Marke der Woche: Allmachtsfantasien

Superman aus 1939Jeder Held hat seine Zeit. Setzte das Mittelalter auf den schlagkräftigen Ritter, in dessen gepanzerter Brust doch ein zartes, der Minne zugetanes Herz schlug, sahen spätere Epochen gewitzte und gerissene Charaktere als ideale Streiter für Recht und Ordnung. Und während sich im Europa der 1930er-Jahre die Menschen den Idealen von rassischer Reinheit und menschenverachtender Machtpolitik zuwandten, entwickelten zwei amerikanische Teenager eine ganz eigene Version des Superhelden. Er war gutaussehend, groß und muskulös, kam aus dem Weltall, hatte übermenschliche Kräfte und war unverwundbar, kurzum: Er war die Allmachtsfantasie pubertierender Außenseiter – Superman!

Superman aus 1945Jerry Siegel und Joe Shuster, Autor und Texter der künftigen Erfolgsserie, waren Science Fiction-Fans, die bereits seit der Schulzeit befreundet waren. Ihre Vision eines Superhelden stieß jedoch in der Verlagswelt ihrer Zeit lange auf taube Ohren. Unreif, pubertär und kindisch, lauteten die Einschätzungen. Erst durch Zufall wurde ihre Figur 1938 einem größeren Publikum präsentiert. Der Verlag National Publications bekam ein groß angekündigtes Action-Comicmagazin einfach nicht fertig, da es an Beiträgen fehlte. Also hob man aus der Not heraus die Kreation Siegels und Shusters auf den Titel – mit durchschlagendem Erfolg. „Action Comics No. 1“ wurde ein Bestseller, bald erhielt Superman ein eigenes Comicheft, welches viermal im Jahr mit siebenstelligen Auflagenzahlen verkauft wurde. Bis heute ist der allmächtige Kryptonier ein nicht mehr aus der Comicwelt wegzudenkendes Dauerbrenner-Phänomen.

Superman aus 1971Superman aus 2004Und so wie jede Dekade ihre filmische Umsetzung des Stoffes versuchte und dabei die grundlegende Ästhetik des Zeitgeistes einflocht, so veränderte sich auch der gezeichnete Held über die Jahrzehnte. Anlass genug für die kanadische Postverwaltung, die Wandlungsfähigkeit des Unsterblichen am 1. Oktober mit einer Sondermarkenserie zu dokumentieren, unserer „Marke der Woche“. Die erste Marke zeigt eine Originalgrafik von Shuster aus dem Jahr 1939, die zweite stammt aus der Feder von Wayne Boring aus 1945, Neal Adams erschuf das dritte Porträt von 1971, gefolgt von Jim Lee 2004. Die aktuellste Zeichnung ist von 2012 und wurde von Kenneth Rocafort angefertigt. Die aktuelle Superman-Manie auf Briefmarken geht natürlich auf den kürzlichen veröffentlichten neuesten Superman-Film zurück, „Man of Steel“ des Comic-affinen Regisseurs Zack Snyder. Jersey etwa veröffentlichte eine Markenserie zum Film, da der Hauptdarsteller Henry Cavill, der erste Brite in dieser Rolle, von der Kanalinsel stammt.
Superman aus 2012Bleibt abzuwarten, was die Filmindustrie nach den Erfolgen mit Batman und Superman noch aus dem Hut zaubern wird. Den rot-blauen Superhelden, dessen Tarnung vielleicht ganz passend das nerdhafte Außenseitertum seiner Schöpfer widerspiegelt, wird dies nicht scheren. Er wird weiterfliegen und mit unbezwingbaren physischen Kräften die Welt von den Bösen befreien, ganz egal, was dabei zu Bruch geht. Denn wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne…

 

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Verfasst von: Jan Sperhake

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