Briefmarke der Woche: Die hohe Kunst des Tuschens

Briefmarke der Woche: Die hohe Kunst des Tuschens

Während Tusche bei uns vor allem mit Kunstunterricht in der Grundschule verbunden wird, haben Malereien mit der Wasserfarbe in Japan und China eine große Tradition. Die Kunst, mit einem Pinsel vor allem schwarze Farbe auf Papier oder Seide aufzutragen, genießt im asiatischen Raum hohes Ansehen. Die Tuschkunst ist sehr alt: Sie entwickelte sich in China im sechsten Jahrhundert aus der Kalligraphie.

Die Marke der Woche zeigt Tuschmalereien aus Japan.

Die Marke der Woche zeigt Tuschmalereien aus Japan.

Um daran zu erinnern, erscheinen am 29. Juli in Japan Briefmarken mit verschiedenen Motiven unterschiedlicher Künstler. Unter der Überschrift „Ukiyo-e 5“ zeigen die neuen Marken Tuschmalereien von Torii Kiyonaga, Kitagawa Yukimaro, Utagawa Hiroshige oder Kitagawa Utamaro. Die zehn unterschiedlichen Briefmarken sind im Wert von je 82 Y im Kleinbogen erhältlich.
In Japan hat das Tuschen sogar eine spirituelle Ebene und ist eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden. In dem Land der aufgehenden Sonne wird die Tuschmalerei Sumi-e oder Gado genannt.
Die fernöstliche Maltechnik beruht auf sogenannten vier Schätzen: Reibstein, Stangentusche, Pinsel und Papier. Schwarze Tusche wird vor allem aus Fichtenruß hergestellt. Dann wird Hirschhorngallerte als Leim hinzugefügt und die Masse mit Moschus und Kampfer angereichert.
Unterschiede gibt es auch in der Wasserlöslichkeit: Einige Bilder sind nach dem Trocknen wasserfest, andere hingegen nicht. In der Tuschmalerei wird auf gute Qualität geachtet. Die Auswahl von Tusche, Pinsel und Unterlagen spielt dabei eine große Rolle.

Tuschkästen als Statussymbol

Außerdem werden beim traditionellen Tuschen auch Tuschsteine, die auch als Tuschereibsteine bekannt sind, verwendet. Traditionell wurden sie in Ostasien aus Jade, Quarz, Kupfer oder Eisen hergestellt und gelten in der Region als Kultobjekte. Ihre Mulde ist oft mit Schnitzereien verziert.
Heutzutage bestehen sie meistens aus Keramik, Schiefer oder Naturstein. Die Tusch-Materialien gelten manchmal sogar als Statussymbol und werden dann in aufwändig gestalteten Lackkästen aufbewahrt.
Weil Tuschen aus der Tradition der Kalligraphie abgeleitet wurde, wird zum Auftragen der Farbe ein runder, chinesischer Kalligraphiepinsel verwendet. In der westlichen Tuschkunst ist das Werkzeug etwas unkonventioneller: Dabei kommen auch Kalligraphiefeder, Federkiel, oder sogar Zahnstocher zum Einsatz.
Bevorzugtes Tuschmotiv sind Natur und Landschaft. Sie werden durch die Tuschtechnik auf den Bildern besonders stimmungsvoll und reduziert dargestellt. Die Reduktion auf das Wesentliche steht dabei im Mittelpunkt.
Das Besondere an den Bildern ist, dass das Zeichenmaterial die Tusche einsaugt. Durch die Kombination von schwarzer Tusche und weißem Zeichenmaterial haben die Bilder bereits nach wenigen Pinselstrichen eine besondere Ausdruckskraft. Auch Pinseldruck und Pinselführung sind dabei entscheidend.
Doch auch beim Tuschen gilt: Übung macht den Meister. Um diese Maltechnik zu beherrschen, ist unermüdliches Üben notwendig. Doch neben dem Erlernen dieses Handwerks ist die Tuschmalerei auch ein spiritueller Weg. Dabei geht es um Hingabe, Achtsamkeit und Präsenz im Hier und Jetzt.


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Verfasst von: Katrin Westphal

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