Briefmarke der Woche: Viele Feinde für seltene Meeresvögel

Briefmarke der Woche: Viele Feinde für seltene Meeresvögel

Mitten im Ozean, zwischen Afrika und Südamerika, liegt die kleine tropische Vulkaninsel Ascension. Sie war das Zuhause für zahlreiche Meeresvögel: Es wird geschätzt, dass vor 200 Jahren rund 20 Millionen Vögel auf der Insel brüteten, darunter auch die Rotfußtölpel. Heute leben nur noch zwei Prozent der früheren Bestände auf der Ascension – und das hat einen banalen Grund.

Eine Briefmarke der Woche für einen seltenen Vogel - Der Rotfußtölpel auf Ascension

Eine Briefmarke der Woche für einen seltenen Vogel – Der Rotfußtölpel auf Ascension

Die Engländer brachten nach der Besiedelung Ratten mit auf die Insel, die sich auf den Schiffen der Seefahrer befanden. Um der Rattenplage wieder Herr zu werden, holten sie Katzen vom englischen Festland. Damit löste sich allerdings nicht das Rattenproblem, sondern ein viel größeres mit weitreichenden Folgen entstand: Katzen und Ratten machten sich gemeinsam über die Nestlingsvögel her.
Die Meeresvögel hatten nur die Chance, auf der vorgelagerten fünf Hektar kleinen Boatswain-Insel zu überleben und die Bestände erholten sich nur sehr langsam. Für den Rotfußtölpel waren jedoch weder Ratten noch Katzen eine ernsthafte Bedrohung, weil er in Bäumen nistet. Doch sein Fortbestand ist auf der Insel trotzdem gefährdet: Durch die Abholzung der Wälder und die Fischerei ist seine Anzahl inzwischen auch sehr stark zurückgegangen. Außerdem werden seine Eier von Menschen gesammelt und verkauft.
Am Montag, 22. Februar, erscheinen unter dem Titel „Fauna. Rotfußtölpel“ Fotografien des Rotfußtölpels. Die Briefmarken gibt es in den Wertstufen 20 p, 50 p, 55 p, und 2.00 £ im 16er Kleinbogen.
Den Vogel gibt es in weiß, manchmal auch in braun und in zahlreichen Mischformen. Obwohl der Rotfuß unter den Tölpeln der kleinste ist, wird er bis zu beachtliche 77 Zentimetern groß und hat eine Flügelspannweite bis zu 145 Zentimetern. Seinen Namen verdankt er seinen roten Füßen und Schwimmhäuten. Er ist der schnellste seiner Art und sucht in langen Gleitphasen direkt über der Wasseroberfläche nach Nahrung. Besonders gut schmecken ihm Fliegende Fische und Kalmare.
Dabei waren die gefiederten Inselbewohner nicht gleich nach der ersten Entdeckung der Insel im 16. Jahrhundert in Gefahr. Die Insel geriet immer wieder in Vergessenheit und wurde mehrfach aufs Neue von Seeleuten angesteuert. Ihr zweiter Entdecker war Alfonso de Albuquerque, er gab ihr den heutigen Namen „Ascensao“, auf Englisch „Ascension“. Das ist der englische Begriff für Christi Himmelfahrt, weil die Insel an diesem Tag im Jahr 1503 erreicht wurde.
1815 wurde Napoleon Bonaparte auf Ascensions Nachbarinsel Sankt Helena verbannt. Obwohl sie 700 Seemeilen entfernt liegt, besetzte die Royal Navy Ascension und baute die Insel zu einer Festung aus. Dadurch wollte sie mögliche Befreiungsversuche Napoleons durch die Franzosen erschweren. Nach Napoleons Tod wurde sie Stützpunkt des West-Afrika-Geschwaders.
Das britische Militär wirtschaftete die Insel in nur kurzer Zeit herunter: Sie hatten neben Ratten auch eine kleine Ziegenherde mitgebracht. Nach wenigen Jahren hatten die Tiere die Inselvegetation fast kahl gefressen.
Zum vorläufigen Inselretter wurde Charles Darwin: Er wollte auf der Vulkaninsel eine Art Garten Eden entstehen lassen und entwickelte dafür mit dem Biologen und Botaniker Joseph Dalton Hooker einen Belebungsplan. Die Royal Navy brachte Pflanzen und Bäume aus England und innerhalb kürzester Zeit entstand 1870 ein funktionierendes Ökosystem. Dieser Versuch gilt heute als erstes erfolgreiches Terraforming-Experiment.
1899 wurden die ersten Seekabel verlegt und Ascension wurde Kommunikationsknotenpunkt des südlichen Atlantiks. Als während des Ersten Weltkriegs große Funkanlagen auf der Insel gebaut wurden, begann ihre militärische Bedeutung zu wachsen. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zum Horchposten der Alliierten. Als 1941 von den Amerikanern die Südatlantik-Luftbrücke in Betrieb genommen wurde, nutzten Flugzeuge mit kurzer Reichweite den 1942 auf Ascension angelegten Flughafen zum Auftanken.
Nachdem die Insel später von den Amerikanern während des Kalten Krieges als Testflugstrecke für Interkontinentalraketen genutzt wurde – sie starteten in Florida und wurden kurz vor dem Aufprall auf Ascension ins Meer umgeleitet – diente die Insel 1982 den Briten als Basis während des Falklandkriegs.
Heute unterhalten die USA auf der Insel eine Spionage-Basis namens Echelon. Sie gehört zum Spionagesystem der National Security Agency (NSA). Mit großer Reichweite: Von der Insel wird die Telekommunikation in Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Uruguay und Venezuela überwacht. Die Auswertung der gesammelten Daten erfolgt in den USA, im Geheimdienstzentrum in Fort Meade in Maryland. Das wurde bei einer Überwachungs- und Spionageaffäre im Jahr 2013 bekannt.


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Verfasst von: Katrin Westphal

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