Marke der Woche: Der ewige Papst

Boc_JUAN PABLO II_b1m0.aiKarol Józef Wojtyła, besser bekannt als Papst Johannes Paul II., bei Krakau am 18. Mai 1920 geboren, wuchs als später einziges Kind eines Schneiders und dessen Ehefrau auf. Eine ältere Schwester war bereits vor seiner Geburt verstorben, der ältere Bruder starb als junger Mann an Scharlach.

Sport und besonders Fußball waren dem jungen Bub Leidenschaft und Zeitvertreib. Die Mannschaftsaufstellungen wurden nach religiöser Konfession ausgerichtet, dennoch half Karol, als Pole fast schon zwingend Katholik, immer wieder freiwillig als Torwart bei der jüdischen Mannschaft aus. Die spanische Post erinnert mit einer heutigen Emmison einer Sondermarke an den Papst mit der längsten Amtszeit seit Pius IX.

In Krakau studierte er zunächst Philosophie und polnische Literatur. Bereits in Gymnasialzeiten war er Mitglied der schulischen Theatergruppe und so schloss er sich der studentischen Experimental-Theatergruppe „Studio 39“ an und verfasste auch selbst einige Stücke, zum Teil durch die Bibel inspiriert.

Bedingt durch die Schließung der Universität durch die deutsche Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg, führte der Junge Karol seine Studien im Untergrund fort. Der Deportation nach Deutschland entkam er durch Zwangsarbeit in einem Steinbruch und in einer Chemiefabrik.

Bereits 1942 trat er in das geheime Priesterseminar der Erzdiözese Krakau ein und wurde kurz nach dem Krieg, im November 1946 durch den damaligen Erzbischof zum Priester geweiht und zum Studium nach Rom geschickt. Dort erwarb er schließlich die Lizenz eines Theologen und den Doktor in Philosophie. Seine wissenschaftliche Karriere als Theologe mündete schließlich 1953 ein einer Professur für Moraltheologie in Krakau, ein Jahr später in einem Lehrauftrag für Philosophie und Sozialethik an der Universität von Lublin.

Der charismatische Prediger war schon während seiner Zeit als Kaplan für seine Predigten bekannt und während seiner Zeit als Bischof von Krakau forderte er sanft aber beständig das Recht zur freien Ausübung der Religion im damals kommunistischen Polen. Der Zusammenbruch des sozialistischen Systems in Polen wird nicht zuletzt auf die beharrliche Tätigkeit des späteren Papstes zurückgeführt. Auch war er einer der ersten Persönlichkeiten, die sich für eine Versöhnung mit dem Nachkriegsdeutschland aussprachen und belegte dies mit Reisen nach Deutschland und gemeinsamen Messen mit deutschen Priestern.

Am 16. Oktober 1978 zog weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle und Karol wurde als Nachfolger des am 28. September 1978 verstorbenen Johannes Paul I. zum nach kirchlicher Zählung 264. Papst und Bischof von Rom gewählt. Er war erst 58 Jahre alt, sportlich immer noch aktiv und alles andere als Medienscheu. „Medienpapst“ wurde er oft genannt. Zu Recht, denn kein Papst vor ihm war so öffentlichkeitsaffin wie er. Das hängt natürlich auch mit der Nachrichtentechnologie zusammen, die sich im Laufe weniger Jahrzehnte durch enormen Fortschritt auszeichnete.

Johannes Paul II. bereiste die Welt, sprach sich für die Religionsfreiheit aus, organisierte Weltgebete mit Vertretern aller großen Weltreligionen und stand für Versöhnung, Frieden und nicht zuletzt auch für das Ende des Kommunismus. Wenig offen und liberal stand der erste Mann der katholischen Kirche zum Thema Abtreibung und Homosexualität, was ihm viel Kritik einbrachte.

Für seine Haltung zum Kommunismus musste er beinahe mit dem Leben bezahlen. Nur knapp überlebte er ein Attentat. Der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Ağca feuerte drei Kugeln aus nächster Nähe im Mai 1981, als der Papst im offenen Mobil die Menschenmenge auf dem Petersplatz passierte. Ağca behauptete später, dass er vom Vatikan selbst beauftragt worden war, dann war es plötzlich der russische KGB. Erst letztes Jahr meldete sich der Attentäter von 1981 wieder zu Wort und verkündete der iranische Revolutionsführer und Ajatollah Ruhollah Chomeini selbst habe ihn zum Mord des „Sprachrohrs des Teufels auf Erden“ angestachelt. Das italienische Parlament gelangte allerdings mit seinem Untersuchungsausschuss 2006 zu dem Schluss, dass der russische Geheimdienst GRU in Zusammenarbeit mit dem bulgarischen Geheimdienst und dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR den Auftrag zum Mord gaben. Die Kommunisten sahen in Papst Johannes Paul II. offenbar eine Bedrohung. Den Papst focht das Motiv und den Grund jedoch wenig an. Nicht nur direkt nach dem Attentat verzieh er dem Täter, nein, er besuchte ihn sogar noch nach seiner Genesung im Gefängnis.

Ein zweites Attentat überlebte er ein Jahr später während einer Marienpilgerfahrt nach Portugal. Diesmal war es ein ultrakonservativer Vertreter des Klerus selbst, der im Papst eine Bedrohung für die katholische Kirche sah.

Johannes Paul II. war durch sein fast 26-jähriges Pontifex so populär geworden, dass sich die Kirche dazu berufen fühlte ihn, entgegen der sonst üblichen Statuten nicht erst nach 5 Jahren sondern bereits kurz nach seinem Tod den Seligsprechungsprozess einzuleiten. Sein Nachfolger, der ehemalige Kardinal Joseph Ratzinger alias Papst Benedikt XVI., nahm ihn schließlich im Mai 2011 in das Verzeichnis der Heiligen und Seligen auf. Die spontane Heilung der französischen Ordensschwester Marie Simon-Pierre war vom Vatikan als Wunder auf die Fürsprache des Seligen anerkannt worden.

Am Tag der Seligsprechung geschah dann wohl noch ein Wunder: An jenem Tag wurde Floribeth Mora Díaz aus Costa Rica von einem Aneurysma im Gehirn geheilt. Diesen Vorgang akzeptierte der Heilige Stuhl mit dem heutigen Papst Franziskus an der Spitze per Dekret als erforderliches Wunder für die höchste aller postmortalen kirchlichen Weihen und erhob am 27. April 2014 den einstigen fußballbegeisterten Jungen aus dem polnischen Krakau in den Himmel der Heiligen.


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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