Marke der Woche: Fink des Anstoßes

Fink auf Briefmarken-Block„Die Finken, die Finken, die gaben der Braut zu trinken…“, so heißt es in dem alten Lied von der Vogelhochzeit. Doch die kleinen gefiederten Kerlchen taten noch viel mehr, und es wundert sehr, dass sie noch nicht auf der schwarzen Liste der Kreationisten gelandet sind. Denn es waren die Finken auf den Galapagos-Inseln, die seinerzeit Charles Darwin zur Entwicklung seiner Evolutionstheorie bewegt hatten. Die verschieden ausgeprägten Formen ihrer Schnäbel ließen den Naturforscher über die Anpassung der Arten an ihre Lebenräume und die Überlieferung dieser Anpassung in den Genen spekulieren. Warum gerade die Finken? Nun, vielleicht liegt es daran, dass diese Vögel weltweit vorkommen, Ausnahmen sind Australien sowie die Antarktis. Damit dürften sie zu den evolutionär erfolgreicheren Tieren gehören, eine Evolution vorausgesetzt. Zwar sind bereits ein Dutzend Arten dieser Vögel ausgestorben, das jedoch immer aufgrund äußerer Einflüsse. Eingeschleppte Räuber oder Krankheiten konnten isoliert lebende Bestände minimieren oder gar auslöschen. Dieses Schicksal teilten die Finken aber auch mit anderen Arten. Beispielsweise leidet der Tristan-Albatross unter der im Bauch der Schiffe eingeschleppten Hausmaus, die Gelege und Jungtiere dieser riesigen Meersvögel verspeist.

Die kleine Insel Tristan da Cunha, Ursprungsland unseres heutigen „Finken der Woche“, erweist dem tirilierenden Piepmatz am 18. Juni mit einer Sondermarkenausgabe die Ehre. Das erste Motiv zeigt einen Gough-Fink, benannt nach der kleinen Insel, auf der er lebt, sofern er nicht gerade ausstirbt. Denn auch hier haben sich die europäischen Hausmäuse als tödliche Gefahr erwiesen. Nach Gough kamen die Finken vermutlich mit den starken Westwinden aus Patagonien. In jedem Fall sind sie nicht gleichzeitig mit den anderen Finken der Region gekommen. Da die Jungtiere des Gough-Finken sich vom Körperbau her stark von den ausgewachsenene Tieren unterscheiden, hatte man sie ursprünglich für eine andere Finkenart gehalten. In dieser Hinsicht stehen sie dem Menschen recht nahe, denn auch die kennen das unbehagliche Gefühl, wenn einem bei der Betrachtung des Nachwuchses die Erkenntnis überkommt: „Das kann einfach nicht mein Kind sein…“

Die unterschiedlichen Tristan-FinkenAuf den Inselchen Inaccessible- und Nightingale-Island fehlen die eingeschleppten Räuber zum Glück. Daher kann man dort auch noch die sehr unterschiedlich ausgeprägten Finken mit den Namen Nightingale und Wilkins antreffen. Ihre Schnäbel haben sich – wie bei den Darwin-Finken – auf besonders anschauliche Weise ihrer Ernährung angepasst. Aufgrund der engen Verwandschaftsverhältnisse der Finken mit den unterschiedlichsten Schnabelformen auf beiden Inseln, geht man heute davon aus, dass die Spezifizierung auf beiden Inseln getrennt vonstatten gegangen ist. Die Wissenschaft freut sich in jedem Fall sehr, auf den entlegenden Inseln von Tristan da Cunha dabei sein zu dürfen, denn die Evolution, so es denn eine gibt, vor ihren Augen ihre Kraft entfaltet. Ob diese eine weitere Spezalisierung oder vielleicht stattdessen ein Zusammenwachsen der Arten bereithält, darüber wird noch spekuliert.

Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass in den Bäuchen der Schiffe keine Kreationisten eingeschleppt werden.

 

 


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Verfasst von: Jan Sperhake

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