Briefmarke der Woche: Ein Wanderer zwischen den Welten

Briefmarke der Woche: Ein Wanderer zwischen den Welten

Er galt als Träumer, Poet, Phantast und Exot. Mit seinen Bildern erzählte er Märchen, war ein Wanderer zwischen den Welten. Als was auch immer er beschrieben wird: Marc Chagall ist einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts. In seinen farbschönen Bildern und mit großer Erzählfreude lässt er eine ganz eigene, zeitlos-poetische Welt entstehen. Denn für Chagall gilt: „Malerei besteht aus klingenden, mit Leidenschaft erfüllten Formen.“

Marc Chagall – sein Frieden und sein Paradies.

Ab dem 13. Januar bereichern zwei neue Briefmarken die künstlerische Serie der französischen Post. Sie zeigen unter der Überschrift „Marc Chagall“ zwei Werke des Künstlers: „La Paix“ – „der Frieden“ zeigt einen Ausschnitt einer Glasmalerei von 1976, „Le Paradis“ das zentrale Detail des Gemäldes „Das Paradies“ aus dem Jahr 1961.
Wer „Le Paix“ nicht in Briefmarkengröße, sondern im Original sehen will, muss in die Kapelle von Sarrebourg. In der ehemaligen Kapelle des Franziskanerordens kann Chagalls größtes Meisterwerk aus Glas bestaunt werden. Das Fenster ist zwölf Meter hoch und 6,5 Meter breit und zeigt friedenverheißende biblische Szenen.
Darauf wächst ein Blumenstrauß aus einer Landschaft mit Häusern, in dessen Zentrum Adam und Eva in inniger Umarmung als Sinnbild für Harmonie und Frieden dargestellt sind. Dieses Bild gilt als Symbol der Völkerverständigung und appelliert an die Bewahrung des Friedens.
Nicht auf Glas, sondern auf Leinwand, ist das Gemälde „Le Paradis“ hingegen eine Hommage an die Natur. Es zeigt Adam und Eva engumschlungen, umgeben von Blumensträußen, Engeln, Fischen und Fabelwesen. Auch die Schlange der Versuchung und ein leuchtender Blumenstrauß, der das Leben symbolisiert, sind zu sehen.

Ein langes und bewegtes Leben

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Zu Chagalls künstlerischen Werken zählen nicht nur Gemälde, sondern auch umfangreiche Radierzyklen und lithografische Arbeiten. Bestimmte Metaphern und Motive wie das Liebespaar, die Gestalten des jüdischen Schtetl, der Hahn und der Zirkus kehren bei ihm immer wieder.
1887 kommt Chagall in Witebsk in Weißrussland als Moische Chazkelewitsch Schagalow zur Welt. Er besucht in St. Petersburg eine Kunstschule und geht von dort nach Paris, um von den damaligen Künstlern und Schriftstellern zu lernen. Das hatte für Marc Chagall einen praktischen Grund:
„Damals hatte ich erkannt, dass ich nach Paris gehen musste. Die Erde, die die Wurzeln meiner Kunst genährt hatte, war Witebsk; aber meine Kunst brauchte Paris so nötig wie ein Baum das Wasser. Ich hatte keinen andren Grund, meine Heimat zu verlassen, und ich glaube, ihr in meiner Malerei immer treu geblieben zu sein“, erklärte er.
Er bleibt vier Jahre, bis er 1914 über Berlin wieder zurück in seine Heimat geht. Dort gründet Chagall 1918 eine Kunstakademie. In Moskau arbeitet er als Zeichenlehrer und entwirft Kostüme und Bühnenbilder, bis er 1922 Russland endgültig verlässt, um erneut in Paris zu leben.
Er illustriert Bücher und malt. In seinen Bildern steckt russische Volkskunst und jede Menge Mystik und Legenden des jüdischen Glaubens, die Chagall auf seine typische Art mit Traumbildern verwebt.
Ab 1950 erhält der Künstler zahlreiche Aufträge zur Gestaltung von öffentlichen Gebäuden. Für die Kathedrale in Metz und die Stefanskirche in Mainz entwirft er Glasfenster, malt ein Deckengemälde für die Kuppel der Opéra Garnier in Paris und beginnt Wandgemälde in der Metropolitain Opera in New York.
Während des Zweiten Weltkriegs lebt Chagall in den USA, doch 1946 kehrt er wieder nach Paris zurück. Ab 1950 lebt der Künstler in dem Künstlerort Saint-Paul-de-Vence an der Cote d’Azur, wo er 1985 im Alter von 97 Jahren stirbt. Chagall malte bis ins hohe Alter, denn für ihn galt:
„In der Kunst wie im Leben ist alles möglich, wenn es auf Liebe gegründet ist.“


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Verfasst von: Katrin Westphal

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