Marke der Woche: IBM und Putin

Kasparow-gegen-Deep-Blue-Marke-1Bereits am 26. Juli erschien in Uganda eine Sondermarkenreihe, die weder durch besonders ausgesuchte grafische Qualitäten hervorstach, noch irgendeinen Bezug zum Emissionsland aufwies. Philatelistisch gesehen also eigentlich zu vernachlässigen, wäre da nicht der Mann namens Garri Kasparow, um den es dabei geht. Er gilt bis heute als der vielleicht größte Schachspieler der Welt. Als er sich am 10. Mai 2005 aus dem Geistessport zurückzog, führte er noch die Weltrangliste an. Dennoch behandeln die gezeigten Marken eine Niederlage. (…weiter…)

Kasparow-gegen-Deep-Blue-Marke-3Nach erster Tuchfühlung 1996 mit einem von IBM gebauten Super-Schachcomputer namens „Deep Blue“, fand im Mai 1997 ein regulärer Wettkampf Mensch gegen Maschine statt. Kasparow unterlag. Das war der erste Sieg eines Rechners unter Turnierbedigungen gegen einen Schachmeister. Warum Uganda nun das 15. Jubiläum dieses schachhistorischen Ereignisses feierte, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Dennoch lohnt es sich, einen Blick auf die Person Kasparows zu werfen.

Kasparow-gegen-Deep-Blue-Marke-3Heute, am Veröffentlichungstag dieses Beitrages, feiert Kasparow nämlich ein kleines, persönliches Jubiläum. Am 24. August 2012, also vor exakt einem Monat, wurde er von einem Gericht freigesprochen. Der Vorwurf lautete „Verstoß gegen das Demonstrationsgesetz“. Seit seinem Rückzug aus dem Profi-Schach ist Garri Kasparow einer der prominentesten Vertreter der russischen Opposition. Nach gescheiterter Gründung des oppositionellen Bündnisses „Das andere Russland“ mit dem Ziel, Putin aus dem Kreml zu wählen – die Gruppe wurde nicht zur Wahl zugelassen –, nutzt er jede Gelegenheit, die Öffentlichkeit auf die Misstände in Russland aufmerksam zu machen.

Kasparow-gegen-Deep-Blue-Marke-4Das Regime reagierte mit Festnahmen, Schikanen bei Auslandsreisen, Hausdurchsuchungen und nicht zuletzt mit brutaler Gewalt. Am 17. August 2012 hatte Kasparow mit einer Gruppe Oppositioneller für die Freilassung der wegen einer Anti-Putin-Performance in einer Kirche inhaftierten Punk-Musikerinnen von „Pussy Riot“ demonstriert. Diese hatten die Muttergottes gebeten, Putin aus dem Kremel zu entfernen und sind daraufhin zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Kasparow wurde in Polizeigewahrsam genommen und nach eigener Aussage schwer misshandelt.

Kasparow-gegen-Deep-Blue-Marke-5Den Kampf gegen den Computer hat er verloren, aber dass er jemand ist, der aufgibt, das kann man nicht behaupten. Ob der menschliche Verstand den Kampf gegen politische Willkür und autokratische Strukturen gewinnen kann, wird die Zeit zeigen. Immerhin ist ein großer analytischer Geist dabei, es zu versuchen.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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