Marke der Woche: Schiff aus Stein

Kaiserin Josephine von Frankreich auf BriefmarkeDie Geschichte zeigt dem Betrachter immer wieder gewissen Regelmäßigkeiten auf, an denen der Mensch über sein eigenes Verhalten lernen kann. Ganz besonders menschlich wird die Lektion aber dann, wenn das Gegenteil von dem eintritt, was zu erwarten wäre. Davon erzählt unsere heutige „Marke der Woche“. Sie stammt von der Postverwaltung der Ascension Insel. „Ascension“ bedeutet Himmelfahrt, denn am Himmelfahrtstag des Jahres 1503 segelte der berühmte Ostindienfahrer Afonso de Albuquerque im Südatlantik an jenen Inseln vorüber, die heute Ascension, St. Helena und Tristan da Cunha heißen. Die erste, die er erblicke, taufte er also nach dem Feiertag, ein Vorgang der auch andere Inseln mit einem neuen Namen beglückte, man denke an die Osterinsel oder die Weihnachtsinsel. Nicht fern von Ascension liegt übrigens auch „Inaccessible Island“, die Insel ohne Zutritt, weil hinter dem Strand die Felsen so steil in den Himmel ragen, dass die Seeleute einfach nicht ins Inselinnere vordringen konnten.

Napoleon in jungen JahrenAber zurück zum Anfang. In der Regel werden Inseln besiedelt, weil die Menschen dort etwas wollen. Meist wollen sie neues Land bebauen, eine neue Heimat finden und sich einen Platz zum Leben erobern. Dann entstehen aus den ersten Siedlungen kleine Dörfer oder Städte, Häfen werden angelegt und nach und nach ziehen neue Einwanderer hinzu. Im Archipel der Ascension Insel verhielt es sich jedoch andersherum. Denn auf der Insel St. Helena sollten keine Menschen siedeln. Man wollte dort stattdessen einen ganz besonderen Menschen loswerden. Und damit er dort auch bleibt, entstand eine Siedlung, bzw. man könnte vielleicht auch von einer Nicht-Siedlung sprechen. Die Markenbilder zeigen natürlich, um wen es dabei ging: Napoleon Bonaparte. Nachdem dieser Feldherr sich zum Herrscher Europas, zum Kaiser der Franzosen und Lehnsherrn aller europäischer Königreiche aufgeschwungen hatte, war es den vereinten europäischen Nationen mit größter Mühe gelungen, sich von seinem Joch zu befreien.

Als Frankreich in Ägypten kämpfteDas erste Exil, in welches man Napoleon verbannt hatte, war die kleine Insel Elba vor der Westküste Italiens. Doch was tat der große kleine Mann? Er nahm sich ein Schiff, setzte über nach Südfrankreich und riss erneut die Herrschaft an sich. Nach der vernichtenden Niederlage von Waterloo 1815 suchten die britischen Sieger also einen Ort, von dem er nicht einfach zurückkehren könnte. St. Helena war so ziemlich das entlegendste Fleckchen Erde, welches man sich vorstellen konnte. Dorthin also wurde Napoleon gebracht. Man richtete eine Garnison ein, baute eine Festung und ließ das ganze von Kriegsschiffen sichern. Man wollte sichergehen, dass kein französisches Kommando den abgesetzten Kaiser befreite. Dies gelang, denn bereits 1821 verstarb Napoleon auf dem rauhen Eiland.

Bonaparte in HerrscherposeDie Inselgruppe blieb jedoch strategisch wertvoll. Man konnte von hier aus den Südatlantik überwachen, Kriegsschiffe konnten Frischwasser laden und die Seeleute hatten frisches Fleisch von Seevögeln und Schildkröten. Und da die Briten bekanntlich mit einem ganz eigenen Humor gesegnet sind, erhielt die Nachbarinsel, auf der es noch karger aussah als auf St. Helena, sogar den Ehrentitel „HMS Ascension“. Sie galt fortan als steinernes Kriegsschiff in den Wogen des Atlantiks.

Die Sondermarkenserie erscheint am 21. Mai. Sie kann sicherlich eine Sammlung zum großen Franzosenkaiser bereichern, auch wenn man sich vielleicht fragen kann, ob der Titel „200 Jahre britische Besiedlung“ wirklich zu den Motiven passt. Aber wie gesagt, wir Menschen tun eben manchmal das Gegenteil dessen, was zu erwarten wäre, nicht wahr?

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Verfasst von: Jan Sperhake

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