Marke der Woche: Die Evolution und der Schweizer Käse

Mohrenfalter-BriefmarkeZur Abwechslung wollen wir uns in dieser Woche mal wieder einem tierischen Motiv der aktuellen Neuausgaben widmen. Der französische Teil der Pyrenäenrepublik Andorra gibt zum 05. September eine schöne Briefmarke mit einer Zeichnung eines Mohrenfalters aus der Gattung Erebia heraus.
Die tagaktiven Falter besiedeln bevorzugt die Höhenlagen der Holarktis, also der eurasischen und nordamerikanischen Gebirge und Mittelgebirge. Alle Arten tragen ein dunkel gehaltenes Farbkleid, was als Anpassung an kältere und feuchtere Habitate interpretiert wird, sowie in Anzahl und Position unterschiedlich gestaltete Augenflecken auf den Vorder- und Hinterflügeln. Die Augenflecken dienen ganz offensichtlich der Abschreckung von Fressfeinden wie Vögeln und Echsen. Unser heimisches Tagpfauenauge ist ein Musterbeispiel für diese abschreckende Wirkung der auffälligen Zeichnung. Noch ausgeprägter und damit noch furchteinflößender sind diese falschen Augen bei den Nachtfaltern der Gattung Automeris, die nur bei Gefahr ihre Flügel ausbreiten und so das riesige Augenpaar auf den Hinterflügeln präsentieren.

Die Mohrenfalter lassen sich weltweit in etwa 80 bis über 100 Arten einteilen, je nach dem, welcher Expertenmeinung man folgt. Die wissenschaftliche Abtrennung von Arten ist manchmal nicht so einfach, wie man sich das gemeinhin vorstellt. Dennoch ist die hohe Variabilität innerhalb der Gattung im Zusammenhang mit ihrem Lebensraum und der Erdhistorie ein gutes Beispiel dafür, wie Evolution funktioniert:
Angenommen, es gab vor der letzten Eiszeit in den gesamten Alpen eine Art von Mohrenfalter, nennen wir sie schlicht und einfach Mutterart. Mit dem Beginn der Kälteperiode wurde der gesamte Lebensraum dieser Mutterart dann fragmentiert, das heißt, Individuen dieser Art wurden in Areale zurückgedrängt, die plötzlich keinerlei Verbindung mit anderen noch bewohnbaren Arealen der Mutterart hatten. Die so isolierten Gruppen lebten also wie in Löchern eines Schweizer Käses. Da der Käse um die Löcher, also die Kälte und das Eis der letzten Eiszeit, eine beträchtliche Zeit blieb, entwickelte sich, bedingt durch das vorhandene genetische Material, Mutationen und die unterschiedlichen klimatischen und sonstigen Bedingungen in den Käselöchern, die Mutterart in jedem dieser Löcher unterschiedlich weiter. Ein genetischer Austausch mit den Gruppen aus den anderen Löchern im Käse war nicht möglich, und somit auch keine Nivellierung der entsprechenden Mutationen, die einen Ausgleich darstellen würde. Nach der Eiszeit, nachdem also der Käse geschmolzen war und die Löcher keine Löcher mehr waren, war jedoch so viel Zeit vergangen und die Entwicklung der einzelnen Gruppen in den Käselöchern war so unterschiedlich verlaufen, dass eine genetische Vermischung zwischen den verschiedenen Gruppen nicht mehr möglich war. Es hatten sich also neue Arten herausgebildet, die sich auf die Bedingungen in ihrem vormaligen Käseloch perfekt angepasst hatten.
Die Mohrenfalter sind nur ein Beispiel für die illustre Darstellung von Evolutionsprozessen in alpinen Lebensräumen. Viele andere Tier- als auch Pflanzenarten sind ebenfalls zu sogenannten Eiszeitrelikten geworden, die wie die Mohrenfalter in Arealen überdauerten, die von der Eiszeit nicht völlig unbesiedelbar gemacht wurden. Doch das ist eine andere Käsegeschichte…


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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