Form der Rad- und Fernwanderwege. Es handelt sich in der Regel um stillgelegte Eisenbahnstrecken, die mehr oder weniger ausgebaut wurden, um als touristische Wegstrecken zur Nutzung einzuladen. Das ist natürlich eine faszinierende Idee. Einige der „grünen Wege“ verfügen dabei über einen Obeflächenbelag, der auch die Nutzung mit Rollstühlen gestattet, andere sind nur rudimentär vom Gleisbett befreit und weitgehend sich selbst überlassen worden. Von den rund 7000 Kilometern stillgelegte Bahnstrecken sind bereits über 1000 Kilometer derart ausgebaut worden. (…weiter…)

Einigen dieser Strecken, etwa der andalusischen „Via Verde de la Sierra“, verleihen die zahlreichen Tunnel einen besonderen Reiz. In Aragon liegt der längste für Radfahrer freigegebene Tunnel der Welt auf einer Via, der „Túnel de Valdealgorfa“ ist über zwei Kilometer lang und führt (unbeleuchtet) kerzengrade durch den Berg. Ein Abenteuer, das funktionierende Beleuchtung empfiehlt. Darüber hinaus bietet dieses Bauwerk Interessierten ein Vergnügen, das bereits unseren steinzeitlichen Vorfahren vertraut war: einmal im Jahr schickt die Sonne einen Lichtstrahl direkt durch die Tunnelröhre. Wer einem solchen Schauspiel in Newgrange oder ähnlichen neolithischen Kultstätten einmal beigewohnt hat, kennt den Zauber dieses Phänomens.

Vias Verdes von 2011

Vias Verdes-Sondermarke von 2011

Die „Vias Verdes“ sind in jedem Fall ein schöner Weg, brach liegende Bahnstrecken wieder der Öffentlichkeit zurückzugeben und dabei noch wichtige Impulse für sportliche Betätigung zu setzen. Radwanderfreunde wissen Routen fernab der Bundesstraßen zu schätzen und das Naturerlebnis beim Wandern erfordert an sich eine gewisse Abgeschiedenheit. Jetzt könnte man natürlich den Wunsch äußern, dass diese grünen Wege, die bereits in Mexiko Nachahmung finden, auch bei uns in größerem Maßstab Einzug erhalten; es gibt bekanntlich schon einige Strecken, die jedoch eher „Insellagen“ einnehmen. Nur muss man sich fragen, ob man das wirklich will? Wünschen wir uns stillgelegte Bahnstrecken? Umweltpolitisch sicherlich nicht, denn nach wie vor ist der Warentransport auf den Schienen sehr viel weniger umweltbelastend als die LKW-Schwemme, die täglich die Verkehrswege verstopfen. Außerdem gäbe es gerade bei uns in Deutschland eine sehr viel günstigere Alternative zu den „Vias Verdes“ nach spanischem Vorbild. Man bräuchte diese Strecken auch nicht asphaltieren oder baulich verändern, denn sie sind perfekt, perfekt bis auf eine Ausnahme: sie sind leider noch nicht stillgelegt. Gemeint sind natürlich die unzähligen Straßen. Würde man einmal die volkswirtschaftlichen Schäden der Autoabgase bilanzieren, Korrosion von Bausubstanz, wirklich alle gesundheitlichen Folgen von akuten Erkrankungen der Atemwege über Lärmbelastungen und deren Folgeerkrankungen bishin zu den Risiken verunreinigter Landschaften und Äcker und der Aufnahme der Schadstoffe in den Nahrungskreislauf, wer weiß – vielleicht könnte man sich von dem so Ersparten ein wirklich modernes, leistungsfähiges Bahnnetz leisten und hätte obendrein noch grüne Wege, die ihresgleichen suchten…


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Verfasst von: Jan Sperhake

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