Marke der Woche: Alt und toll!

Als Busreifen noch auf Speichen fuhren

Als Busräder noch Speichen hatten

Man hatte den Schmerz schon fast vergessen, da drehen die Damen und Herren der maltesischen Postverwaltung die Klinge in der Wunde noch einmal um… Nein, Scherz beiseite. Am 27. August 2013 erschien eine Fortsetzung der wunderschönen Sondermarken-Serie vom 2. Juli 2011, die den Titel „Ende einer Ära“ trug, Teil 2 ist unsere heutige „Marke der Woche“. Thema sind die historischen Busse der kleinen Mittelmeerinsel, die bis vor gar nicht so langer Zeit, quasi als lebende Dinosaurier, noch ihren Dienst taten. Einige hatten eine aktive Zeit von 50 bis 60 Jahren hinter sich. Das braucht natürlich viel Sorge und Pflege, um ein Auto so lange zu fahren. Aber andererseits ist Automobil nicht gleich Automobil. Konnte man noch Anfang der 90er-Jahre seinen Renault 4 auch von einem ungarischen Hufschmied reparieren lassen, so benötigt man für einen modernen High-Tech-Boliden mindestens die NASA oder noch besser einen dieser derzeit so populären Geheimnisdienste, um die verschlüsselten Computerinformationen im „Bordcomputer“ auszulesen.Anschließend versteht man zwar immer noch kein Wort, aber man fährt ja auch nicht irgend ein Auto, oder?

Mit einem historischen Bus zum Flughafen

Mit einem historischen Bus zum Flughafen

Die maltesischen Busse hatten Charme. Dieser war unter anderem der Tatsache geschuldet, dass sie fast alle Unikate waren. Sicher, ein Magirus Deutz-Bus ähnelte einem anderen – zumindest damals, als sie das Werk verließen. Aber die Eigenart des maltesischen öffentlichen Nahverkehrs bestand darin, dass die Fahrer in der Regel auch die Besitzer der Fahrzeuge waren. Folglich kümmerten sie sich selbst um Reparaturen und Ersatzteile, richteten die Gefährte aber auch nach persönlichem Geschmack ein. Das konnte durchaus einen Wettbewerbsvorteil bieten.

Ein Veteran der ersten Stunde auf Briefmarke

Ein Veteran der ersten Stunde auf Briefmarke

Als unbedarfter Malta-Tourist war man dann etwas verunsichert. Da ließ man sich vorn auf dem alten Ledersitz nieder, der Fahrer brauste mit lokal üblicher Gelassenheit mitten ins Getümmel und wer schaute einem in die Augen? Die Jungfrau Maria! Ja richtig, da stand ein kompletter Altar in der Front des Busses. Die Malteser sind religiös, sehr religiös sogar. Kein Land der Welt hat soviele Kirchen pro Einwohner. Aber den Fremdling überkam das Grausen, dass es sich eher um eine Aufforderung zur letzten Beichte handelt, um mit reinem Gewissen die nächste Leitplanke zu durchbrechen. Doch weit gefehlt. Wenn man als Busfahrer der zweiten oder dritten Generation quasi im Familienerbstück seine Brötchen verdient, achtet man vielleicht doch ein bisschen besser auf das kostbare Gefährt.

Armee-Bus mit langer Laufzeit

Armee-Bus mit langer Laufzeit

Die abgebildeten Busse stammen aus verschiedenen Epochen. Der tolle Doppeldeckerbus auf der Marke zu 10 Cent wurde bereits 1911 außer Betrieb genommen. Der Wagen auf dem Wert zu 37 Cent durfte immerhin bis 1934 mithupen. Bei den Wagen zu 6 Cent und 2,25 Euro handelt es sich um modernere Typen, die um 1950 produziert worden waren. Während der Flughafen-Bus bereits 1969 ausgemustert werden sollte, konnte man mit dem O3500 von Magirus-Deutz noch bis 2003 die Insel erkunden. Der abgebildete Bus trug übrigens den Namen „Maggie“. – Apropos Namen, haben Sie schon mitbekommen, dass die Kanalinsel Jersey gerade begonnen hate, Kuhporträts heimischer Milchkühe auf Sondermarken auszugeben?

Auch die Polizei fuhr Klassiker

Auch die Polizei fuhr Klassiker

Sollte das eine vollständige Auflistung werden, fügen wir 6375 „Marken der Woche“ ein, um die Biographien der verdienten Kühe zu beleuchten. – Die beiden verbleibenden Busse waren Hinterlassenschaften der Briten, die sich augenscheinlich nicht um die Entsorgung ihrer Schrottautos kümmern mochten. Machte aber nichts, hat keiner gemerkt. Stattdessen wurden die Wagen einfach umlackiert und noch ein paar Jahrzehnte gefahren.

Oldtimer Maggie fuhr bis 2003Ökonomisch muss man natürlich sagen, dass die Malteser damit gegen das Gebot des sofortigen Neukaufs verstoßen haben. So kann unsere europäische Wirtschaft natürlich nicht auf die Beine kommen. Wir bleiben gespannt, wie lange die neuen Modelle auf Malta durchhalten, bis sie durch Neuanschaffungen ersetzt werden müssen. Ob sie 20 Jahre schaffen?


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Verfasst von: Jan Sperhake

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