Marke der Woche: Jungfern im Keller

Unsere heutige Marke der Woche stammt aus Monaco. Sie wird zwar erst am 5. Juni das Licht der Postschalter-Welt erblicken, aber die Nachrichten, die uns aus dem Fürstentum erreichten, waren derart spektakulär, dass wir mit der Veröffentlichung nicht warten wollten.

Monacos_endemischer_PrinzenkaeferEndemische Arten nennt man bekanntlich Spezies, die nur an einem Ort der Erde vorkommen, sich also dort – und nirgends anders – entwickelt haben. Meist handelt es sich bei den Habitaten um einsame Inseln, entlegene Vegetationsoasen oder abgeschiedene Täler. Nun müssen wir diese Liste ergänzen, und zwar mit dem Fürstenpalast von Monaco! – Jaja, werden jetzt einige denken. Das ist doch bestimmt wieder ein Scherz. Zwar betrachtet sich vermutlich jedes Fürstenhaus als latent endemische Art, doch in diesem Fall handelt es sich um fürstliche Untermieter, die in den tiefen Kellern und Gängen unter dem Palast hausen. Krabbelige kleine Schädlinge, die in Mitteleuropa für massive Forstschäden verantwortlich sind, haben sich augenscheinlich angesichts ihres eigenartigen Lebensumfeldes zu einer eigenen Art entwickelt. Oder sollten wir von „mutiert“ sprechen? Was könnten die Ursachen sein? Die hochwohlgeborene Wasserspülung? Oder lagert der Fürst vielleicht Atomwaffen im Keller? Vor vielen Jahren lernte der Verfasser ein Model aus dem Baltikum kennen, deren Onkel Kaupo wohl regelmäßig strahlende Dinge in seinem Schuppen lagerte und daher den Kindern verbot, sich in der Nähe der Holzhütte aufzuhalten…

Tatsache ist: Das Käferlein auf der abgebildeten Sondermarke gehört zur Gattung der Rüsselkäfer und trägt den vollständigen Namen Otiorhynchus monoecirupis. Ihm zu Ehren wird es demnächst eine Insekten-Ausstellung geben.

Diese Käferart zeigt noch eine andere weitläufige Affinität zu Adelshäusern, insbesondere zu katholischen. Während der europäische Adel bekanntlich so manche Verrenkung anstellen musste, um eine standesgemäße Fortpflanzung zu gewährleisten, lösten diese hoch entwickelten Adelsexperten das Problem auf ihre Weise: Zuweilen befleißigen sie sich der so genannten „Jungferngeburt“. Dabei legt das gänzlich unbefleckte Weibchen bis zu 1000 Eier – aus denen dann ausschließlich neue Weibchen schlüpfen. Wie viele Erbfolgekriege hätte man auf diese Weise vermeiden können? Hätten wir vielleicht heute das Matriarchat?

Monaco wurde vor langer Zeit nach einem Tempel des Herkales benannt. In der griechischen Mythologie hätte die Geschichte vermutlich folgendermaßen ausgesehen: Eine Fürstentochter – im Geiste eine „Tochter der Artemis“ – verweigerte einst die Trauung mit einem edlen Rüpel und rief in höchster Not die Göttin an, sie von ihrem Schicksal zu befreien. Diese war sofort zur Stelle und regelte die Sache mit der den griechischen Göttern eigenen Doppeldeutigkeit. „Fortan“, sprach Artemis, „sollst Du unabhängig sein vom Manne und Dein eigenes Geschlecht gründen. Und damit Dich die Kerle auch in Ruhe lassen, schenke ich Dir eine neue Gestalt!“ – „Äh, Moment…“ waren die letzten Worte der holden Maid. Dann gab es einen Lichtblitz und aus dem jungen Mädchen war ein junger Rüsselkäfer geworden. Danke, Artemis. Das war sicherlich nett gemeint…


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Verfasst von: Jan Sperhake

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