Marke der Woche: Das beste Bild?

Frank Capas Fotografie auf Sondermarke…das sei die Wahrheit, so sagte der große Fotograf Robert Capa einst. Mit diesem Anspruch verfolgte Capa die Konflikte seiner Zeit und dokumentierte sie – oft unter Lebensgefahr. Unsere heutige „Marke der Woche“ stammt aus Ungarn, wo man am 2. Oktober dem großen Sohn des Landes zum 100. Geburtstag mit einer Sondermarke gratulierte. Ein hohes Alter hat Capa nicht erreicht, aber wenn man sich anschaut, wie er sein Leben verbrachte, immerhin ein erstaunlich hohes. Sein Leitsatz hieß „Wenn Deine Bilder nicht gut genug sind, warst Du nicht dicht genug dran“. Und Robert Capa war immer dicht dran, oft sogar mittendrin.

1913 als Endre Ernö Friedmann in Ungarn geboren, engagierte sich der Sohn eines jüdischen Schneiders früh politisch. Nach einer Demonstration gegen das ungarische Regime wurde er vor die Wahl gestellt: Ausreise oder Prozess. Friedmann entschied sich für die Freiheit und emigrierte 1931 nach Deutschland, wo er Journalistik studierte und erste Erfahrungen als Fotograf sammelte. Doch nur zwei Jahre später wurde Berlin für ihn zu einem gefährlichen Pflaster. Er ging zuerst nach Wien, 1934 schließlich nach Paris, wo er seine Lebensgefährtin Gerta Pohorylle kennenlernte. Das Paar arbeitete freiberuflich und erdachten sich zur besseren Vermarktung ihrer Fotos ein Pseudonym namens „Robert Capa“. Nachdem die Täuschung aufgeflogen war, nahm Friedmann die Schein-Identität als Künstlername an und veröffentlichte fortan unter diesem Namen.

Kleinbogen zu Ehren Capas1935 kam der Durchbruch. Im Auftrag seines Lehrers Simon Guttmann gingen Capa und Pohorylle nach Spanien, wo sie den Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner dokumentierten. Zahllose Bilder entstanden, stets hautnah im Geschehen. Sein berühmtestes Werk, welches den Moment des Todes eines Antifaschisten darstellt, war möglicherweise nachgestellt, dennoch war Capa fortan nicht mehr aufzuhalten. Er stürzte sich mit seiner Kamera in die größten Gefahren, um der Welt zu zeigen, was auf den Kriegsschauplätzen wirklich geschah. Auch nach dem Tod seiner Gefährtin unter den Ketten eines Panzers setzte er diesen Weg unerschütterlich fort – bis zu seinem Ende. Er begleitete die US-Army im Nordafrika- und Italien-Feldzug, landete mit den GIs in der Normandie und sprang 1945 mit einer Einheit Fallschirmjäger in die deutschen Verteidigungslinien.

Zurück in New York gründete er mit einigen Kollegen die Foto-Agentur „Magnum“. Er dokumentierte fortan das Leben in verschiedenen Ostblock-Staaten sowie in Israel beim Ausbruch des ersten Nahost-Kriegs. 1954 kehrte er als Kriegsberichterstatter zurück in den Einsatz. Indochina wurde ihm zum Verhängnis. Nach Jahrzehnten im Feuer trat Robert Capa in Thai Binh auf eine Landmine. Seine Erbe umfasst Zehntausende Negative, die heute im New Yorker International Center of Photography aufbewahrt werden. Seine Botschaft bleibt jedoch zeitlos und aktuell: Die Wahrheit muss gezeigt werden, um jeden Preis. Nach dem beschämenden Niedergang des Journalismus in den jüngsten Kriegen bleibt sein Ruf bei einer neuen Generation von Berichterstattern hoffentlich nicht ungehört.

 


Anzeige
Katalog bestellen MICHEL
Schweiz-Spezial 2016/2017
LBK-Liechtenstein-Spezial 2016/2017
(Set)

35. Auflage, 1000 Seiten, Hardcover
Preis: 74,00 €
Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands.

Katalog bestellen

Anzeige
Verfasst von: Jan Sperhake

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.