Briefmarke der Woche: Das fast vergessene Zentrum der durchsichtigen Steine

Briefmarke der Woche: Das fast vergessene Zentrum der durchsichtigen Steine

Es waren große, durchsichtige Kristalle, die dem antiken Segobriga einst zu großem Ruhm verhalfen. Die seltenen Bodenschätze waren auch als Spiegelsteine bekannt und die kleine Stadt auf der iberischen Halbinsel mit ihren blühenden Landschaften und ertragreichen Ernten erreichte schnell große Beliebtheit. Immer mehr wohlhabende Römer ließen sich in Segobriga nieder und installierten städtische Bauwerke, römische Kultur und Lebensweise. Verschiedene römische Straßen kreuzten das Territorium und Segobriga wurde ein bedeutendes Verwaltungszentrum.
„Antike Kulturen (2), Archäologischer Park Segobriga“, diese Briefmarke erinnert ab Mittwoch, 23. September, an die ehemalige Römerstadt und heutige Ruine Segobriga, die ihre Blütezeit etwa 100 vor bis 200 nach Christi erlebte. Segobriga liegt in Kastilien, in der spanischen Provinz Cuenca. Die Briefmarke erscheint im Wert von 0.42 Euro. Sie zeigt den Zuschauerraum und die Bühne des Amphitheaters, das durch aufwendige Restaurationsarbeiten heute in einem sehr guten Zustand ist.

Aus den Bergwerkstollen förderten die Bewohner vor rund 2000 Jahren Spiegelsteine. Dabei handelt es sich um eine Art transparenten Gips in Form großer, durchsichtiger Kristalle. Sie bestehen aus wasserhaltigen Calciumsulfat und sind auch unter dem Namen Selenit bekannt, nachdem ein schwedischer Forscher ihn von der griechischen Mondgöttin Selene ableitete und ihn synonym für transparenten Gips verwendete.
Spiegelstein ließ sich sehr gut in Platten und dünne Blättchen spalten. Das größte Vorkommen befand sich zur damaligen Zeit in Segobriga und diente sehr wohlhabenden Römern als Fensterscheiben. Die durchsichtigen Selenitkristalle waren allerdings eine Seltenheit und galten als Prestige- und Luxusobjekt. Einige öffentliche Bäder in Rom besaßen Scheiben aus Spiegelstein.
Segobrigas Aufstieg ging stetig voran. Mit der Zeit zog es immer mehr Wohlhabende und reiche Aristokraten nach Segobriga. Das lag an der Kombination verschiedener Faktoren, die sich gegenseitig förderten: Der Ausbau der Handelsrouten, die Luxusgüterproduktion in Form von Spiegelstein, die besonders ertragreiche Landwirtschaft, und nicht zuletzt der damit verbundene Einzug wohlhabender Römer, die neben ihrer Kultur und Lebensweise auch ihre Bauweise nach Segobriga brachten.
Die Stadt wuchs schnell zu einem bedeutenden Verwaltungszentrum heran. Es entstanden zahlreiche städtische Bauwerke wie eine Basilika, Säulengänge und ein Amphitheater. Sogar einige Thermen wurden errichtet. Außerhalb des Stadtgebiets wurde ein Circus gefunden, in dem Wagenrennen stattfanden. Doch die Stadt überlebte die Maurenherrschaft und die Rückeroberung der iberischen Halbinsel nicht. Sie wurde von den Römern aufgegeben und verfiel seitdem.
Was in im antiken Segobriga fast überall fehlte, waren Dächer. Die spanische Ruinenstadt war so gut wie gar nicht überdacht. Das erleichterte den Archäologen die Arbeit, einen Großteil der alten Bauwerke auszugraben und weitgehend zu rekonstruieren. Einige der Ruinen sind sehr gut erhalten – insbesondere die des Amphitheaters. Auch die Reste der Minen, in denen das Spiegelglas abgebaut wurde, sind noch zu erkennen. Die Ruinen von Segobriga sind heute als archäologischer Park zu besichtigen. Im Interpretationszentrum des Parks werden zahlreiche Funde, vor allem Skulpturen, ausgestellt. Ein Rundgang führt zu Theater, Amphitheater und zu der außerhalb der Mauern gelegenen Nekropolis. Auf dem gesamten Gelände informieren virtuelle Bilder von alten Monumenten den Besucher. Katrin Westphal


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Verfasst von: Katrin Westphal

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