Marke der Woche: Eseleien

Namibia_vom_Eselskarren_ausUnsere heutige „Marke der Woche“ stammt aus Namibia und trägt den überaus bezaubernden Titel „Auf dem Eselskarren durch Namibia“. Wir kennen die Geschichte von dem alten Mann, der auf einem Rasenmäher durch die USA fuhr. Ein anderer umrundete Irland per Anhalter mit einem Kühlschrank. Das ist alles schön und gut, aber der schöne Sondermarken-Block vom 12. Juli ist da etwas substanzieller. Denn tatsächlich ist der Esel bis heute noch ein gern genutztes Fortbewegungsmittel. Seine große Zeit als Reittiere endete in der frühen Antike, als die Menschen sich ein Pferd züchteten, das größer und schneller war. Das Ziel war meist die militärische Nutzung, sodass fortan gemeinhin die größten Esel auf den größten Pferden sitzen konnten.

Doch blieb das freundliche Graufell außerhalb staatlicher Strukturen fester Bestandteil der Gesellschaft. Als Lasttier verfügte der Esel nämlich über einige Vorteile. Die Hufe sind von Natur aus gut an harten felsigen Untergrund angepasst, sodass sie keine Hufeisen benötigen. Praktisch ist auch die absolute Schwindelfreiheit dieser Tiere. Bis in 19. Jahrhundert kraxelte man mit Eseln durchs Gebirge, zumal sie auch noch eine andere, wertvolle Eigenschaft besitzen. Stress löst bei den meisten Tieren einen Fluchtreflex aus. Ganz anders der Esel: Er bleibt einfach stehen. Beharrlich, unerschütterlich und durch Menschenhand nicht zu bewegen. Sturheit sagte man ihm daher nach, doch ohne jeden Zweifel möchte man auf einem Bergpfad bei Steinschlag lieber auf einem sturen Tier sitzen als in wilder Jagd dem Abrund entgegenstolpern.

Betrachten wir nun das Motiv der Marke eingehender: Das sitzt nun also ein freundlich dreiblickendes Paar in ihrer Sonntagskleidung auf dem Kutschbock, der Himmel ist blau, die Straße ein endloses Band durch die Savanne. Vorn trotten zwei Esel und ziehen den Wagen durch die Hitze. Die beiden Namibier können entspannt über ihre Schulter blicken und dem Markengrafiker so lange ins Gesicht schauen, wie sie mögen. Denn die Tiere finden ihren Weg. Wann immer einem der Taxifahrer in einer belebten Großstadt derart entspannte Blicke widmet, sollte allein der Überlebensinstinkt dafür sprechen, unverzüglich das Fahrzeug zu verlassen.

Kriegsheld_names_EselEin Esel hat es sogar zu militärischem Rang gebracht. Nein, das ist kein Kalauer, sondern eine wahre Geschichte. Als die Briten versuchten, im Ersten Weltkrieg die südlich Istanbuls gelegene Gallipoli-Halbinsel einzunehmen, stießen sie auf erbitterten Widerstand der Türken. Folglich saßen unzählige Soldaten, viele von ihnen australische und neuseeländische ANZACs, auf einem winzigen Küstenstreifen fest. Jede Attacke wurde zurückgeschlagen und ein steter Strom von Verwundeten ergoss sich von den Anhöhen hinunter ins Strandcamp. Ein junger Soldat namens John Simpson Kirkpatrick erwies sich als besonders mutig, hatte er doch einen herumstreunenden Esel eingefangen, mit dessen Hilfe er nun unter schwerstem Beschuss einen Verwundeten nach dem anderen die Felsen hinuntertransportierte. Zahllose zeitgenössische Bilder dokumentieren diese tapfere Eselei. Kirkpatrick fiel bald einer Kugel zum Opfer, allein der Esel tat weiter seine Pflicht. In Erinnerung an diese heldenhaften Dienste nahm das medizinische Korps der australischen Armee am 24. Februar 1977 einen Esel in seine Einheit auf. Am 12. November wurde dem Tier schließlich der Rang eines „Private“ verliehen und er tat fortan unter dem Namen Jeremy Jeremiah Simpson mit der Dienstnummer MA 0090 seinen Dienst.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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