Marke der Woche: Headbanger aus Åland

Die 1960er-Jahre auf Åland waren musikalisch gesehen eine Erlösung vom bis dahin traditionellen (und daher langweiligen) Hambo, einem schwedischer Volkstanz der dem Walzer nicht unähnlich ist, dem Schottisch, eine Abwandlung der Polka und dem Foxtrott. Letzterer war bis zur sogenannten „Negermusik“, ein nicht ganz orthodoxes Synonym für „Popmusik“, welches meine Großvätergeneration schon mal hinter vorgehaltener Hand in den Mund nahm, das Modernste, was es auf Åland und auch anderswo gab.

Aland_Pop_3Doch dann traten Musikgruppen auf den Plan, die anstatt mit Ziehharmonika, Konzertgitarre und Kontrabass mit E-Gitarren, E-Bass und Schlagzeug auf den Bühnen in und um Åland einheizten. Ganze Heerscharen von jungen Menschen strömten in die Clubs, Bars und Kneipen, infiziert von etwas Neuem und Wildem, etwas Anrüchigem und fast schon Verbotenem. Den Gruppen The Anacondas, Stockdoves und Hitch Hikers sind jetzt je eine Briefmarke von den Machern der Posten Åland gewidmet worden. Die drei Sondermarken der åländischen Lokalmatadore erscheinen am 25. August.

Aland_Pop_2Die E-Gitarrenband Anacondas formierte sich bereits im Jahr 1962 und war vorwiegend von den britischen und schwedischen Instrumental-Gruppierungen wie The Shadows, The Spotnicks und The Violents beeinflusst.

Aland-Pop-Briefmarke1Die Hitch Hikers hatten gar Ambitionen ins professionelle Musikgeschäft einzusteigen und hatten auch tatsächlich einige Jahre von ihrer Musik ein Auskommen während dieser goldenen Ära. Ihre Tourneen führten sie zumeist in die Anrainerstaaten der Inselgruppe und auch ein gemeinsamer Fernsehauftritt mit dem damals sehr angesagten Pop-Duo Sonny & Cher (heute gibt es nur noch Cher, die vorwiegend aufgrund ihrer extrem reduzierten Garderobe noch einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt) ist Teil ihrer Historie.

Auf der zur Band zugehörigen Sondermarke ist neben den fünf Mitgliedern der Musikgruppe auch deren Tourneebus abgebildet, der, wie der damalige Sänger der Band Håkan Rikberg erzählt, wegen seines Aussehens und Zustandes (entsprechend dem damaligen Zeitgeist und Lebensgefühls) von der Polizei oft angehalten wurde. Bekritzelt mit Liebeserklärungen und Mitteilungen von den Fans zeugt der wackelige VW-Bus von der damaligen Popularität der Musik-Kombo.

Update (15 Uhr): 

Soeben haben wir von der åländischen Post erfahren, dass die Marken noch eine Smartphone-Funktion besitzen, die per App – also Software-Applikation – aktiviert werden kann. Das Programm gibt es bei der SEPAC oder in den App-Stores von Google und Apple kostenlos zum Herunterladen. Führt man dann das Smartphone über die Marken, kann man die entsprechenden Bands anhören. Das funktioniert auch mit den Abbildungen in unserem Artikel.

von Boris M. Hillmann


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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