Marke der Woche: Blech am Rock

 

US-amerikanische Orden auf Sondermarken„Menschen sterben für Orden“ – so soll Napoleon Bonaparte einmal gesagt haben. Keine Frage, der große, kleine Franzose wusste seine Männer zu motivieren. Und dazu gehört neben Disziplin und Peitsche nun einmal auch das Zuckerbrot. Da man dieses im Krieg nicht unbeschränkt mit sich führen kann, verstanden sich zahlreiche Heerführer auf große Reden vor, während und nach der Schlacht. Der Soldat durfte dann gegebenenfalls nach Feierbend noch ein bisschen Plündern. War man bereits länger im Dienst konnte sich so einiges ansammeln, vorausgesetzt man hat seine Beute nicht gleich wieder verprasst. Pragmatiker, wie etwas die Wikinger, schmiedeten aus ihren Ersparnissen silberne Armreifen. Die hatte man stets im Blick, und darüber hinaus vermochte sich durch die Zahl der Klunker ein erfahrener Recke von einem Grünschnabel abzuheben. Tolle Idee, aber kann man das nicht noch instutionalisieren? Sonst mach doch irgendwann jeder, wie er will, und die Leute bebaumeln sich mit Gold, Silber, Schädeln oder abgehackten Fingern und Genitalien…

Bereits in der Antike gabe es so etwas wie Orden, also nachträglich verliehene Auszeichnungen für Tapferkeit oder besondere Leistungen. Das konnten Schmuckstücke aus der Feldherrenbeute sein, oder aber kleine Goldkronen, wie sie die Römer benutzten. Diese verstanden es nun auch, verschiedene Auszeichnungen für bestimmte Leistungen zu schaffen. Die „corona muralis“ etwa gab es für den ersten Mann, der es bei der Erstürmung einer Stadt auf die feindliche Stadtmauer geschafft hatte. Die „corona navalis“ belohnte entsprechend das Kapern eine Schiffes.

Lincoln als HolzhackerUnsere heutige „Marke der Woche“ zeigt einen Orden in zwei Ausfertigungen. Es handelt sich dabei um die „Medal of Honor“, die höchste militärische Auszeichnung der USA. Ursprünglich von Abraham Lincoln für die US-Marine geschaffen, gibt es sie heute für die drei Gattungen Armee, Marine und Luftwaffe. Die abgebildeten Sondermarken zeigen seltsamerweise nur die ersteren beiden, vermutlich weil keiner der beteiligten Grafiker und Postfunktionäre bei der Airforce gedient hat. Diese Ordnen werden verliehen, wenn sich der Betreffende durch besondere Furchtlosigkeit und unter Lebensgefahr im Gefecht mit den Feinden Amerikas ausgezeichnet hat, und das weit über die Pflichterfüllung hinaus. Das klingt kompliziert, ist es auch. Lebensgefahr möchte man ja nun eigentlich voraussetzen – in dem Gewerbe. Denn Tapferkeit in der Kasernenverwaltung ist wohl eher ein Minderheitenthema. Viel schwieriger wird es aber bezüglich des letzten Kriteriums. Denn Amerikas Feinde von gestern sind ja in der Regel die Freunde von morgen und umgekehrt. Da sollte man also als Soldat lieber ganz vorsichtig sein, auf wen man schießt. Auch haben die in der Wirtschaft so beliebten antizyklischen Praktiken im Militärdienst bisher auch noch keine Verfechter finden können. „Ich erschieß jetzt besser meinen Verbündeten, dann bleibt er uns wenigstens treu“?

Da der hier präsentierte Orden auch noch mit einer kleinen Leibrente verbunden ist, wundert es kaum, dass er seit dem Zweiten Weltkrieg verstärkt posthum – also nach dem Ableben des Geehrten – verliehen wird. Zuviel Zuckerbrot ist ja auch nicht gut, und so bleiben wenigstens die Pensionen für höheren Ränge halbwegs sicher. Und vor diesem Hintergrund gewinnt das Zitat des Korsen vielleicht noch eine ganz andere Note, oder?


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Verfasst von: Jan Sperhake

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