Marke der Woche: Snoopy und andere Kleinigkeiten

Neue Sonderbriefmarken aus Japan mit Snoopy und Konsorten - Teil 1Wir befinden uns in einem kleinen amerikanischen Vorort, vermutlich irgendwo in Minnesota. Im Garten eines holzverkleideten Bungalows steht eine ebenso holzverkleidete Hundehütte. Oben auf dem Dach liegt rücklings ein weißer Beagle mit schwarzen Ohren, philosophiert in Gedanken und vom Essen träumend. Er philosophiert? Und liegt auf dem Rücken?

Ja, dieser Hund kann das. Snoopy, der bekannte Hund aus dem Comicstreifen „Peanuts“ (wörtlich eigentlich Erdnüsse, aber hier sind Kleinigkeiten gemeint), ist vielleicht der interessanteste Charakter der Serie und verhält sich ganz und gar nicht wie ein typischer Hund. Zumindest erscheint das dem Leser zunächst so. Für die anderen Charaktere um Charlie Brown, Schröder, Lucy und Linus ist das Verhalten des liebenswürdigen Hundes völlig normal. Es ist wie bei diesem Witz von dem Mann, der in eine Kneipe kommt und am Tisch spielen drei Männer und ein Hund Karten. Da tritt der Mann an die Runde heran und stellt verwundert fest: „Das muss aber ein sehr schlauer Hund sein, wenn er sogar Karten spielen kann?!“ Daraufhin entgegnet ihm einer der Kartenspieler gereizt: „Ein saublöder Hund ist der! Jedes Mal, wenn er gute Karten hat, wedelt er mit dem Schwanz!“

Von Snoopy ist zwar das Kartenspielen nicht dokumentiert, dafür kann er mit allerlei anderem atypisch Hundeartigem aufwarten: Snoopy spielt Tennis (übrigens auch im Doppel mit seinem Partner, dem Garagentor), gibt Unterreicht im Eiskunstlauf und ist Anführer einen kleinen Pfadfindergruppe (die eigentlich nur aus ihm und vier kleinen gelben Vögeln besteht). Er ist besonders tierlieb, kann aber die Nachbarskatze nicht leiden, bzw. hat panische Angst vor ihr. Sein bester Freund ist ein kleiner gelber Vogel namens Woodstock, dessen Eltern eines Tages einfach ein Nest auf dem Bauch des wieder einmal rücklings auf dem Hundehausdach liegenden Snoopy gebaut hatten. Kurz bevor die kleinen Jungvögel das Fliegen erlernen konnten, war es aber mit der Geduld von Snoopy vorbei und so fiel das Nest auf den Boden. Dieses Trauma ist Grund dafür, dass Woodstock heute nicht richtig fliegen kann und so muss Snoopy seinen Freund manches Mal aus der Wasserschale retten, wenn dieser hineingefallen ist. Woodstock und seine Geschwister gehören zu Snoopys Pfadfindergruppe.

Neue Sonderbriefmarken aus Japan mit Snoopy und Konsorten - Teil 2Snoopy kann zwar nicht reden, aber er verständigt sich seinen Mitcharakteren über Tänze und Gesten und dem Leser über seine Gedanken. Die augenscheinliche Behäbigkeit und Langeweile, mit der Snoopy seine Stunden auf dem Hundehüttendach verbringt, wird durch zahlreiche Aktivitäten in Tagträumen wieder wettgemacht. So dürfen wir an seinen Phantasiewelten teilhaben, in denen er als Fliegerass im Ersten Weltkrieg mit einer Doppeldeckermaschine die Welt vor dem bösen Roten Baron (eigentlich Freiherr) Manfred von Richthofen beschützt. Richthofen war tatsächlich auf deutscher Seite einer der bekanntesten Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, der die meisten Abschüsse zu verzeichnen hatte.

Eine andere Tagtraumepisode zeigt uns Joe Cool, ein weiteres Alter Ego von Snoopy, der mit dunkler Sonnenbrille als größter Surfer am Strand auch schon mal mit Rollschuhen erscheint. Snoopy ist ein strenger Trainer beim Eiskunstlauf, sorgt für die Musik bei der Kür und glättet die Eisbahn mit der Aufbereitungsmaschine. Die Anmut, mit der er seine Bahnen zieht, ist Ausdruck für die tiefe Leidenschaft, die er diesem Sport zukommen lässt. Tatsächlich, also im „echten“ Leben, spielt Snoopy auch als Shortstop in der Baseballmannschaft von Charlie Brown mit. Er gilt dort mit seiner Fähigkeit Bälle mit dem Maul zu fangen als bester Spieler, was die mangelnden Fähigkeiten der anderen Spieler um Lucy allerdings nicht aufwiegt und die Mannschaft dennoch nie gewinnen lässt.

Neben diesen Aktivitäten ist Snoopy auch der Kunst und Literatur nicht abgeneigt. Seine Lesetechnik erscheint dabei etwas skurril: So liest er den bekannten Jahrhundertroman „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi, allerdings nur ein Wort pro Tag. Dennoch beeindruckt von den Literaten der Welt verfasst Snoopy eigene Manuskripte an, von deren Brillanz Snoopy überzeugt ist. Allerdings scheitert die Veröffentlichung aufgrund der Ignoranz der Verleger, welche die Meisterwerke ständig ablehnen, deren Bedeutung ganz offensichtlich nicht erkennen und in ihren schriftlichen Antworten genervte Untertöne durchblicken lassen. In seiner Hütte hängt ein Orginal-Bild des holländischen Malers Vincent van Gogh, das aber bei einem Brand zerstört wird. Musikalisch betätigt sich Snoopy gelegentlich am Akkordeon, spielt dann allerdings nur Polka und Waltzer.

Im Grunde ist Snoopy zu Beginn der Peanuts im Jahr 1950 ein gewöhnlicher Hund, der im Laufe der Zeit aber immer mehr menschliche Verhaltensweisen zeigt. Man könnte auch sagen, Snoopys Charakter ist der eines Hundes, der vorgibt ein Mensch zu sein, oder anders: Snoopy vergisst lediglich, dass er eigentlich ein exzentrischer Hund ist. In zahlreichen Episoden schlüpft der kleine Beagle, der sich selbst nicht als Beagle sieht, in andere Rollen. Neben den bereits erwähnten immer wiederkehrenden Figuren, tritt Snoopy auch als geschniegelter Anwalt in Erscheinung, der die Interessen einer anderen Comicfigur, dem Kaninchen Peter Rabbit, einst vertreten hatte. Er imitiert Pelikane, Schlangen, Elche, Beethoven und Micky Maus. Er war der erste Hund, der über den Atlantik flog und der erste Hund auf dem Mond.

Leider sind die unterhaltsamen Geschichten unseres kleinen Freundes endlich – eine Fortsetzung der Abenteuer um Snoopy und Charlie Brown wird es seit dem Tod von deren Schöpfer Charles M. Schulz im Jahr 2000 nicht mehr geben. Ein kleiner Trost vielleicht: Die deutschsprachige Umsetzung der Peanuts Werkausgabe erscheint seit August 2006 beim Carlsen Verlag. Der bisherige Erscheinungsmodus von jeweils zwei Bänden pro Jahr führt zu einem Abschluss erst im Jahre 2018.

Japan ehrt die beleibten Helden der Peanuts mit zwei Sätzen zu je 20 Sondermarken, die  heute erscheinen.


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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