Briefmarke der Woche: Mit Alice im Wunderboot

Alice im Wunderland auf englischen Briefmarken„Alices Abenteuer im Wunderland“ ist so bekannt wie die Märchen der Brüder Grimm, ein Meisterwerk der Literaturgeschichte. Die Geschichte und ihre Fortsetzung „Alice hinter den Spiegeln“ werden als eine Einheit angesehen. Der Stoff ist seit seiner Ersterscheinung 1865 zur Legende geworden und wird in zahlreichen Gedichten, Musikstücken und Filmen zitiert. Auch wenn man als Kind die Geschichte nicht verstanden hat, zumindest war jeder von der unterirdischen Parallelwelt verzückt, in die sich Alice im Traum entrückte. Unsere Briefmarke der Woche kommt von der königlichen Post Englands und Wales und erscheint morgen.

Nach all den zahlreichen Verfilmungen und Theaterinszenierungen, die der ein oder andere vielleicht schon gesehen hat, sollte sich das zum erwachsenen Leser herangereifte Kind vielleicht einmal an die originäre Form dieser seltsamen Erzählung heranwagen: die schriftlichen Auslassungen von einem gewissen Charles Lutwidge Dodgson alias Lewis Caroll.

Mr. Dodgson war Dozent für Mathematik und gleichzeitig Priester im englischen Oxford mit einem Hang zum Umgang mit jungen Mädchen. Immer wieder zeichnete er kleine Mädchen nackt oder posierte sie vor seine Kamera, was allerdings nicht nur seinem persönlichem, sondern auch dem damaligen Zeitgeschmack entsprach. Heute würde man ihn als Pädophilen bezeichnen, allerdings gibt es keine Hinweise auf sexuelles Verlangen seinerseits. Die kleinen Mädchen waren ihm zumindest die liebsten Freunde. Sobald sie in die Pubertät kamen, wurden sie für ihn uninteressant. Erwachsenen gegenüber stotterte Dodgson gelegentlich, Kindern gegenüber nie.

Angeblich war es Freitag, der 4. Juli 1862, als Dodgsen mit seinem Priester-Kollegen Robinson Duckworth eine Ruderbootsfahrt auf der Themse unternahm. Mit von der Partie waren auch die drei kleinen Töchter seines Dekans Liddell: Lorina Charlotte, Alice Pleasance und Edith Mary. Besonders die zehnjährige Alice hatte es dem geistlichen Mathematiker angetan und so erfand er zur Unterhaltung für die drei kleinen Mädchen die Geschichten um Alice, das weiße Kaninchen, den Hutmacher, den Märzhasen, Jaberwalkie und die grinsende Katze.

Diese mündliche Ur-Erzählung war der realen Alice jedoch nicht genug, so dass sie ihren väterlichen Freund Dodgson darum bat, er möge die Episoden doch für sie aufschreiben. Noch am gleichen Tag soll Dodgson sich an die Arbeit gemacht haben. Tatsächlich wurde das Werk für die kleine Alice erst im Herbst 1864 fertig, also knapp zwei Jahre nach der legendären Bootsfahrt auf der Themse.

Das Buch lag in seiner Urfassung unter dem Titel „Alice’s Adventures Under Ground“ einige Zeit bei der Familie der drei Kinder aus und begeisterte zahlreiche Besucher. Zuletzt drängten befreundete Kinderbuchautoren Dodgson zu einer Veröffentlichung. Im November 1865 schließlich erschien „Alices Adventures in Wonderland“ für ein Publikum, das im Sommer 1862 nicht mit im Boot saß.


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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