Briefmarke der Woche: Von der Muse zur Künstlerin

Briefmarke der Woche: Von der Muse zur Künstlerin

Suzanne-Valadon-Briefmarke-2015Auguste Renoir portraitierte sie, ebenfalls Henri de Toulouse-Lautrec. Als Malermodell wurde sie bekannt für ihre gelassenen Posen und ihren abgewandten Blick. Doch aus der jungen Suzanne wurde sehr viel mehr als nur eine Künstlermuse. Sie brachte sich selbst Malen und Zeichnen bei und avancierte zu einer der wenigen Frauen ihrer Zeit, die den Sprung zur anerkannten Malerin geschafft haben. „Femme aux bas blancs“ oder „Die Frau in weißen Strümpfen“ gilt als eines ihrer berühmtesten Bilder. Es wird dem Post-Impressionismus zugeordnet und wurde von Suzanne Valadon im Jahr 1924 fertig gestellt. Der französischen Künstlerin zu Ehren, die von 1865 bis 1938 hauptsächlich in dem Pariser Stadtteil Montmartre lebte, erscheint in Frankreich am 18. September eine besondere Briefmarke (Wertstufe 1,90 Euro), die dieses bekannte Ölgemälde darstellt.
Als sie fünf Jahre alt war, zog sie mit ihrer Mutter in den Pariser Künstlerstadtteil Montmartre. Als Tochter einer Wäscherin wuchs sie ohne Vater auf. Bereits mit elf Jahren verließ sie die Schule und begann, in verschiedenen Berufen zu arbeiten. Sie schmückte Hüte, verkaufte Gemüse, servierte in Cafés und versuchte sich sogar als Zirkusartistin auf dem Trapez. Ein Traum, den sie wegen einer Verletzung durch einen ihrer waghalsigen Sprünge aufgeben musste. Jetzt begann ihre Karriere als Malermodell. Ob Puvis de Chavannes, Renoir, Toulouse-Lautrec – Suzanne Valadon, die zu dieser Zeit noch den Vornamen Marie-Clémentine trug, war als Modell sehr gefragt. Ihr wurden viele Liebesaffären mit Malern nachgesagt, eine ganz besondere mit Henri de Toulouse-Lautrec.

Heimlich und immer wieder griff Suzanne Valadon selbst zu Stift und Papier. Die Autodidaktin portraitierte vorwiegend Menschen aus ihrem Umfeld, direkt und ohne Beschönigungen. Sie lernte, indem sie die Maler bei ihrer Arbeit genau beobachtete. Sowohl Renoir als auch Toulouse-Lautrec fiel die Begabung der Autodidaktin auf, beide stießen zufällig auf ihre Zeichnungen. Toulouse-Lautrec war es letztendlich, der ihre Zeichnungen an Edgar Degas weitergab. Der Maler war von den Zeichnungen der jungen Künstlerin begeistert und wies sie in die Kunst der Radierung ein, bevor er ihre Werke in die damalige Kunstszene einführte.

Suzanne Valadon begann, mit Farbe zu malen. Es entstanden kraftvolle Bilder, vorwiegend Selbstportraits, Blumen und immer wieder das Thema Mutter und Kind. Ihr Sohn Maurice wurde 1883 in Paris geboren, sein Vater war angeblich unbekannt. Maurice wuchs vorwiegend bei Suzannes Mutter auf, sie selbst verbrachte wenig Zeit mit ihm. Maurice griff bereits als Jugendlicher zur Flasche, doch nach seiner ersten Entziehungskur ermunterte ihn seine Mutter zur Malerei. Darin fand er letztendlich seine Passion und machte sich als Maurice Utrillo einen großen Namen als Maler.
Suzanne Valadon wurde insbesondere für ihre offenen weiblichen Akte bekannt. Es war zu ihrer Zeit absolut ungewöhnlich, dass Frauen als Künstlerinnen diese zu ihrem Hauptthema machten. Durch ihre Arbeit als Künstlerin in Verbindung mit ihrer unkonventionellen Lebensweise entwickelte sie selbstbewusst eine neue Art weiblichen Avantgardismus. Sie entsprach weder dem proletarischen noch dem bürgerlichen Bild der Frau um 1900 und wurde zum Spiegel einer neuen Pariser Kunstszene, in der sie ihren festen Platz fand. Katrin Westphal


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Verfasst von: Katrin Westphal

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