Marke der Woche: Porcospino à la San Marino

Sonderbare Gemeinschaftsausgabe„Schön ist es auf der Welt zu sein, sprach der Igel zu dem Stachelschwein…“, so geht das beliebte Kinderlied über die zwei stacheligen Gefährten. Dass eine Freundschaft zwischen zwei so von der Natur bewehrten Wesen mitunter schwierig sein kann, liegt auf der Hand. Selbst beim Kuscheln ist Vorsicht geboten. Welche Beweggründe nun die Postverwaltungen von Italien und San Marino dazu bewogen haben, ausgerechnet das Stachelschwein zum Symbol ihrer Freundschaft zu erheben, erschließt sich dem Betrachter eher nicht. Dennoch zeigt unsere „Marke der Woche“ ein putziges kleines „porcospino“ mit dem Freundschaftslogo „nah und fern“. Nun ja, im Zweifelsfall lieber mit ein bisschen mehr Abstand…

Die Gemeinschaftsausgabe vom 5. Juni beruft sich auf das 75. Jubiläum des Freundschaftsvertrages zwischen dem Zwergstaat und der ihn umgebenden Italienischen Republik. Zurückgerechnet also 1939? War da nicht etwas? Naja, Italien war seit Januar 1925 eine Diktatur unter Benito Mussolini, in San Marino herrschte seit 1923 eine faschistische Mehrheit im Parlament – man war sich insofern schon einig, wie es mit der freiheitlichen Lebensgestaltung der Menschen zu halten sei. Und 1939 fand in Berlin der Reichsparteitag des Friedens statt, der kurz darauf dazu führte, dass der Igel und das Stachelschwein im Sog der Berliner Friedfertigkeit die Früchte der faschistischen Ideologie zu spüren bekamen. Im Gegensatz zu Italien hielt sich San Marino zwar seit jeher aus allen Kriegshandlungen heraus, die Schrecken des Krieges bekamen die Sanmarinesen jedoch dennoch zu spüren, als im Juni 1944 britische Bomber versuchten, den Rückzug der deutschen Wehrmacht nach Norden zu stoppen und dabei den Monte Titano trafen.

Stacheliger ErsttagsstempelDie moderne Kriegführung machte keinen Halt vor den traditionellen Qualitäten dieser Bergfestung. Dabei war es den Bergbewohnern jahrhundertelang gelungen, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Einerseits konnte die Heere des Mittelalters und der Neuzeit tatsächlich nur schwer auf so einem Terrain ihre Stärke ausspielen, andererseits – so ehrlich muss man sein – war der Miniatur-Staat auf dem luftigen Gipfel solche Anstrengungen auch nie so recht wert gewesen. Geschicktes Taktieren und politische Weitsicht taten ihr Übriges. Als Napoleon, gepackt von sentimentaler Hochachtung vor dem demokratischen Urgestein San Marino, einst sogar die Erweiterung des Territoriums anbot, lehnte der Rat dankend ab. Man ahnte bereits, dass die Nachbarn sich spätestens nach dem Ende des großen kleinen Korsen für so ein Verhalten gerächt hätten. Soviel Weitblick hatten seinerzeit die anderen europäischen Nationen nicht bewiesen. Auch bei der Einigung Italiens wollte man nicht mitmachen. Teil eines großen, aufstrebenden Staates werden? Ach nö, wir kuscheln lieber auf Distanz, und Krieg führen wir ebenfalls lieber aus der Ferne. So wurde etwa 1915 dem Deutschen Reich der Krieg erklärt, aber niemals wieder ein Frieden geschlossen. Aus gut unterrichteten Kreisen wurde berichtete, dass ein Staatsbesuch von Kanzlerin Merkel aufgrund von Attentatsplänen auf Eis gelegt wurde. Die Tierschutzorganisation PETA konnte den geheimen Aufkauf zahlreicher Stachelschweinherden belegen, die in unterirdischen Verliesen entlang der Paradestrecke angesiedelt wurden. Ein teuflisch stacheliger Plan…

Wir warten gespannt auf weitere Freundschaftsausgaben San Marinos. Aber bitte, liebe Philatelisten, immer schön vorsichtig sein, und nur mit der Pinzette anfassen. Vielleicht tragen die nächsten Briefmarken Stacheln.


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Verfasst von: Jan Sperhake

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