Briefmarke der Woche: Tschechische Post im Zeitenwandel

Briefmarke der Woche: Tschechische Post im Zeitenwandel

Eigentlich ist die tschechische Post ein junges Unternehmen. Sie wurde nach der Teilung der Tschechoslowakei als staatliches Unternehmen gegründet und wuchs mit 35.000 Mitarbeitern zum größten Arbeitgeber Tschechiens heran. Das war 1993. Doch mit dem Beitritt Tschechiens in die Europäische Union begann der Umwandlungsprozess in eine konkurrenzfähige Aktiengesellschaft.
Mit 3.400 Vertretungen hatte die tschechische Post bei 10 Millionen Einwohnern eines der dichtesten Postfilialnetze Europas. Trotzdem galt die tschechische Post nicht als fortschrittlich. Lange Wartezeiten, kurze Öffnungszeiten und fehlende Kundenorientierung prägten trotz moderner Sortieranlage das Außenbild. Seit 2013 muss die tschechische Regierung die EU-Richtlinie zur Liberalisierung des Marktes umsetzen, und die staatliche Postgesellschaft bekam Konkurrenz durch private Anbieter.
Dennoch wird Philatelie in Tschechien weiter sehr groß geschrieben und immer wieder werden künstlerische Briefmarken veröffentlicht, die von der Post sogar durch Sonderausstellungen begleitet werden. Am 16. Dezember erscheint eine ruhigere Variante, die unter dem Titel „Postwesen in der zeitnahen Freske“ einen Postboten mit Posthorn zum Tarif Z (30 Kronen) mit Zierfeld zeigt.
Die Zeiten des Posthorns liegen allerdings weit zurück. Die Geschichte der tschechischen Post beginnt im 16. Jahrhundert, so ist es im Postmuseum dokumentiert, das von der Post im Vavra-Haus, einem alten Barockhaus in Prag nahe der Moldau, unterhalten wird. Zu sehen gibt es mehrere Sammlungen, die die Geschichte der Tschechoslowakei in Briefmarken darstellen. Präsentiert werden nicht nur nationale Raritäten, denn die Ausstellung ragt weit über den osteuropäischen Tellerrand hinaus.
Der Besucher findet dort sehr alte Briefmarken, Stempelabdrücke, philatelistische Unikate und auch Fälschungen. Auch die weltweit ersten Zeitungsmarken sind im Postmuseum zu finden. Eine Besonderheit bilden österreichische Briefmarken, die tschechisch überdruckt wurden.

Mit dem Ziel, die Geschichte des Postwesens zu dokumentieren, wurde das Museum bereits 1918 gegründet. Genau genommen am 18. Dezember, dem Tag, an dem die erste tschechoslowakische Briefmarke erschien. Václav Dragoun war Initiator, der sich für die Darstellung einsetzte und arbeitete dort auch als erster Direktor bis 1925.
In dem Postmuseum gibt es auch zwei Bibliotheken: eine philatelistische und eine zur Geschichte des Postwesens. Dragoun fertigte Abschriften von Schriftstücken zur Postgeschichte aus Böhmen, Mähren und Schlesien und auch aus der ganz frühen österreich-ungarischen Monarchie an, deren Originale nur Tschechische Post Briefmarke-schwer zugänglich sind. Auch der Posttransport und das Fernmeldewesen wurden im Museum berücksichtigt.
Diese Arbeit wurde zu seiner Lebensaufgabe und es entstand eine einzigartige Sammlung. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Museum geschlossen. Nach dem Krieg war bis 1966 nur der philatelistische Teil der Ausstellung geöffnet.
Das Prager Postmuseum gibt auch Einblicke in die noch junge Geschichte der Briefmarken der Tschechischen Republik. Gezeigt wird eine Auswahl der schönsten Briefmarken, von denen viele mit Preisen und Auszeichnungen bedacht wurden. Denn tschechische Briefmarken genießen noch heute einen international guten Ruf.
In den Räumlichkeiten des Zisterzienser-Kloster in Vyšší Brod/Hohenfurth in Südböhmen, hat die Post eine Zweigstelle des Postmuseums eingerichtet und zeigt dort eine Dauerausstellung über das Postwesen. Dort gibt es detaillierte Einblicke in die Postgeschichte des osteuropäischen Landes. Die Ausstellung zeigt Postuniformen, Briefkästen und Postkarten, aber auch Zahl- und Stempelmaschinen, Telegrafen- und Telefonapparate. Eine Sammlung historischer Wagen, Kutschen und Postschlitten rundet die Ausstellung ab.


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Verfasst von: Katrin Westphal

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