Marke der Woche: Alle haben Gründe

Der Partisan auf slowenischer SondermarkeOb Held oder Monster ist lediglich eine Frage des Standpunktes. So wie der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer von Napoleon nie als kriegführender Kämpfer anerkannt wurde – Hofer wurde in Mantua als Terrorist erschossen – finden sich in der Geschichte zahllose Biografien, die uns Menschen an der Mähr vom Heldenepos zweifeln lassen müssen. Heroisierung und Verdammnis sind Produkte des Krieges. Dieser raubt jedoch nicht nur Leben, sondern zerstört auch die Menschlichkeit, die der einzige Maßstab für das Urteil über Zeitgenossen sein kann. Was bleibt, ist eine Geschichte, in der alle Beteiligten ihr gutes Recht für ihre Taten sehen, in der ein Feind mit absoluter Rücksichtslosigkeit bekämpft werden darf, solange man sich selbst auf der richtigen Seite wähnt. Doch die wahren Monster waren und sind immer diejenigen, die diese Seiten definieren und die Menschen gegeneinander aufhetzen. Denn sie schaffen erst die Gründe, für die andere Menschen ihre Menschlichkeit ablegen und zu Tätern werden.

Gerade einmal 26 Jahre alt wurde der auf unserer „Marke der Woche“ porträtierte Mehdi Huseynzade. Dennoch wird er bis heute sowohl in Aserbaidschan als auch in Slowenien als Nationalheld gefeiert. Im Dezember 1918 in Aserbaidschan geboren, sah es so aus, als ob der junge Huseynzade mithilfe seines Sprachtalents seinen Weg machen würde. Auf sein Studium am St. Petersburger Fremdspracheninstitut folgte ein Aufbaustudium in Baku. Doch wie so viele junge Männer seiner Generation wurde er mit all seinen Plänen in den Malstrom des Zweiten Weltkrieges gesogen. In die Rote Armee einberufen, schickte man ihn nach Stalingrad, wo er jedoch noch während der Einkesselung der deutschen 6. Armee im August 1942 verwundet und gefangengenommen wurde. Eineinhalb Jahre deutsche Kriegsgefangenschaft in Italien und Jugoslawien prägten seinen weiteren Weg.

Anfang 1944 gelang es Mehdi Huseynzade zusammen mit einer Gruppe Aserbaidschaner zu fliehen. Die Männer schlossen sich der jugoslawischen Guerilla an und innerhalb kürzester Zeit wurde Huseynzade Kommandant einer Aufklärungseinheit, die mit allen Mitteln gegen die deutschen Besatzungstruppen kämpfte. Sein Kommando führte zahlreiche Sprengstoffanschläge und Sabotageakte durch. Eine Explosion in einem vollbesetzten Kino in Triest begrub hunderte deutscher Soldaten und Offiziere unter sich. Zugstrecken des Nachschubs wurden gesprengt, Offizierskasinos attackiert. Huseynzades blutige Erfolgsserie lockte immer mehr sowjetische Deserteure in die Reihen der Guerilla. Doch bereits im November 1944 geriet der mittlerweile überall gesuchte Guerillaführer in einen Hinterhalt, den er nicht überlebte. In einem Waldstück nahe des slowenischen Dorfes Vitovlje schoss sich Mehdi Huseynzade eine Kugel in den Kopf, um der erneuten Gefangennahme durch die Wehrmacht zu entgehen.

Anfang 2013 begingen Repräsentaten Aserbaidschans und Sloweniens in einer feierlichen Zeremonie bei Novo Goritsa seinen 95. Geburtstag. Bereits einige Jahre vorher war nach einem aserbaidschanischen Staatsbesuch ein gemeinsamer Dokumentarfilm über Huseynzade entstanden. Am 12. Dezember erscheint eine slowenische Sondermarke zu seinen Ehren.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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