Marke der Woche: Reise in die Vergangenheit

Relikte aus der VergangenheitJa, er kommt! Seine Durchlaucht Albert Alexandre Louis Pierre Rainier Grimaldi, Fürst von Monaco, wird seinen Fuß auf den historischen Boden von Vic-sur-Cère und Carlat setzen. Vic-was? Vic-wo? Und vor allem warum? Unsere „Marke der Woche“ klärt auf. Am 14. Mai erscheint ein Sondermarken-Block des Fürstentums anlässlich des erlauchten Besuches des Fürstenpaars in den Gefilden ihres ehemaligen Lehens im Herzen Frankreichs. Die Verbindung des kleinen Mittelmeer-Stadtstaates mit Frankreich ist schon sehr alt und geht auf das Mittelalter zurück. Denn die Grimaldis waren ursprünglich Flüchtlinge aus Genua, die sich mit der Felsenfestung an der Küste einen neuen kleinen Stützpunkt erobert hatten. Aber das Glück war damals noch stets auf der Seite der Starken, und so verloren die Grimaldis ihren neuen Sitz ein ums andere Mal. Was aber macht ein Fürst ohne Land? Wenn er über keinerlei Fähigkeiten verfügt, wird er zur Boulevardblatt-Prominenz, wenn er über ein gewisses finanzielles Geschick verfügt, geht er in die Wirtschaft, wenn er aber Mut und taktisches Gespür hat, stellt er sich in den Dienst eines Königs und versucht, sich Wohlstand und Ansehen zu verdienen. Und so verhielt es sich auch mit den Söhnen der monegassischen Familie. Der erste Fürst Rainer wurde zu einem erfolgreichen Admiral in der französischen Flotte, dessen Sohn Charles I. kämpfte zu Lande für den König von Frankreich und Charles Sohn Rainier II. wiederum hielt es mit der Königin von Neapel, Johanna I. Nach etlichen Generationen, in denen stets Genua auf der Lauer lag, sich den Sitz der abdrünnigen Familie einzuverleiben, gelang es den Grimaldis endlich, von Seiten des französischen Throns als unabhängiges Fürstentum anerkannt zu werden.

Doch dieses Glück währte nicht lange. Denn als sich Frankreich mit Genua verbündete, suchte sich der Fürst von Monaco besser einen neuen Schutzherren, und fand diesen in Kaiser Karl V., dem alten Erzfeind Frankreichs. Diese Wahl enpuppte sich aber als ungemein kostspielig. Die vom Kaiser in Monaco stationierte spanische Garnison fraß dem Fürsten buchstäblich die Haare vom Kopf. Was sollte er tun? Richtig, er wechselte einfach von Neuem die Allianz und verhandelte mit dem berüchtigten Kardinal Richelieu. 1641 wurden die Spanier vertrieben. Dies hatte zwar zur Folge, dass die Grimaldis auch ihren sonstigen Besitz im spanisch beeinflussten Norditalien verloren, doch der französische König zeigte sich großzügig und verlieh Honoré II. von Monaco zur Entschädigung einige kleine französische Grafschaften. Diese verlor Monaco zwar im Zuge der Französischen Revolution und der nachfolgenden Herrschaft Napoleons, aber solche Kleinigkeiten haben bekanntlich noch nie einen Fürsten daran gehindert, seine ehemaligen Untertanen von zu Zeit zu Zeit zu beglücken, und sei es mit einer schönen Sondermarke.

Mit solchen Ideen könnte man der Philatelie Europas vielleicht zu ganz neuen Höhen verhelfen, wenn nämlich alle Fürsten- und Königshäuser Markenserien zu ihren ehemaligen Besitzungen veröffentlichten. Es gab Zeiten, in denen die Luxemburger halb Europa besaßen, in denen im Habsburger Reich nie die Sonne unterging und in denen Mecklenburg-Vorpommern dem schwedischen König huldigte. Vielleicht würde Letzterer sich sogar erbarmen, eine ansonsten in Europa wenig wohlgelittene Dame aus dieser Region zu empfangen? Dann könnten beide in den Sonnenuntergang zu Füßen des Boulevard-Blätterwaldes reiten und die Politik wieder den richtigen Rüpeln überlassen. Obwohl… diesen Trend kann man ja vielleicht auch jetzt schon beobachten, oder?

 


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Verfasst von: Torsten Berndt

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