Briefmarke der Woche: Melodramatik im Ärmelkanal

Briefmarke der Woche: Melodramatik im Ärmelkanal

Es ist ein melodramatischer Roman, den Victor Hugo mit „Die Arbeiter des Meeres“ geschrieben hat. Er spielt im Jahr 1820 auf Guernsey im Ärmelkanal. Die Insel war dem Autor bestens vertraut, denn dort lebte er während seines Exils. Dort erweckt er die ergreifende Geschichte eines Außenseiters zum Leben, der gegen die Naturgewalt des Meeres um seine große Liebe kämpft, um ihr später selbstlos die Flucht mit einem anderen Mann zu ermöglichen.
Die neuen Briefmarken von Guernsey erscheinen zu diesem Thema am 6. Mai. Sie werden unter dem Titel „Die Arbeiter des Meeres von Victor Hugo“ herausgegeben und zeigen Personen und Szenen aus dem Roman, der auf Guernsey spielt. Der französische Autor illustriere seinen Roman mit 356 Zeichnungen von Landschaften und Figuren. Die Briefmarken erscheinen in den Wertstufen 43, 57, 58, 64, 70 und 74 p jeweils im 10er-Kleinbogen.
Kapitän Lethierry verliert sein Dampfschiff, als sein Schiffsführer versucht, sich mit dem Vermögen des Kapitäns abzusetzen. Das Schiff läuft auf ein berüchtigtes Riff und zerschellt. Nur die Maschine des Dampfschiffes bleibt unversehrt. Der verzweifelte Kapitän verspricht demjenigen, der sie bergen kann, seine verwaiste Nichte Déruchette zur Frau.
Der eigenbrötlerische Fischer Gilliat ist unsterblich in Déruchette verliebt, begibt sich auf eine waghalsige Bergungstour, kämpft gegen die Gewalten des Meees und bringt die Maschine dem Kapitän. Der will sein Versprechen halten und arrangiert sofort eine Hochzeit.


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Ein seltsamer Kauz

Die Briefmarke der Woche zeigt Szenen aus Hugos melodramatischen Roman.

Die Briefmarke der Woche zeigt Szenen aus Hugos melodramatischen Roman.

Doch Gilliat erkennt, dass seine Braut einen anderen liebt. Selbstlos unterstützt er das Paar bei einer heimlichen Hochzeit und verhilft ihnen zur Flucht. Während er im Wasser stehend seiner davonfahrenden großen Liebe nachblickt, wartet er auf die Flut und ertrinkt.
Wie in vielen seiner Romane hat Victor Hugo einen Außenseiter zur Hauptfigur gemacht. Gilliat lebt zurückgezogen und ist eigenbrötlerisch, gilt als seltsamer Kauz. „Man munkelte und mutmaßte – war aber nicht ganz sicher -, dass Gilliatt Zauber- und Liebestränke braute oder sonst was ‘destillierte’; denn er besaß Phiolen. Warum trieb er sich abends und manchmal bis Mitternacht an der Steilküste herum? Doch wohl, um mit den bösen Geistern Umgang zu haben, die nachts in den Dunstschwaden des Meeresufers wesen.“

Der Kampf gegen die Naturgewalten

Der Originaltitel lautet „Les Travailleurs de la mer“. Das Buch erschien 1866 und bildet den letzten Teil von Victor Hugos Trilogie, in denen er Mächte darstellt, mit denen der Mensch zu kämpfen hat. Nachdem er sich beim Glöckner von „Notre-Dame-de-Paris“ mit der Religion auseinander gesetzt hat und in „Die Elenden“ die Gesellschaft unter die Lupe nimmt, beschäftigt er sich in diesem letzten Teil mit der Natur in Gestalt des Meeres:
„Der Atlantik zernagt unsere Küsten. Der Druck der vom Pol kommenden Strömung verformt unsere westliche Steilküste. Gewaltige Brocken stürzen herab, das Wasser wälzt ganze Wolken von Kieseln vor sich her, unsere Häfen versanden oder verschottern, Barren schieben sich vor unsere Flussmündungen. Täglich reißt ein Stück normannischer Erde ab und verschwindet in der Flut.“
Victor Hugo lebte erst auf Jersey, dann auf Guernsey im Exil, nachdem er sich gegen den Staatsstreich auflehnte, mit dem sich Bonaparte 1851 zum Präsidenten auf Lebenszeit machte. Hugo wurde kurz inhaftiert und dann aus Frankreich verbannt. Von dort aus schrieb er Romane und attackierte Bonaparte, der sich ein Jahr später zum Kaiser Napoléon III. ausrufen ließ.


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Verfasst von: Katrin Westphal

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