Briefmarke der Woche: Der Herr der Lüfte

Briefmarke der Woche: Der Herr der Lüfte

Über den Wolken – wie es sich anfühlt, dort zu sein, hat sich auch der Franzose Édouard de Nieuport gefragt. Er hat eine große Vorreiterrolle in der Geschichte der Luftfahrt gespielt. Vor allem steht der Name Nieuport für die Modelle Nieuport 11 und Nieuport 17. Als „Baby“ und „Super Baby“ bekannt, haben die beiden Flugzeug-Modelle den Alliierten während des Ersten Weltkriegs einen entscheidenden Vorteil im Luftkrieg gebracht.

Zu Ehren des Flugpioniers Édouard de Nieuport gibt Frankreich am Montag, 13. Juni, eine neue Briefmarke heraus. Sie zeigt den Flugzeugbauer mit einer Nieuport 11. Sie erscheint im Wert von 4.80 € mit einer Auflage von einer Million Exemplaren.

Flugpionier, Radrennfahrer und Unternehmer: Edouard Nieuport

Flugpionier, Radrennfahrer und Unternehmer: Edouard Nieuport

Das französische Jagdflugzeug Nieuport 11 wurde 1916 gebaut und im Ersten Weltkrieg als Antwort auf die Fokker-Eindecker entworfen. Baby war ein leichter Doppeldecker mit hoher Steiggeschwindigkeit. Sie war schneller als die Fokker-Maschinen und war in der Lage, sie auszumanövrieren.

Édouard de Nieuport war bei der Fertigstellung dieser Flugzeuge zwar nicht mehr am Leben, hat allerdings die technischen Grundlagen für diese Maschinen gelegt. Eigentlich war Nieuport Berufsradrennfahrer. Doch nachdem er sich mit der französischen Radrennorganisation überworfen hatte, kehrte er dem Radrennsport den Rücken und gründete ein eigenes Unternehmen.

Er stellte Magnetapparate und Zündkerzen her, dann packte ihn die Begeisterung für die Luftfahrt: Zuerst baute Nieuport einen leichten Motor für die Luftfahrt, dann seinen ersten Eindecker, mit dem er zahlreiche Geschwindigkeitsrekorde aufstellte.

Die von ihm konstruierten Flugzeuge hatten bereits während des Ersten Weltkriegs einen guten Ruf. 1911 hatten sich nicht nur die französischen, sondern auch die italienischen Fliegertruppen mit Nieuport-Jagdmaschinen ausgerüstet.

Tod bei Flugzeugabsturz

Édouard de Nieuport lebte von 1875 und wurde gerade 36 Jahre alt, als er am 15. September 1911 mit einem Flugzeug abstürzte und einen Tag später an seinen Verletzungen im Krankenhaus starb. Als Reservist der französischen Armee flog er von Châlons-en-Champagne nach Charny-sur-Meuse in der Nähe von Verdun und verunglückte bei der Landung.

Sein Flugzeug wurde von einer Windböe erfasst und aus einer Höhe von 15 Metern zu Boden geschleudert. Sein Bruder Charles de Nieuport, der das Unternehmen nach Édouards Tod weiterführte, kam zwei Jahre später ebenfalls bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Die Fabrik bestand jedoch weiter und entwickelte neue Flugzeug-Typen, unter anderem das Modell N-28 C-1. Obwohl es nicht als eines der besten Flugzeuge galt, war es sehr stark verbreitet, was den Amerikanern zu verdanken war. Nach ihrem Kriegseintritt in Europa besaßen sie nicht ausreichend Flugzeuge und kauften kurzerhand 297 Maschinen der Nieuport 28, die sie gegen die deutsche Luftwaffe einsetzten. Dabei galt insbesondere der 160-PS-Gnome-et-Rhône-Motor als nicht besonders zuverlässig.

Ein weiterer Groß-Einkäufer für die Nieuport-Flugzeuge fand sich durch einen Zufall in der Schweiz: Im Sommer 1918 musste ein amerikanischer Pilot mit seinem Nieuport-Jäger wegen Motorstörungen in dem Alpenland notlanden. Das beschädigte Flugzeug wurde repariert und in der Schweiz für das Luftkampf-Training eingesetzt.

Die Erfahrungen der Schweizer waren derart positiv, dass die Schweiz im Jahre 1923 gleich 14 Nieuport 28 C-1 erwarb. Diese Flugzeuge waren allerdings unbewaffnet und wurden bei der Fliegertruppe für das Kunstflug- und Staffelflugtraining verwendet.

Etliche Nieuport-Modelle sind inzwischen restauriert worden und werden in Museen ausgestellt.  Ehrungen und Anerkennungen erhielt Édouard de Nieuport postum: Das Ritterkreuz der Ehrenlegion erhielt er vom damaligen französischen Kriegsminister Adolphe Messimy direkt nach seinem Ableben und der Stadtrat von Suresnes benannte die Straße, in der er seine Werkstatt hatte, nach ihm.


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Verfasst von: Katrin Westphal

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