Briefmarken der Woche: Blühende Landschaften

Briefmarken der Woche: Blühende Landschaften

Die Wüste zum Leben erwecken – nicht mehr und nicht weniger nahm sich der Keren Kayemeth Le’Israel (KKL) vor. Seine erste Aufgabe hatte der KKL, hierzulande als Jüdischer Nationalfonds bekannt, erfolgreich bewältigt und fast 50 Jahre lang den Landerwerb jüdischer Siedler unterstützt. Nach der Ausrufung Israels durch David Ben Gurion, 1948, verlegte der KKL den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die Kultivierung des während der osmanischen und britischen Herrschaft heruntergewirtschafteten Landes. Einstmals, das wussten die Verantwortlichen genau, schaute es in Israel ganz anders aus. Sie kannten schließlich die Bücher des Alten Testaments, den Tanach.
Dieser berichtet von einem zwar harten, aber durchaus fruchtbaren und grünen Land. Die berühmte Wendung, dass darin Milch und Honig flössen, erscheint im sechsten Teil, dem Buch Josua, das die Besiedlung Kanaans nach dem Tod Moses schildert. Selbstverständlich darf man die an Symbolik und Metaphern reichen Geschichten des Tanach nicht wortwörtlich nehmen. Zweifellos schildern sie aber wahres Geschehen, können als eine Art Geschichtsbuch verstanden werden. Das erkannten die Zuständigen im KKL und suchten nach Wegen, den alten Zustand wiederherzustellen. Die in hunderten Jahren der Vernachlässigung entstandenen Schäden zu beheben, sollte eine Aufgabe für Generationen werden. Trotz riesiger Erfolge stehen der KKL und Israel bis heute vor gewaltigen Herausforderungen.
Blühende Landschaften bedürfen einer stetigen Versorgung mit Wasser. Der Wasserbedarf schwankt zwar von Pflanze zu Pflanze. Doch selbst klassische Wüstenpflanzen wie die Kakteen gehen irgendwann ein, wenn das lebensspendende Nass ausbleibt. Gerade an Wasser herrscht in Israel aber seit jeher Mangel. Die klimatischen Veränderungen der Zukunft versprechen nichts Gutes, der Wasserverbrauch einer modernen Gesellschaft, eines Industriestaates mit hoch entwickelter Landwirtschaft fällt deutlich größer aus als der Bedarf jener kleinbäuerlichen Gesellschaft, die zu Zeiten des Osmanischen Reichs und des britischen Mandatsgebietes vorherrschte. Daher entwickelte der KKL ein Konzept, das im Wesentlichen wissenschaftlichen Fortschritt, konsequente Aufforstung und die Schaffung von Wasserreservoiren miteinander verbindet.
Für die Landwirtschaft entwickelten vom KKL unterstützte Forscher die Tropfenbewässerung. Anstatt die Felder weiträumig mehr oder minder stark zu fluten, entstand ein Leitungssystem, das jede Pflanze einzeln oder kleine Gruppen von Pflanzen mit Wasser versorgte, das möglichst direkt an die Wurzeln geleitet wurde. Folglich ging deutlich weniger Wasser durch Verdunstung oder Versickern verloren. Israel gilt heute nicht nur als Pionierland der Tropfenbewässerung, sondern auch als das Land, in dem das System überall mit großem Erfolg angewandt wird.
Das zweite große wissenschaftliche Projekt umfasste die Entsalzung des Meerwassers. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf die osmotische Trennung von Salz und Wasser. Diese verschlingt weitaus weniger Energie als die Entsalzung durch Verdampfung, die in anderen Teilen der Welt praktiziert wird. Die Umkehrosmoseanlage bei Aschkelon zählt zu den größten weltweit. Forscher arbeiten an der Verbesserung der Technik, insbesondere an der Verringerung des Stromverbrauches. Dieser entsteht heute noch weitgehend in Wärmekraftwerken. Schritt für Schritt sollen aber vor allem Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ersetzen. Wissenschaftler untersuchen zudem intensiv, welche Folgen die Rückleitung des Salzes in das Mittelmeer für dessen ökologisches System hat.

Der Taninim zählt zu den Küstenflüssen.

Der Taninim zählt zu den Küstenflüssen.

Mit verschiedenen Projekten zur Aufforstung des Landes schuf der KKL zahlreiche neue Grünflächen, die nicht bloß der Bevölkerung zur Erholung dienen. Die Wälder verhindern die Erosion des Bodens, binden Wasser und verbessern das Klima insgesamt. Aus deutscher oder mitteleuropäischer Perspektive wirken die Wälder allesamt recht klein; betrachtet man die Situation in den Nachbarländern, relativiert sich dies. Seit der Ausrufung Israels wurde knapp eine viertel Milliarde Bäume gesetzt. Heute sind etwa drei Prozent der Landesfläche bewaldet. Sogar im Negev, für viele ein Synonym für Wüste, entdecken die Besucher Wälder.
Dort entstanden auch verschiedene Wasserreservoire, beispielsweise das Reservoir Yahel nördlich Eilats. Die südlichste Stadt Israels muss im Durchschnitt mit 30 Millimetern Niederschlag pro Jahr auskommen. Keineswegs selten geschieht es, dass es in Eilat ein ganzes Jahr lang nicht ein einziges Mal regnet. Selbstverständlich stellt das sogar in Israel einen Extremwert dar. Doch zählen auch die nördlichen Gegenden des Landes keineswegs zu den von der Natur mit Wasserreichtum beschenkten, sodass auch dort künstliche Reservoire zur Sicherung der Versorgung beitragen.
Trotzdem ist und bleibt die Lage angespannt. Der Jordan ähnelt an vielen Stellen mehr einem Bach denn einem Fluss, der Wasserspiegel des See Genezareth sinkt seit Jahren kontinuierlich. Sogar nach den Regenfällen des Winters und des Frühjahrs erreicht er nur noch die Marke für Niedrigwasser. Um das Niveau wieder auf den normalen Wasserstand zu heben, bedarf es mehrerer überdurchschnittlich regenreicher Winter nacheinander, die angesichts der globalen Erwärmung aber nicht zu erwarten sind. Da das Tiefenwasser des Yam Kinnereth – so die hebräische Bezeichnung – salzhaltig ist und auf dem Salzwasser eine Süßwasserschicht ruht, kann ein weiterer Rückgang des Wasserstandes nicht nur zur Versalzung des Sees führen. Auch der Jordan droht zu kippen. Die Lösung der Wasserprobleme ist für Israel von existentieller Bedeutung.
Zahlreiche Briefmarken dokumentieren dies. Sie fordern zum Wassersparen und zum Schutz des Wassers vor Verschmutzung auf, präsentieren die Erfolge und Errungenschaften des Landes und stellen seine Naturschätze vor. Eine neue Ausgabe mit drei Werten zu jeweils 4,10 Schekalim ist drei Flüssen gewidmet, die außerhalb des Landes wohl weitgehend unbekannt sein dürften.
Der Kziv entspringt im Meron-Gebirge im Norden Israels und fließt durch Galiläa zum Mittelmeer. Seine Ufer sind von Grün gesäumt, der Fluss strahlt das Flair eines mitteleuropäischen Nebenflusses wie der Leine oder der Wertach aus. Am Kziv überdauerte nahe Nahariyas das Gemäuer der auf Initiative des Deutschen Ordens um 1187 bis 1190 errichtete Montfort-Veste die Zeiten. Die Herkunft des Namens lässt sich bislang nicht schlüssig belegen. Ein französischer Ursprung – dort gab es die Häuser Montfort-l’Amaury und Montfort-Laval – ist ebenso denkbar wie eine Verbindung zu den Montforts, die im Bodenseeraum herrschten.
Der Taninim trägt zu Recht den Ruf, der sauberste Fluss Israels zu sein. Sein Ursprung liegt in den Quellen des En Timsach. Diese sind salzhaltig, weshalb das Flusswasser weder für die landwirtschaftliche noch für die industrielle Nutzung infrage kommt. Sieht man von Baumaßnahmen und anderen Eingriffen an den Ufern ab, blieb der Taninim weitgehend in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. Er zählt zu den Küstenflüssen und mündet ins Mittelmeer. Sein Name bedeutet übersetzt „Krokodil“. In den Kebara-Sümpfen lebten einstmals tatsächlich Krokodile. Die letzten wurden 1905 getötet.

Der Zin durchquert das gleichnamige Wüstengebiet im Negev.

Der Zin durchquert das gleichnamige Wüstengebiet im Negev.

Der Zin belegt eindrucksvoll, dass die Gleichsetzung des Negev mit der Wüste nicht so recht stimmt. Allerdings durchquert er das gleichnamige Wüstengebiet, ehe er in das Tote Meer mündet. Er entspringt in den Quellen von En Avdat. Im Zin soll Moses gegen einen Felsen geschlagen haben, woraufhin Wasser austrat. Die Geschichte aus dem vierten Buch Mose kann durchaus einen wahren Hintergrund haben, auch wenn kaum vorstellbar ist, dass Menschen eine derart lange Zeit durch die Wüste ziehen können.
Die drei Sondermarken erscheinen am 18. Elul 5775, der in diesem Jahr auf den 2. September des gregorianischen Kalenders fällt. Miri Nistor fertigte die Entwürfe mit Fotos Eyal Bartovs. Die Sicherheitsdruckerei Johann Enschedé, Haarlem, fertigte die Werte im Offsetdruck mit Microtext als Sicherheitsmerkmal. Vier der acht Marken des Bogens weisen das Tab auf. Das Format beträgt 40 mal 30 Millimeter.


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Verfasst von: Torsten Berndt

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