Marke der Woche: Durchaus nützliche Fehlkonstruktion

Ein Zugfahrzeug mit kurioser LaufbahnUnsere heutige „Marke der Woche“ kommt aus einem Land ohne Menschen. Nun ja, es gibt dort schon welche, sie kommen aber nur zur Arbeit an diesen unwirtlichen Ort. Es handelt sich um die Französischen Süd- und Antarktisgebiete TAAF. Diese sind ein französisches Überseegebiet. Dass hier eigene Sondermarken ausgegeben werden, wäre nicht unbedingt notwendig, aber es macht zumindest Freude, sich die thematisch stimmigen und schön umgesetzten Marken anzuschauen. Unsere Marke zeigt ein Raupenfahrzeug, welches eine bewegte Geschichte hinter sich hat.

Wie auf dem Markenbild zu lesen ist, heißt das Fahrzeug „Bren-Carrier“, es handelt sich also um ein Transportfahrzeug. Der Name Bren leitet sich als Kompositum von den Städten Brno in Tschechien und Enfield ab. Letzteres liegt am Rande Londons. Wie das nun zusammenpasst, ist folgendermaßen erklärt: Bren bezeichnet nicht das Fahrzeug, sondern das, was vor langer Zeit hinten draufgeschraubt war, nämlich ein Maschinengewehr. Britische Entwickler hatten das tschechische leichte MG ZB vz.26 aus Brünn weiterentwickelt, um das veraltete Lewis-MG abzulösen. Das Bren-MG war nun die Hauptwaffe eines kleinen Mini-Panzers, der nach dem Ersten Weltkrieg als absolute Neuheit produziert wurde. Schnell und billig wollte man die Schlachtfelder mit diesen kleinen Kettenfahrzeugen revolutionieren. Doch es kam anders. Die Praxis zeigte, dass die kaum gepanzerten Fahrzeuge viel zu angreifbar waren. Einige wenige Versuche im Zweiten Weltkrieg, sie wie Panzer einzusetzen, scheiterten kläglich. Man benutzte sie also lieber als Zugmaschinen oder Personentransporter. Für diese Verwendung waren sie geeignet, was nun auch der Grund dafür war, dass sie im zivilen Sektor durchaus Anhänger fanden. Am Polarkreis kam es auf zuverlässige Leistung an. Hier waren die Bren-Carrier also sinnvoll genutzt.

Die Briten haben allerdings nach dem Krieg noch eine größere Anzahl an die Bundeswehr verkauft. Kein gutes Geschäft, möchte man keinen. Aber da die NVA bereits welche hatte, musste man vielleicht mitziehen. Wer weiß? Es war ja auch durchaus im Sinne des Zeitgeistes, deutschen Streitkräften die allzu üppige Ausstattung mit Panzern zu missgönnen. Dann ging man doch lieber auf Nummer sicher und sorgte dafür, dass Deutschland mit diesen Panzern keinen Krieg mehr anfangen mochte…


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Verfasst von: Jan Sperhake

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