Marke der Woche: Die Mutter aller Stellvertreterkriege

USA_Medal_of_HonourDie US-amerikanische Post gibt am 26. Juli zwei Sonderbriefmarken heraus, welche die Medal of Honor in zwei Ausführungen als Ehrenabzeichen für die Navy und die Army zeigen und an die 145 Träger dieser Medaille des Koreakrieges erinnern sollen. Bei einer Ehrenmedaille für Kriegsteilnahme ist die Interpretation der Ehre natürlich abhängig vom Blickpunkt des Betrachters, in diesem Fall die US-Army.

Besieht man sich den Verlauf des Koreakrieges aus einer weniger militärischen Perspektive kommt man jedoch nicht umhin, die Ehre der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges als geopolitische Scharmützel und ideologischer Ignoranz gepaart mit narzisstischem Wahrheitsanspruch gleichzusetzen. Der Koreakrieg ist die Mutter aller Stellvertreterkriege; eine besonders perfide Art der militärischen Auseinandersetzung, die zurzeit vorerst noch auf diplomatischer Ebene durch den Konflikt in der Ukraine eine Renaissance erlebt.

Das vor dem zweiten Weltkrieg von Japan annektierte Korea wurde nach dem Krieg unter den Siegermächten in zwei Besatzungszonen aufgeteilt. Der Süden stand unter US-amerikanischer, der Norden unter sowjetischer Besatzung, ein vereinigtes Korea war durch Verträge geplant. Allerdings haben sich die Mächtigen an diese Verträge, wie so oft in der Geschichte der Politik, nicht gehalten. Also kam es, dass der Kalte Krieg in Korea zu einem echten Krieg ausuferte, da beide Seiten ihr Weltbild im vereinigten Korea durch- und umgesetzt sehen wollten. Natürlich stand dann bei den Russen auch China später zur Seite und bei den Amerikanern ein paar UN-Truppen.

Tatsächlich war es Nordkorea unter dem kriegslüsternen Machthaber Kim Il-sung, dessen Enkel Kim Jong-un derzeitig als „Oberster Führer“ die Geschicke des Landes dirigieren darf, welcher Ende Juni 1950 die nordkoreanische Truppen über den 38. Breitengrad in den südlichen Teil Koreas schickte und bis zum September fast die gesamte Halbinsel einnahm. Die dann einsetzende Gegenoffensive der UN-Truppen unter Vorherrschaft des US-Militärs drängte die Invasoren wieder zurück.

Nach unzähligen Kriegsverbrechen, Massakeren und anderen grausamen Tötungsdelikten auf beiden Seiten hatte dieser Krieg insgesamt knapp 5 Millionen Menschenleben gekostet, die große Mehrheit davon natürlich die Zivilbevölkerung. Nach drei Jahren wurde ein Waffenstilstand vereinbart und eine entmilitarisierte Zone entlang der Grenze eingerichtet. Noch heute stehen sich über eine Million Soldaten an dieser Grenze gegenüber.

Durch den Krieg sind die beiden koreanischen Staaten von einer Wiedervereinigung weiter entfernt, als vor dem Konflikt. Die beiden großen Siegermächte haben durch ihren ersten Stellvertreterkrieg nach dem Zweiten Weltkrieg außer traumatisierten Menschen, Leid und Tod eigentlich nichts bewirkt, was einer ehrenhaften Auszeichnung gerecht wird. Nach drei Jahren grausamen Krieg endete dieser mit dem status quo ante bellum.


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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