Marke der Woche: Rufer in der Wüste

Am 24. Januar erschien in Island eine Sondermarke zum Thema Wasserkooperation. Wasser ist Leben, heißt es so schön. Das ist richtig. Wie wir wissen, entwickelte sich das Leben auf unserem Planeten im Wasser, Tiere und Pflanzen bestehen zu einem großen Teil daraus, und kaum ein Lebewesen kann ohne diesen Lebensspender bestehen. Der Mensch stirbt in der Regel nach drei Tagen ohne Wasser an Dehydration. Wir benötigen es zum Überleben und folglich war der Zugang zu Trinkwasser stets im Fokus des friedlichen Strebens der Menschheit, ebenso aber immer wieder Grund genug, sich gegenseitig an die Kehle zu gehen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Island_Briefmarke_Wasser_UNOGleichzeitig verhindert die zunehmende Industrialisierung mit ihrer ausufernden Verschmutzung der natürlichen Ressourcen für eine wachsende Zahl Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Aber auch der Klimawandel wird sich mittelfristig bemerkbar machen. Es erscheint also dringend nötig, sich dieses Themas anzunehmen. Die Generalvollversammlung der Vereinten Nationen hat entsprechend das Jahr 2013 zum Internationalen Jahr der Wasserkooperation erklärt: „Ziel des Internationalen Jahres ist, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass  Zusammenarbeit im Bereich Wasser die Regel und nicht die Ausnahme ist und dass Zusammenarbeit zu Wasserressourcen der Auftakt sein kann für Zusammenarbeit in anderen Gesellschaftsbereichen“. Das klingt schön, doch muss man sich fragen, woher die Damen und Herren die Unverfrorenheit für solche Aussagen nehmen. Gerade die zweite Hälfte der Aussage grenzt an Zynismus. (…weiter…) Tatsächlich kann man Ähnlichkeiten erkennen zwischen der „Zusammenarbeit“ bezüglich der Wasserresourcen und anderen Gesellschaftsbereichen. Denn Wasser wird hemmungslos kapitalisiert, monopolisiert, vergiftet. Immer profitieren kleine Gruppen von den erzielten Gewinnen, immer werden die gesellschaftlichen und ökologischen Kosten des Raubbaus der Allgemeinheit überlassen. Die Bergbau-, Holz- und Papierindustrie macht ganze Regionen für Mensch und Tier unbewohnbar. Und am Beispiel des größten multinationalen Limonadenherstellers kann man seit geraumer Zeit beobachten, wie es um die postulierte Zusammenarbeit steht. In Indien schafft es das Unternehmen durch den Betrieb ihrer wasserintensiven Abfüllanlagen den Grundwasserspiegel in manchen Gegenden derart zu senken, dass die umliegende Landwirtschaft auf dem Trockenen sitzt. Dasselbe Unternehmen hat in Mexiko erfolgreich die Wassernutzungsrechte eines halben Bundesstaates zusammengekauft. Zufälligerweise geschah dies während der Amtszeit eines Präsidenten, der früher im Unternehmen tätig war. Heute beträgt der Preis für eine Flasche Wasser in Mexiko ein Vielfaches des herkömmlichen Preises. Die Bewohner sind machtlos. Klagen werden abgewiesen. Gleichzeitig starten die Unternehmen PR-trächtige Entwicklungshilfe-Kampagnen, stiften Schulen und Krankenhäuser und gefallen sich in der Rolle des verantwortungsbewussten Unternehmertums. Doch unterm Strich braucht es keine Schulen, wenn den Menschen die Lebensgrundlage entzogen wird.

Der Hintergedanke der UNESCO-Initiative ist sicherlich lobenswert, aber solange es bei solchen zahnlosen Aufrufen bleibt, könnte man sich die Kosten für die Medienarbeit sparen und lieber ein paar Wasserprojekte von dem Geld finanzieren. Die „Internationale Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit für die Kinder dieser Welt“ von 2001 bis 2010 wurde Zeuge der schlimmsten militärischen Konflikte der Neuzeit. Stets haben die Industrienationen mitgewirkt oder kräftig Geld an der Aufrüstung der Konfliktparteien verdient, während die Familien und Kinder die Leidtragenden waren. Das Jahr der Wasserkooperation lässt nichts Gutes erahnen, solange die Weltgemeinschaft nicht entschlossen dafür eintritt, die Grundbedürfnisse der Menschen gegenüber wirtschaftlichen Interessen zu verteidigen.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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