Marke der Woche: Israels gefährdete Lurche

Mit vier Sondermarken in jeweils zwei Ausführungen macht die Israelische Post auf in der Region beheimatete und vom Aussterben bedrohte Amphibienarten aufmerksam. Die Bedrohung ist natürlich anthropogenen Ursprungs. Die Lebensraumzerstörung schreitet vorwiegend durch die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen immer weiter voran. Ein globaler Grund für das Amphibiensterben ist auch eine durch eingeschleppte Chytrid-Pilze verursachte Krankheit, die ganze Populationen dahinrafft. Ursprünglich kam der Pilz über afrikanische Krallenfrösche in die Labore weltweit. Krallenfrösche dienen als Testorganismus bei verschiedenen medizinischen Verfahren. Amphibien anderer Regionen und Kontinente haben keinerlei Schutzmechanismen gegen die schmarotzenden Pilze entwickelt und so wurde eine globale Chytrid-Epidemie ausgelöst, die seit etwa der 80er-Jahre bis heute in bedrohlichem Maße anhält.

Syrischer Schaufelfuß auf BriefmarkeDer mit unserer heimischen Knoblauchkröte verwandte Syrische Schaufelfuß (Pelobates syriacus) vergräbt sich mit Hilfe seiner an den Hinterfüßen stark ausgeprägten hornigen Grabschaufeln tagsüber in der Erde und erscheint nur bei Nacht, um dann Jagd auf Insekten und Schnecken zu machen. Von Ende Oktober bis Anfang März bleiben die Tiere gänzlich unter Tage. Ein extrem reduzierter Stoffwechsel hilft den Kröten dabei, in ihrem temporären Grab zu überleben. Auch im Wasser überwinternde Kaulquappen sind bei dieser Art bekannt. Diese zeigen dann oftmals einen Riesenwuchs von knapp 17cm.

Bandmolch auf BriefmarkeDer zur Kammolch-Gruppe gehörende Bandmolch (Ommatotriton vittatus) könnte als Vorlage für Godzilla gedient haben. Das Hochzeitskleid der männlichen Tiere in der Wasserphase erinnert stark an vorsintflutliche Drachengestalten. Mit hochgewachsenem Zackenkamm versuchen sie Rivalen im Teich zu vertreiben und den Weibchen zu imponieren. Mit Wedeln des Schwanzes und zitterndem Flossensaum machen die Tiere ihr Anliegen deutlich. Der Tanz dient auch der Verbreitung von Duftstoffen, welche das Interesse der Angebeteten wecken sollen. Im zugehörigen Tab ist ein Tier in Landtracht dargestellt.

Vorderasiatischer Feuersalamander auf BriefmarkeDer Vorderasiatische Feuersalamander (Salamandra infraimmaculata), eine Schwesterart unseres heimischen Feuersalamanders, macht ebenfalls mit seiner auffälligen schwarz-orangenen Zeichnung auf seine Giftigkeit aufmerksam. Über zwei Drüsen hinter den Ohren können die Tiere bei Gefahr ein stark reizendes Hautsekret abgeben. Die deutsche Bezeichnung Feuersalamander beruht allerdings nicht auf der Färbung und Toxizität der Tiere, sondern auf der abergläubigen Ansicht, dass ins Feuer geworfene Salamander dieses zu löschen vermögen. Anders als die Bandmolche setzen die Weibchen nach der Paarungszeit keine Eier, sondern schon entwickelte Larven in klare Gebirgsbäche am Berg Hermon, in Galiläa und in den Karmelbergen ab.

Hula-Frosch auf BriefmarkeEine absolute Sensation in einschlägigen Wissenschaftskreisen war 2011 die Wiederentdeckung des Hula-Frosches (Latonia nigriventer) in den Marschen und Sumpfgebieten entlang des Hula-Tals. Der erst in den 1940er-Jahren entdeckte Frosch galt ab etwa 1955 als verschollen und wurde 1996 als erster Frosch von den Vereinten Nationen als ausgestorben klassifiziert. Inzwischen gibt es Pläne, Teile der Hula-Ebene wieder zu renaturieren und das ursprüngliche Sumpfhabitat wiederherzustellen, um ein Überleben dieser endemischen Art sicherzustellen. Der Hula-Frosch, auch israelischer Scheibenzüngler genannt, ist ein lebendes Fossil. Seine nächsten Verwandten sind in Europa seit etwa einer Million Jahren ausgestorben.

Unsere „Marke der Woche“ kommt am 23. Juni an die Postschalter.

von Boris M. Hillmann

Der Kleinbogen aus Israel


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Verfasst von: Jan Sperhake

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