Briefmarke der Woche: Die Schlacht von Gallipoli

100 Jahre Erster Weltkrieg - Die Schlacht von Gallipoli auf australischen Briefmarken

Die Briefmarken, die wir Ihnen dieser Woche vorstellen, erinnern an die Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg und werden von der australischen Post in Gedenken an die Gefallenen verausgabt. Auf der türkischen Halbinsel verloren aber nicht nur Australier ihr Leben.

Insgesamt waren von der ersten Seeangriffen der alliierten Seekräfte vom 19. Februar 1915 bis hin zum kompletten Rückzug und der Evakuierung der vorwiegend englischen, französischen, australischen und neuseeländischen Truppen am 9. Januar des darauf folgenden Jahres etwa 100.000 Soldaten ums Leben gekommen. Auf Seiten der Alliierten waren etwa 550.000 Soldaten, auf Seiten der Türken etwa 315.000 Soldaten in dem Konflikt eingesetzt. Trotz der enormen Überzahl konnten die Entente-Mächte die mit den Mittelmächten verbündeten Osmanen auf der Halbinsel Gallipoli nicht bezwingen, von wo sie ihren Feldzug nach Konstantinopel vorbereiten und den Zugang zum Schwarzen Meer kontrollieren wollten.

Die verschiedenen Landungsvorstöße an den steilen Küsten waren für die alliierten Truppenverbände mit hohen Verlusten verbunden, trotz großer Überzahl. Auch die Geländegewinne waren meist nicht von großer Dauer. Winston Churchill, der damals in seiner Funktion als Erster Lord der Admiralität die Pläne für die Seeangriffe kreierte, musste gar seinen Posten räumen.

Der Grund für die Alliierten das osmanische Reich anzugreifen war aus zweierlei Hinsicht sinnvoll: Zum einen waren die Grabenkämpfe in Frankreich und Belgien sehr verhärtet und so suchte man an anderer Stelle eine Entscheidung herbeizuführen und zum anderen wollte man mit der geographischen Nähe die Staaten Bulgarien und Griechenland zum Kriegseintritt bewegen, natürlich auf Seiten der Alliierten.

Während die militärischen Aktionen nicht von Erfolg gekrönt waren, so gab es doch die erwünschten politischen Nebenwirkungen: Bulgarien unterbrach sofort nach den ersten Kriegshandlungen an den Dardanellen seine Verhandlungen mit Deutschland und auch Griechenland bot seine Unterstützung an… „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Das Zitat des preußischen Generals und Militärtheoretikers Carl von Clausewitz lässt sich auch auf den Kontext bei der Schlacht von Gallipoli anwenden.

Die folgenden Fehlschläge bei der Invasion über Landungstruppen zogen aber sowohl eine militärische als auch politische Kehrtwende nach sich: Nachdem die letzte verlustreiche Invasion im August 1914 am zähen Widerstand der türkischen Verteidiger scheiterte, schlug sich Bulgarien auf die Seite der Mittelmächte während Griechenland und auch Rumänien neutral blieben. Der Entente-Macht Russland blieb damit von Lieferungen über einen geplanten panslawischen Korridor über den Balkan von seinen Verbündeten England und Frankreich abgetrennt.

Die erfolgreichste Dardanellen-Operation für die Entente blieb die Evakuierung der alliierten Truppen vom Festland: Wegen des schlechten Wetters wurde der Rückzug von den türkischen Truppen zunächst nicht bemerkt, so dass die Alliierten erst zwei Tage später in ihren Einschiffungszonen von den Türken mit heftigem Artilleriebeschuss zur hektischen Flucht getrieben wurden…

Noch heute gedenkt man in Australien und in Neuseeland am 25. April des Jahrestags der ersten Landung auf der türkischen Halbinsel. In der Türkei ist es der 18. März, der Tag, an dem die Verteidiger endgültig die Invasoren besiegt hatten.

Mustafa Kemal, einer der erfolgreichen Oberbefehlshaber der osmanischen Truppen, wurde später zum Atatürk, der der Türkei eine Ausrichtung zum Westen verschaffte.
Winston Churchill, der damals als Marineminister zurücktreten musste, erholte sich politisch erst wieder mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, den er prophezeit hatte.


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Verfasst von: Boris M. Hillmann

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