Marke der Woche: Völlig Verstrahlt

Nevada auf BriefmarkeIn den USA gibt es einen Bundesstaat, der dem aufmerksamen Betrachter die unmöglichen Begrenztheiten unbegrenzter Möglichkeiten vor Augen führt. Unsere „Marke der Woche“ feiert am 29. Mai das 150. Jubiläum des Staates Nevada. Der ist ein bisschen kleiner als die Bundesrepublik Deutschland und beherbergt zahlenmäßig ungefähr die Bevölkerung von Berlin. Rund die Hälfte der Einwohner hat sich im Großraum Las Vegas niedergelassen, während die anderen sich seit Generationen gegenseitig auf die Nerven gehen. Denn wie aus manch altem Western bzw. dem Alten Testament bekannt, gibt es stets Ärger, wenn Viehzüchter und Farmer aufeinandertreffen. Damit ein bisschen Stimmung in die Party kommt, haben gewaltigen Edelmetallvorkommen als dritte Kraft die Minengesellschaften ins Spiel gebracht. Das ist umso ungeheuerlicher, als das Land eigentlich den Paiute und Shoshone-Indianern gehört, vertraglich zugesichert. Der sogenannte „Vertrag von Ruby Valley“ wurde allerdings erst nach etlichen Massakern an der Urbevölkerung abgeschlossen, sodass diese sich gegen die folgenden Verstöße nicht mehr wehren konnten. Man baute also Eisenbahnen, verbot den Indianern das Jagen und den Gebrauch ihrer Sprache und – da man mit dem Resultat noch nicht ganz zufrieden war – entschloss sich in den 1950er-Jahren, die freundlichen Sammler und Jäger an einer weltbewegenden Technologie teilhaben zu lassen. Mehr als 900 Atombomben verzückten die Menschen mit ihrem – im Wortsinne – atemberaubenden Lichtschein. Denn wer nicht verzog, verzuckte, bzw. verreckte ganz langsam und jämmerlich an der freigesetzten Strahlung. Dieses Schicksal teilten allerdings auch zahlreiche US-Soldaten, deren Vorgesetzten sie in wenigen Kilometern Entfernung von der Zündung ausharren ließen. Aber was erwartet man von einem Land, indem den Kindern beigebracht wird, im Falle eines Atomangriffs unter den Schulbänken Schutz zu suchen…

Wie dem auch sei, da das Land nunmal eh schon verstrahlt ist, überlegt man jetzt, dort auch den restlichen Atommüll einzulagern. Ob die Paiute und Shoshone jemals wieder einen Vertrag mit den Amerikaner abschließen werden? Zum Schutz der Menschen hat man das ganze Areal mittlerweile abgesperrt, diverse militärische Testanlagen installiert und sich sogar eine Ufo-Werkstatt eingerichtet. Aber es nützt nichts, intelligentes Leben hat sich immer noch nicht gezeigt, eher das Gegenteil.

Etwas Gutes ist jedoch aus dem Anschluss Nevadas entstanden: die Idee des zivilen Ungehorsams von Henry David Thoreau. Dieser war nämlich ein gänzlich unamerikanischer Pazifist und lehnte daher den Annektionskrieg gegen Mexiko ab, der die USA um die Bundesstaaten Kalifornien, Arizona, Neu-Mexiko, Utah, Nevada und Texas sowie Teile von Wyoming und Colorado vergrößerte. Aus Protest verweigert Thoreau also seine Steuerzahlungen, um persönlich von der Schuld frei zu sein, mit seinem Geld den Krieg finanziert zu haben. Im Gefängnis und in den Jahren danach entwickelte er seine Theorie weiter und kam zu dem Schluss, dass, wenn man durch das Befolgen eines Gesetzes Unrecht tut, es besser sei, das Gesetz zu brechen.

Diese Steuerverweigerung aus Gewissensgründen ist natürlich heutzutage für viele Menschen zu anstrengend. Gerichtstermine, endloser Schriftverkehr mit diversen Ämtern und Behörden, und dann am Ende vielleicht noch eine saftige Strafe, so sähe das vermutlich aus. Was man aber tun kann, ist ganz einfach. Wenn Sie schon Ihre Steuern ordentlich bezahlen, dann vermeiden Sie doch Einkäufe bei Unternehmen, die ebenfalls von Kriegen und Elend profitieren. Das ist legal, nicht besonders stressig und hilft dennoch. Aber vielleicht müsste man dann auf ein paar Dinge verzichten, deren Produktion auf dem Leid anderer basiert.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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