Heimliche Bund-Dauermarken

Nach Murphys Gesetz wird alles schief gehen, was schief gehen kann. Auf die Briefmarken übertragen heißt das: Wenn es eine Briefmarke in zwei Versionen gibt und eine davon ist erheblich teurer, dann hast Du die billige.

So war das bisher bei mir. Eigentlich immer. Na gut, fast immer. Neulich hatte ich ja doch die etwas teurere Zähnung  erwischt (siehe BMS 9/12).

Und jetzt das: Ich hatte einige Briefmarken der Bauten-Serie aus der Nachkriegszeit sortiert. Ich sammle diese Serie ja eigentlich gar nicht, aber im Tauschalbum kommt es immer gut, wenn man die Briefmarken nach Katalog bestimmt hat. Klar weiß ich, dass es bei dieser Serie aus der Amerikanischen und Britischen Besatzungsszone extrem viele Unternummern gibt (siehe auch BMS 3/11), aber die Unterscheidung nach enger und weiter Zähnung ist ja sehr einfach und auch außerhalb von teuren Spezial-Katalogen zu finden. Und was muss ich da sehen: Statt lausigen 60 Cent kostet meine Briefmarke glatt 6,50 Euro! Krass. Um auch ja keinen Fehler zu machen, kontrollierte ich alles noch einmal ganz genau, bis ich mir ganz sicher war. Und doch, irgendwas kam mir komisch vor. Und dann sah ich das Ausgabedatum: August 1951.

Hatten wir nicht gerade neulich im Geschichtsunterricht gelernt, dass die Bundesrepublik 1949 gegründet wurde? Dann ist meine Briefmarke also nach Gründung der Bundesrepublik ausgegeben worden.
Natürlich erinnerte ich mich an meine Diskussionen mit Dr. Phil. Wir hatten sogar schon in BMS 3/08 darüber diskutiert, was denn alles zum Sammelgebiet Bundesrepublik gehört. Aber jetzt wurde mir das noch mal richtig klar: Diese Briefmarke war tatsächlich erst in der Bundesrepublik verkauft worden, also gehört sie schon irgendwie zum Sammelgebiet Bundesrepublik dazu. So eine Art „heimliche“ Bund-Briefmarke.
Ich studierte den Katalog: Tatsächlich: Die eng gezähnten Briefmarken der Bautenserie sind zum großen Teil erst nach Gründung der Bundesrepublik erschienen. Was ich auch interessant fand: Die 2-Pfennig-Briefmarke in enger Zähnung ist die letzte Briefmarke, die in dieser Serie erschienen ist – und sie erschien praktisch zeitgleich mit der 2-Pfennig-Briefmarke der „Posthorn“-Dauerserie der Bundesrepublik. Was sollte das denn?
Ich habe meine Bauten-Briefmarken dann erst einmal doch nicht ins Tauschalbum sortiert und lieber zur Seite gelegt. Ich muss mir wohl mal gründlich überlegen, ab wann ich die Bundesrepublik nun wirklich sammeln will.

Zinnober Zacke

Fast schon heimliche Bund- Dauermarken: In enger Zähnung erschienen diese Bauten- Briefmarken erst nach Gründung der Bundesrepublik.

Fast schon heimliche Bund- Dauermarken: In enger Zähnung erschienen diese Bauten- Briefmarken erst nach Gründung der Bundesrepublik.

Dr. Phil informiert

Da hat Zinnober keine einfache Entscheidung vor sich. Die Marken MiNr. 1-35 wurden noch gegen Reichsmark verkauft und gehören daher nur sehr bedingt zu den direkten Vorläufern der Bundesrepublik. Zumal zwischendurch die Briefmarken der Gemeinschaftsausgaben der Alliierten Besetzung, MiNr. 911-970, verwendet wurden. Die Aufdruckmarken 36-51 wurden zwar gegen DM verkauft, waren bei Gründung der Bundesrepublik aber bereits ungültig.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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