Kundenveröffentlichung: 120 Jahre Richard Borek in Braunschweig

Richard Borek - Portrait des GründersDas Hobby zum Beruf zu machen, ist nur wenigen vergönnt. Einer von ihnen war Richard Borek (30. Juni 1874 bis 13. Mai 1947). Von klein auf sammelte er mit Begeisterung Briefmarken. Dazu bestimmt, das Hut- und Pelzgeschäft des Vaters, Anton Borek, einmal weiterzuführen, musste er als junger Erwachsener zwar für kurze Zeit die philatelistischen Aktivitäten einschränken. Als in den Vereinigten Staaten aber 1893 der Satz zur Weltausstellung in Chicago und zum Jahrestag der Landung Christoph Columbus’ erschien (MiNr. 73-88), zog ihn das Hobby verstärkt in den Bann. Er durchstöberte die Geschäftspapiere des Unternehmens und entdeckte zahlreiche alte Braunschweig-Briefmarken. Kurzentschlossen hängte er ein Angebot an die Tür des Ladens – einen Bogen mit Briefmarken des Herzogtums.

Seine Sinne hatten ihn nicht getrogen. Selbstverständlich gab es in der Welfenstadt bereits zahlreiche Briefmarkensammler. Sie besuchten bald das Geschäft am Sack 11 unweit des Doms. Das Fundament für das heute weltweit größte Fach-Versandhaus für Philatelie war gelegt.

Zum raschen Aufschwung trugen zwei revolutionäre Ideen bei, mit denen Richard Borek nach der Jahrhundertwende die Philatelie veränderte: das Angebot ungebrauchter Briefmarken und der Bezug neuer Ausgaben im Abonnement. Bis dahin hatten die Philatelisten nur gesammelt, getauscht und gehandelt, was der Posteingang mit sich brachte.

Mit einer wohl 1907 versandten Angebotsliste ging Richard Borek den Schritt über Braunschweig hinaus und gewann Kunden in ganz Deutschland, bald auch im Ausland. Aus den Angebotslisten erwuchs die Hauszeitschrift Borek-Berichte, die inzwischen ihren 86. Jahrgang erlebt. Ebenfalls 1907 bezog Richard Borek neue Räume in der Wilhelmstraße. Bald darauf kaufte er das Geschäftshaus am Domplatz 4. Dort residiert noch heute das Ladengeschäft Borek am Dom, Anziehungspunkt Braunschweig besuchender Philatelisten aus aller Welt. Keineswegs beließ es Richard Borek aber allein beim Handel. Auf das Borek-Album folgte bald der Borek-Katalog, heute einer der wenigen noch erscheinenden Alle-Welt-Kataloge in einem Band. 1918 gründete Richard Borek eine eigene Druckerei und führte 1925 seine erste Fernauktion durch.

In den dreißiger Jahren trat mit seinem am 23. Juni 1911 geborenen Sohn die zweite Generation in das Handelshaus ein. Unter seiner Leitung übernahm Richard Borek nach dem Zweiten Weltkrieg Pigge-Druck in Bodenwerder, ein Unternehmen, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1790 zurückreichen. Aus Pigge-Druck ging Borek-Kommunikation hervor, eine der Unternehmungen Henning Boreks. Henning Borek hat zudem den Archiv Verlag gegründet, ein Haus, das hochwertige historische Sammlereditionen und aufwändig gestaltete Nachdrucke historischer Bücher offeriert.

120_Jahre_Borek_1893-2013-300x131In den fünfziger bis siebziger Jahren wuchs das Haus stark. Schneller als andere hatte Richard Borek den Zug der Zeit erkannt und Angebote für Motivsammler und Thematiker geschaffen. Inzwischen ist der Name Richard Borek selbst zu einer „Marke“ geworden. Hier agiert kein seelenloser Konzern, sondern arbeiten Menschen, denen die Leidenschaft für den Briefmarkenhandel tatsächlich in die Wiege gelegt wurde. Seit 50 Jahren lenkt nun Richard Borek III, geboren am 14. August 1943, die Geschicke des Hauses, jüngst auch unterstützt von seinem Sohn, der in vierter Generation das Traditionsunternehmen weiterführen wird.

Auch um die zukünftige Nachfolge braucht man sich keine Sorgen machen. Vor kurzem erblickte der jüngste Richard Borek das Licht der Welt. Ein solches familiengeführtes und damit unabhängiges Unternehmen mit einer 120-jährigen Geschichte ist heute so selten wie die Blaue Mauritius. Dem Sohn des Unternehmensgründers war es vergönnt, kurz vor seinem Ableben am 13. Oktober 1993 noch den 100. Gründungstag des Hauses erleben zu dürfen. Zum Festakt im Staatstheater Braunschweig gab sich niemand anderes als der Ministerpräsident Niedersachsens die Ehre, Gerhard Schröder.

Unter der Ägide Richard Boreks III erwarb das Traditionshaus ein Grundstück in der Theodor-Heuss-Straße 7. Es lag zwar nicht mehr in der historischen Altstadt Braunschweigs, bot aber die Möglichkeit zur weiteren Ausweitung der Geschäfte. Zur Einweihung des neuen Gebäudes, 1985, konnte Richard Borek diplomatische Vertreter zahlreicher Länder begrüßen, deren Postverwaltungen das Haus in Deutschland vertrat. Auch mit der Deutschen Post arbeitet Richard Borek seit 2002 eng zusammen. Zudem erstellt das Unternehmen für das Bonner Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland philatelistische Dokumentationen zur Zeitgeschichte. Die Münzhandelsgesellschaft Deutsche Münze vertritt Prägestätten verschiedener Staaten.

Borek-Braunschweig_Newsletter-AnmeldungGleich der Druck- und Verlagsgruppe Westermann zählt Richard Borek heute zu den bekanntesten Unternehmen Braunschweigs. Philatelisten und Numismatiker in aller Welt schätzen das Handelshaus – Deutschlands ältestes ununterbrochen im Familieneigentum stehendes Versandhandelshaus, wie der Bundesverband des deutschen Versandhandels 2003 ermittelt hat.

Um die Stadt Braunschweig besonders verdient macht sich die nach dem Unternehmensgründer benannte Stiftung. Seit ihrer Gründung, 1981, förderte sie mehr als 400 kulturelle und soziale Projekte. Unter anderem finanzierte sie den Nachguss der Braunschweiger Quadriga auf dem teilrekonstruierten Schloss und die Sanierung des Arboretums im Stadtteil Riddagshausen, eines botanischen Lehrgartens mit knapp 80 Baumarten.


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Verfasst von: Anatol Kraus