Briefmarke der Woche: Bestickte Briefe

Briefmarke der Woche: Bestickte Briefe

Zur Weihnachtszeit kennt nicht nur Kitsch keine Grenzen, auch Traditionelles ist spätestens ab November wieder sehr gefragt. Viele besinnen sich auf vergangene Zeiten, familiäre Traditionen oder das Brauchtum ihres Landes. So auch Island. Die Kunst zu sticken wird in Island von Generation zu Generation weitervermittelt und ist nach wie vor populär.
Dies greift auch die isländische Post auf und verbindet heimische Stickkunst weihnachtlicher Symbole mit drei Briefmarken. Die gibt es ab dem 3. November zu kaufen. Dann erscheinen Stern, Kerze und Tannenbaumkugel im Tarif Inland B bis 50 g, im Tarif Inland A bis 50 g sowie im Tarif Europa bis 50 g, jeweils als Selbstklebe-Marken.
In Island war bei den Frauen außer Weben das Sticken sehr beliebt. Beides galt als Sonntagsvergnügen für Frauen und Mädchen. Sie verzierten mit ihren Stickereien Bänder und Borten oder gestalteten Decken oder Wandvorhänge. Meistens verbanden die Isländerinnen die beiden Kunstformen miteinander und bestickten selbst Gewebtes.

Zur Weihnachtszeit gibt es in Island Briefmarken mit Stickmotiven.

Zur Weihnachtszeit gibt es in Island Briefmarken mit Stickmotiven.

Was gestickt wurde, war jeder selbst überlassen. Doch außer unterschiedlichen Mustern und Formen waren auch Motive, vor allem aus Heldensagen, beim Sticken sehr verbreitet.
Gestickt wurde der Kreuzstich, später auch im Plattstich. Die Frauen verwendeten unterschiedliche Farben von Leinen-, Woll- und Seidengarn oder Fäden mit gesponnenem Silber oder Gold. Diese besonders wertvollen Fäden wurden mit Überfangsstichen fixiert.
Im Altertumsmuseum in Reykjavik ist eine besondere Stickerei aus vorreformatorischer Zeit zu sehen. Sie gilt wegen ihrer besonders guten Ausführung und des merkwürdigen Motivs als Kunstwerk und zeigt das farbenfrohe, in Brokat gearbeitete Messgewand eines Bischofs. Auf dem Rücken ist das Motiv der Rettung eines sich in Seenot befindenden Schiffs durch das Erscheinen eines Heiligen gestickt.
Der Mast des kleinen Schiffes ist gebrochen und die Segel sind fortgerissen. Der Heilige, der den Seemännern erscheint, trägt kirchliche Gewänder, Bischofsmütze und Krummstab und schwebt über dem Deck. Einer der Seemänner kniet anbetend vor ihm, der andere beugt sich – alles andere als ergeben und ganz weltlich – seekrank über Bord.

Traditionelle Handwerkskunst

Bis ins 16. Jahrhundert wurde die Stickerei in Island besonders intensiv betrieben, dann wurde sie immer rückläufiger. In dieser Zeit begann sich auch das Erscheinungsbild der isländischen Inneneinrichtung zu ändern: Während Wandbekleidungen durch aufwendige Tapisserie-Arbeiten früher in fast allen Bauernstuben zu sehen waren und von Generation zu Generation vererbt wurden, sind sie heute aus den Wohnzimmern verschwunden. Besonders ausführlich können sie noch in dem Museum in Reykjavik oder in dem „Museum of Science and Art“ in Edinburgh betrachtet werden.
Die Stickereien verzierten jedoch insbesondere die Kleidung der Isländer. Vor allem Tücher wurden für unterschiedliche Anlässe mit Tieren, Blumen oder Figuren farbenfroh veredelt.
In ländlichen Gegenden lebt in einigen abgelegenen Orten noch heute die Tradition, dass sich junge Frauen vor der Hochzeit ihre Brautkleider selbst besticken. Zusammen mit ihren Freundinnen verzieren sie die schwarzen Samtkleider in mühevoller Feinarbeit mit silbernen und goldenen Fäden.
Und wer es sich einfach machen möchte, jedoch die Kunst des Stickens nicht beherrscht, kann immerhin mit einer der selbstklebenden neuen Briefmarken seine Weihnachtspost nicht nur frankieren, sondern auch aufwerten.


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Verfasst von: Katrin Westphal

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