Briefmarke der Woche: Briefmarken-Diplomatie

Briefmarke der Woche: Briefmarken-Diplomatie

Es ist gerade erst 30 Jahre her, dass Spanien in Israel eine Botschaft eröffnet hat. Bis 1986, als die Spanier in die Europäische Union eintraten, gab es keine diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten. Doch trotz dieses offiziellen Zuges zog vor allem ein Großteil der spanischen Bevölkerung nicht mit und begegnete Israel mit Vorurteilen. Noch vor wenigen Jahren startete die spanische Regierung deswegen eine große nationale Aufklärungskampagne.

Doch die diplomatischen Beziehungen bestehen seit 30 Jahren, und die feiern Spanien und Israel mit diesen beiden gemeinsamen Briefmarken. Auf der Gemeinschaftsausgabe ist eine Grafik der Schrägseilbrücke in Jerusalem zu sehen. Die Briefmarken erscheinen im Wert Tarif C. Ausgabetag ist am Dienstag, 19. April.
Das Briefmarkenmotiv verbindet die beiden Staaten miteinander: Die Schrägseilbrücke in Jerusalem ist vor allem unter dem Namen Calatrava-Brücke bekannt, benannt nach dem spanischen Architekten Santiago Calatrava, der die Hängebrücke entworfen hat. Die 66 schräg gespannten Stahlkabel erinnern an eine Harfe, und aus diesem Grund wird sie auch die weiße Harfe genannt. Sie hat eine Höhe von 118 Metern und wurde 2008 eingeweiht. Weil die Brücke bereits von weitem zu sehen ist, ist sie zu einem neuen Wahrzeichen Jerusalems geworden.

Die weiße Harfe

Der Architekt soll bei der Einweihung gesagt haben, dass er zwar schon über 40 Brücken weltweit gebaut habe, auf diese jedoch besonders stolz sei. Er soll sich beim Bau durch Psalm 150 inspiriert haben lassen: „Lobt ihn mit Posaunen, lobet ihn mit Psalter und Harfen“ hätten Calatrava auf die Harfenoptik gebracht.
Wie schön auch dieses verbindende spanisch-israelische Element wirken mag: Entspannt und einfach waren die Beziehungen zwischen den beiden Staaten in der Vergangenheit nicht. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges versuchte Francisco Franco zwar, diplomatische Beziehungen zu Israel aufzunehmen. Diese Idee stieß nicht auf Nächstenliebe und Israel lehnte ab.
Franco wollte sich mit diesem Schachzug aus der Isolation, in der sich sein Land zu diesem Zeitpunkt befand, befreien und verhängte Sanktionen umgehen. Spanien kehrte Israel den Rücken und Franco schimpfte bei unterschiedlichen offiziellen Anlässen über eine internationale Verschwörung von Juden und Freimaurern. Ihnen gab er auch gerne die Schuld an den Problemen, die Spanien belasteten.
Allerdings unterschied der spanische Diktator zwischen Juden: Die europäischen Juden waren für ihn Kommunisten, doch die sephardischen Juden, die im spanischen Protektorat von Marokko lebten, waren seiner Meinung nach gut. Letztere hatten spanische Vorfahren, die noch heute ein altes Spanisch sprechen und Bräuche ihrer Heimat pflegen. Sie unterstützten Franco im Kampf gegen die marokkanischen Aufstände.

Beziehungen verbessern sich

1978 wurde Spanien demokratisch, 1986 erfolgte der EU-Beitritt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollten sich die spanisch-israelischen Beziehungen verbessern. Doch es herrschte weiter ein starker Antisemitismus innerhalb der spanischen Bevölkerung. Bei einer repräsentativen Umfrage im Jahr 2009 erklärten noch 75 Prozent der Spanier, dass Juden einen zu großen Einfluss auf die internationalen Finanzmärkte hätten.
Um der in Spanien verbreiteten Unwissenheit über das Judentum entgegenzuwirken, hat die spanische Regierung 2004 das „Sephardische Haus“ gegründet, durch das auch Begegnungen gefördert werden sollten. Schließlich war Spanien zwei bis drei Jahrtausende Zentrum des Judentums.

Spanien und Israel betonen ihre diplomatischen Beziehungen mit einer Briefmarke

Spanien und Israel betonen ihre diplomatischen Beziehungen mit einer Briefmarke.


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Verfasst von: Katrin Westphal

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