Marke der Woche: Menschliche Jäger

Unsere heutigen Marken der Woche stammen aus Ungarn und erscheinen am 9. April in Form einer kleinen Sondermarken-Serie. Thema ist die heimische Tierwelt und gezeigt werden mehr oder weniger putzige Säugetiere. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie sich von der Jagd ernähren. Darüber hinaus weisen sie Besonderheitenauf, die sie uns Menschen, wenn nicht sympathisch, so doch immerhin ähnlich machen.

Hermelin_auf_ungarischer_BriefmarkeDen Anfang macht das Hermelin. Diese flinken Tiere ernähren sich vor allen Dingen von Mäusen oder anderen Kleinsäugern, aber auch Vögel werden mit Freude verspeist. Im Gegensatz zu vielen anderen Jägern sind Hermeline tagaktiv. Bis in die Dämmerung hinein suchen sie ihre Beute. Dabei sind sie gewissenmaßen die Studenten unter den Räubern. Längere Ruhephasen werden lediglich von kurzen Aktivitätsphasen unterbrochen. Einer anschließenden Verbeamtung sollte also nichts im Wege stehen. Die Briefmarke zeigt den schlanken Jäger im typischen Winterfell. Dieses wechselt in gemäßigten Zonen mit einem bräunlichen Sommerfell, in kalten Regionen hingegen bleiben die Tiere stets im dicken Mantel. Dieser ist unter anderem aus der Heraldik bekannt, da es in früheren Zeiten ein Zeichen von Macht und Einfluss war, sich aus den kleinen Fellen der Hermeline Roben und Mäntel nähen zu lassen.

Zwergspitzmaus_auf_ungarischer_BriefmarkeNur besonders grausame, unwissende oder arme Herrscher dürften so etwas auch aus den Fellen der Zwergspitzmaus haben herstellen lassen. Denn diese nur drei bis sechs Gramm schweren Nager zählen zu den kleinesten Säugetieren überhaupt. Ihnen gelingt eher selten die Überwältigung eines Regenwurms – die Viecher sind einfach zu stark – stattdessen halten sie sich an Insekten und deren Larven. Dennoch gibt es so viele von ihnen, dass ihr Bestand gänzlich ungefährdet ist. Was sie uns Menschen näher bringt, ist die erstaunliche Fähigkeit, im Winter den Kopf schrumpfen zu lassen. Damit ähneln sie zahlreichen Verkehrsteilnehmern beim ersten Schneefall.

Eurasischer_Luchs_auf_ungarischer_BriefmarkeVerkehrsunfälle stehen auch beim Eurasischen Luchs an vorderster Stelle der Gefährdungen. Zwar tragen sie hübsche Frisuren, aber mit der Aufmerksamkeit im Straßenverkehr haben sie es nicht so. Kein Wunder, wurden die europäischen Luchse doch in der Regel noch vor der flächendeckenden Einführen des privaten Personenkraftverkehrs ausgerottet. Ihre Wiederansiedelung gilt heute als weitgehend gelungen. Und das ist auch gut so, denn natürlich erfüllen größere Raubtiere eine wichtige Funktion bei der Bestandsregulierung im Tierreich. Einzig Wölfe und Bären machen dem possierlichen Pinselohr Konkurrenz. Vom Berufspolitiker unterscheiden sie sich vor allen Dingen dadurch, dass sie lediglich von Februar bis April ranzig sind. Bei den Luchsen nennt man allerdings so die Brunft und nicht die soziale Kompetenz.

Grosses_Mausohr_auf_ungarischer_BriefmarkeSie schlafen unter Brücken und bewegen sich oft krabbelnd und kriechend fort. Dabei können sie so viel mehr. Gemeint ist natürlich nicht der gesellschaftliche Aussteiger, sondern das Große Mausohr. Dieses gehört zu den größten Fledermausarten Europas. Während dieses Fledertier in Deutschland als streng gefährdet eingestuft wird, sind die internationalen Bestände zumindest stabil. Das große Ohr ist dabei keine Metapher sondern Realität. Es hilft den Tieren bei der Jagd, da sie nicht, wie viele andere Fledermäuse, auf Ultraschallortung allein angewiesen sind, sondern die Krabbel-Geräusche ihrer Beute-Käfer vernehmen und orten können.

Große Ohren haben die Osteuropäischen Igel nicht, daher werden sie zu den Kleinohrigeln gezählt. Ein Unterscheidungsmerkmal von den uns geläufigen Igeln ist die helle, bisweilen weiße Brust. Ansonsten könnte man sie als die wehrhaften Demokraten des Tierreichs bezeichnen. Wichtigstes Organ dafür ist ein Schließmuskel, der sich quasi über den gesamten Körper erstreckt. Er lässt den bedrohten Igel zu einer Kugel zusammenschnellen. In dieser Haltung verharrt er dann und wartet, dass er wieder in Ruhe gelassen wird. Innere Emigration hätte Konrad Adenauer vermutlich dazu gesagt. Ob dieses Verhalten langfristig auch gegen Finanzkrisen und Demokratieabbau hilft, bleibt abzuwarten, bzw. vielleicht besser nicht. Aber was soll er auch machen, der arme Kerl. Er ist einfach kein Kämpfer…

Osteuropaeischer_Igel_auf_ungarischer_Briefmarke


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Verfasst von: Jan Sperhake

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