Marke der Woche: Burgen Finnlands

Burg Olavinlinna auf finnischer BriefmarkeAm heutigen Montag erscheint in Finnland eine Sondermarkenreihe mit dem Namen „Alte Burgen“. Diese sechs Marken sollen Thema dieser „Marke der Woche“ sein. Was ist eigentlich eine Burg? Nun, gemeinhin scheint das vollkommen klar zu sein: Es sind befestigte Anlagen aus dem Mittelalter, in denen sich die Ritter im Falle eines Angriffs zurückziehen konnten, richtig? Ja und nein. Man muss das differenzieren. Es gab Burgen, die der Verteidigung dienten. Diese lagen meist in Grenzgebieten und sollten das Land vor Eindringlingen schützen. So etwa die Burg Olavinlinna, die die Grenze des damals schwedischen Finnlands vor Übergriffen der benachbarten Republik Nowgorod schützen sollte. Zweimal wurde sie erfolglos vom russischen Zar Iwan III. belagert.

Burg Turku auf finnischer BriefmarkeBurg Haeme auf finnischer BriefmarkeEin zweiter Burgtyp diente zwar strenggenomen auch der Verteidigung, jedoch schützte er den Herren vor den Bewohnern des umliegenden Landes. Diese Burgen waren die Werke von Eroberern, die damit den Herrschaftsanspruch im wahrsten Sinne des Wortes zementierten. Im 12. und 13. Jahrhundert hatten die Schweden das sogenannte „Österland“ besetzt, also den südlichen Teil Finnlands. Zur Sicherung der Herrschaft errichtete der schwedische König die Burg Turku und die Burg Häme. Diese liegen im Inland, weit entfernt von den Landesgrenzen.

Die Raseborg auf finnischer BriefmarkeSchloss Kastelholm auf finnischer BriefmarkeDie zwei folgenden Sondermarken zeigen strategische Burganlagen, die ihre Schutzfunktion zur Seeseite hin ausübten. Die Raseborg an der Südspitze Finnlands schützte eine Seehandelroute. Bereits die schwedischen Wikinger, die Waräger, umrundeten Finnland auf ihrem Weg nach Nowgorod, Kiew und weit darüber hinaus bis ins Kalifat und nach Konstantinopel. Die Burg sieht sehr archaisch aus und basiert vermutlich auf weit älteren Befestingsanlagen. Auf dem autonomen Inselarchipel Åland liegt das Schloss Kastelholm. Diese burgähnliche Anlage hatte trotz ihrer Lage fern vom Festland eine entscheidende Bedeutung. Denn die Ostsee war über Jahrhunderte ein sehr umstrittenes Seegebiet. Ein befestigter Stützpunkt war folglich von großem Wert.

Finnenburg auf finnischer BriefmarkeDie letzte Burg der Markenserie stammt nicht aus dem Mittelalter, sie schließt aber diesen kleinen Überblick sehr schön ab. Denn die im 18. Jahrhundert begonnene „Schwedenburg“ vor der Küste Helsinkis wurde zur „Finnenburg“. Am Ende des Nordischen Krieges hatte Schweden alle besetzten finnischen Gebiete an Russland verloren. Der Zar gewährte den Finnen als Willkommensgeschenk einen Autonomiestatus, besetzte aber im Gegenzug die groß und modern angelegte Festung. Dass ihre Bastionen ihr Geld wert waren, zeigte sich etwa zur Zeit des Krimkriegs, als die vereinten Flotten Englands und Frankreichs die Anlage beschossen, sie aber nicht einnehmen konnten. Nach der Russischen Revolution kam die Burg schließlich in die Hände der nun unabhängigen Finnen, die Suomenlinna auch im Zweiten Weltkrieg als Stützpunkt nutzten. Heute wird der historische Komplex vom Bildungsministerium verwaltet.

Burgen sind faszinierende Anschauungsobjekte, die uns helfen, die Geschichte eines Landes besser zu verstehen. Diese finnische Sondermarken-Serie belegt das auf ansprechende Weise.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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