Briefmarke der Woche: Kranke Kunst

Kunst von Martin Ramirez auf Briefmarken

Natürlich gibt es keine kranke Kunst per se. Kunst ist zwar gemeinhin immer Ansichtssache, aber nicht jedes Gekritzel ist Kunst. Das, was der als katatonisch schizophren diagnostizierte Martin Ramirez allerdings in seiner Zeit in psychiatrischen Heilanstalten auf Papier gebracht hatte, gilt heute als ein Beispiel für hoch gehandelte Art Brut, also Kunst, die sich der Künstler autodidaktisch angeeignet hat. Die Vereinigten Staaten von Amerika erinnern an den aus Mexiko stammenden Künstler mit einem Block Sonderbriefmarken.

Martin Ramirez kam 1895 in Jalisco, Mexiko zur Welt und emigrierte in die Vereinigten Staaten, um als Straßenarbeiter sein Geld zu verdienen. Wann die Auswanderung stattfand, ist nicht belegt und die Angaben dazu variieren von 1900 bis 1915. Sicher ist, dass er schließlich hilfsbedürftig wurde und von den Behörden in die psychatrische Klinik Stockton, Kalifornien, eingewiesen wurde. Mit Schizophrenie diagnostiziert, verbrachte er anschließend die letzten 35 Jahre seines Lebens ab 1931 in verschiedenen kalifornischen Heilanstalten für psychisch Kranke, zuletzt in Auburn, nahe der Stadt Sacramento.

Hier begann er mit Erlaubnis des Krankenhauspersonals Zeichnungen und Kollagen anzufertigen. Seine Materialen dazu waren zunächst nur ein Bleistift und Brotpapier. Später nutzte er auch Kartoffelbrei, Brot und Speichel, um Papierfetzen von Tischdecken oder Buchseiten zusammenzukleben und darauf zu zeichnen. In Dewitt ging Dr. Tarno Pasto, Professor für Kunst und Psychologie, ein und aus und wurde auf die Brotpapierkunst von Ramirez aufmerksam. Er besorgte ihm besseres Arbeitsmaterial und nachdem Ramirez 1960 verstorben war, zeigte Tamaro die Arbeiten dem Künstler Jim Nutt, der zusammen mit dem Kunsthändler Phyllis Kind den gesamten Nachlass von Ramirez’s Arbeiten aufkaufte.

Heute gelten die fast 300 Zeichnungen des „mexikanischen Verrückten“ als ein Paradebeispiel für autodidaktische Kunst. Seine Zeichnungen werden für ihre Vielschichtigkeit und Komplexität geschätzt, die mexikanische Tradition mit der Moderne des 20. Jahrhunderts verbinden.

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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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