17. Juni 53: Panzer gegen Arbeiter

Zuschlagsmarke in Erinnerung an den Volksaufstand aus dem Jahre 2003.Ein Bauarbeiterstreik entwickelte sich zum Flächenbrand. Am 17. Juni 1953, heute vor genau 60 Jahren, kam es zum Aufstand der Arbeiter in der Deutschen Demokratischen Republik. Den hierzu im BMS 6/13 (am Kiosk) veröffentlichten Artikel präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle in voller Länge. (…weiter…)

1952 / 53 spitzte sich die Lage in der DDR drastisch zu: Ernährungskrise, weitreichende Reparationsleistungen zugunsten der UdSSR, Fehlinvestitionen in die Schwerindustrie statt in die Grundversorgung, rigide Unterdrückung Andersdenkender. Die Ursachen der Probleme waren systembedingt. Nach der Enteignung der Bodeneigentümer lag die Landwirtschaft danieder; den sogenannten „Neubauern“ fehlten vor allem die Geräte für ein effektives Arbeiten. Ebenso unwirtschaftlich produzierten die verstaatlichten Industriebetriebe, denen es an Material und Arbeitern mangelte und die an der Bürokratie litten. In der Zentralverwaltungswirtschaft hatte der politische Kommissar mehr zu sagen als der Fachmann. Politisches Scheitern, dennoch Stalinismus allerorten. Hinzu kam die zunehmende Militarisierung durch den Aufbau der „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ – die ersten Einheiten entstanden vor 1953 – und der verhüllend „Kasernierte Volkspolizei“ (KVP) genannten Armee. Die besten Köpfe gingen nicht in Wirtschaft und Forschung, sondern wurden in Verwaltung, Militär und Sicherheitsorgane delegiert. Was Wunder, dass immer mehr Menschen in den Westen flohen. Bis zum Mauerbau 1961 sollten es gut zwei Millionen werden – von 18,5 Millionen 1946.

Frühjahr 1953

Die Ernährungskrise mündete in eine allgemeine Versorgungskrise. Beispiel Lebensmittelkarten: Noch bis 1958 erhielten die Bürger Grundnahrungsmittel auf Bezugsschein. Das Wohlstandsgefälle zum Westen wuchs. Um die Produktivität zu erhöhen, ordnete das Zentralkomitee der SED am 13./14. Mai 1953 an, die Arbeitsnormen um zehn Prozent zu erhöhen. Sprich: Mehr Arbeit für gleichen Lohn. Freie Gewerkschaften gab es nicht. Im sozialistischen Staat sei schließlich kein Streikrecht nötig … Doch die Sowjetunion versuchte, das Ruder herumzureißen. Der Hohe Kommissar Wladimir Semjonow drohte der DDR-Führung: Wenn ihr nicht spurt, wird es bald keine DDR mehr geben! Ein Silberstreif am Horizont wurde sichtbar, als die SED am 11. Juni den „Neuen Kurs“ verkündete. Kleine Unternehmer durften die Rückgabe ihrer verstaatlichten Betriebe beantragen, Stromsperren wurden aufgehoben, ebenso Preiserhöhungen, und die Bauern bekamen beschlagnahmte Maschinen zurück. Zum Hamburger Kirchentag stellte das Regime großzügig Interzonenpässe aus.

Beleg zum 17. Juni 1953.Der Volksaufstand

Die Erhöhung der Arbeitsnormen aber blieb. Noch am 16. Juni bezeichnete sie die „Tribüne“, die Zeitung des SED gelenkten Freien Deutschen Gewerkschafts-Bundes, als „in vollem Umfang richtig“. Da hatte es bereits erste Streiks gegeben. Am Dienstag, dem 16. Juni, kam es dann auf zwei Großbaustellen der Berliner Stalinallee zu Arbeitsniederlegungen. Dem Protestzug schlossen sich auf dem Weg in die Innenstadt mehr und mehr Arbeiter an. Die SED verkündete die Rücknahme der Normerhöhung. Zu spät. Die Wut der Bauarbeiter war entbrannt, politische Forderungen mischten sich unter die wirtschaftlichen. Auf dem Strausberger Platz sollte tags drauf eine zentrale Kundgebung stattfinden. Das Verhängnis nahm seinen Lauf. Sogar ohne direkte Einflussnahme des Westens; RIAS Berlin berichtete zwar detailliert über die Streiks, lehnte es aber ab, einen Aufruf der Streikleitung zum Generalstreik in der ganzen DDR zu senden. Erst am 17. Juni forderte Ernst Scharnowski, der Berliner Vorsitzende des DGB, die Arbeiter über RIAS dazu auf, die „Strausberger Plätze überall“ aufzusuchen. Am Morgen des 17. Juni 1953 streikten Arbeiter in der gesamten DDR. In einigen Städten wurden SED-Büros und Dienststellen von Volkspolizei und Staatssicherheitsdienst besetzt. Teile der DDR-Regierung flohen in das sowjetische Hauptquartier nach Karlshorst. Um zehn Uhr fuhren die ersten sowjetischen Panzer in der Berliner Innenstadt auf. Formal erklärten die Besatzer gegen 13 Uhr den Ausnahmezustand – in Berlin und in 167 der 217 Landkreise. 16 Divisionen mit 20.000 Rotarmisten schlugen, unterstützt von 8.000 Soldaten der KVP, den Aufstand unbewaffneter Arbeiter nieder. Eine Verhaftungswelle folgte, die Sowjets ließen 19 Aufständische standrechtlich erschießen und verschleppten Hunderte zur Zwangsarbeit nach Sibirien. Die SED leitete eine neuerliche „Säuberung der Partei“ ein.

Philatelie

Philatelie spiegelt Zeitgeschichte auf besondere Weise. Es ist immer wieder faszinierend, wie es uns Sammlern gelingt, mit Marken, Stempeln und Belegen geschichtliche Abläufe mit postalischen Mitteln darzustellen. Philatelie zeigt und erklärt das Leben des Menschen auf diesem Planeten und erleichtert das Verständnis für das Wesentliche. Das gilt auch und besonders für die Beschäftigung mit dem Volksaufstand. Was bleibt, ist die Erinnerung – und der 17. Juni als (auch philatelistischer) Gedenktag.

Eberhard Cölle


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Verfasst von: Torsten Berndt

Es gibt einen Kommentar zu diesem Beitrag.
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