Strichcode-Felder – Herausforderungen für Spezialisten

Strichcode-Felder – Herausforderungen für Spezialisten

Die neue Rollenfertigung mit Strichcodefeldern verändert das Sammeln von Rollenmarken, doch gab es auch in früheren Jahren schon Wechsel in den Sammelgewohnheiten. Postwertzeichen wurden in der Anfangszeit nur in Bogen hergestellt. Die USA produzierten ab 1908 Briefmarken auch in Rollenform, jeweils nur waagerecht oder senkrecht gezähnt. Bereits ab 1906 wurden zudem ungezähnte Markenbogen zu Rollen verarbeitet, die zum Teil in privater Initiative mit einer Zähnung versehen wurden. Andere Länder folgten diesem Beispiel. Markenrollen vereinfachen den Verkauf am Schalter und eignen sich auch zur Bestückung von Verkaufsautomaten und von Frankiermaschinen.

Briefmarken in Rollenform erstmals bei „Germania III – Deutsches Reich“

Rollenversuchsausgabe und Elferstreifen „Fünfjahrplan“ der Deutschen Post der DDR: Die ersten vier Rollenmarken, abgebildet rechts, entstanden aus Druckbahnen für Schalterbogen, deren Ober- und Unterränder zwischen zwei Marken erschienen und einen Paginierstempel mit der Zählnummer aufwiesen. Erst später kamen Rollenmarken ohne Zwischenfelder an die Schalter, abgebildet ist links ein Elferstreifen (Los-Nummer 1231435. Gärtner-Auktion).

Die Reichspost verwendete die Rollenform erstmals bei den am meisten benötigten Werten der Dauerserie „Germania III“ mit der Inschrift „Deutsches Reich“ (Friedensdruck) (MiNr. 84 I R, 85 I a und b R, 86 I b R und 87 I a R). Da auch die Rollenmarken allseitig gezähnt sind, sich nicht von den Bogenmarken unterscheiden und rückseitige Zählnummern fehlen, werden Elferstreifen gesammelt. Aus den Schalterbogen zu 100 Stück lassen sich maximal Zehnerstreifen trennen.
Auch nach 1945 wurde dieses Verfahren fortgeführt, in der Bundesrepublik erstmals bei den Posthorn-Werten zu 4, 10 und 20 Pfennig (MiNr. 124, 128, 130 R), in Berlin (West) bei der Marke zu 10 Pfennig „Berliner Bauten I“ (MiNr. 47 R II). Während bei Posthorn-Marken Elferstreifen zur Dokumentation erforderlich sind, genügen bei der Berliner Marke sogar Einzelstücke. Der Rollendruck lässt sich dort mit Hilfe verschiedener Merkmale (Format, Zeichnung) vom Plattendruck der Bogenmarken unterscheiden.
Erst mit der Dauerserie „Heuss I“ wurde im Rahmen der Rollenfertigung die rückseitige Nummerierung eingeführt. Bei den Erstauflagen der Werte zu 4, 5, 7, 10, 20, 40 und 70 Pfennig (MiNr. 178, 179, 181, 183, 185, 188, 191 x W v R, 124, 128, 130 R) fehlt sie noch, sodass hier für den Nachweis weiterhin Elferstreifen erforderlich sind. Nach Einführung der Zählnummern erübrigt sich dies. Ähnlich war es in Berlin (West). Bei der Dauerserie „Berliner Stadtbilder II“ gab es die Werte zu 5, 7 und 70 Pfennig zunächst ohne Zählnummern (MiNr. 141, 142, 152 v R), dann folgten diese und weitere Werte mit Zählnummern.
Die Deutsche Post der DDR begann die Rollenherstellung mit einer Versuchsausgabe. Dafür wurden normale Druckbahnen für Schalterbogen in senkrechte Streifen getrennt und die Zwischenfelder aus Bogenunter- und Bogenoberrand mit Hilfe eines Paginierstempels nummeriert (MiNr. 577, 580, 584, 704 B R). Den Auftakt der eigentlichen Rollenproduktion bildete die Marke zu 10 Pfennig „Fünfjahrplan VI“, diese noch ohne rückseitige Zählnummer, sodass Elferstreifen gesammelt werden (MiNr. 578 B R). Auch bei den ersten Auflagen der Werte zu 5, 10 und 20 Pfennig der Ulbricht-Serie ab Dezember 1962 (MiNr. 845, 846, 848 R) wurde das Verfahren noch beibehalten. Ab Oktober 1965 gab es dann diese und weitere Werte in Rollen mit rückseitigen Zählnummern.
Zählnummern werden in Deutschland ganz überwiegend in Schwarz oder Grau auf die Gummierung gedruckt oder gespritzt. Zur Kennzeichnung der Heuss-Dauermarken in Rollenform auf Lumogenpapier dienten rote Zählnummern. Bei der Serie „Unfallverhütung“ von Bund und Berlin findet man neben schwarzen auch rote, grüne und blaue (bei Bund auch blaugrüne) Zählnummern, die den jeweiligen Fertigungsmaschinen der Bundesdruckerei zugeordnet waren. Während des Laufes der Serie „Sehenswürdigkeiten“ ging die Bundesdruckerei von waagerecht zu senkrecht angeordneten Zählnummern über, die mit Tintenstrahldruckern aufgespritzt werden.
Rollenmarken-Zählnummern dienen der Bestandskontrolle und damit der Abrechnung. Sie sind bis 2016 in Fünferschritten zu finden, also 5, 10, 15, 20 und so weiter.
Seit Ende 2009, beginnend mit der Ausgabe „Tier des Jahres 2010 – Dachs“ (MiNr. 2767), bietet die Post hin und wieder auch Sondermarken in Rollenform an. Die rückseitige Nummerierung entsprach bisher derjenigen von Rollen-Dauermarken. Die Rollen-Sondermarken sind vorzugsweise für Postagenturen und Geschäftskunden bestimmt.

Briefmarken von der Rolle in der philatelistischen Präsentation

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Über die philatelistische Präsentation von Rollenmarken gab und gibt es unterschiedliche Auffassungen. Neben Einzelwerten mit einer Nummer werden auch Dreier- und Fünferstreifen mit je einer Nummer, Sechserstreifen mit zwei Nummern und bisweilen sogar noch Elferstreifen mit drei Nummern gesammelt. Während Elferstreifen teuer, unhandlich und letztlich wenig sinnvoll sind, konnten schon mit Sechserstreifen zeitweilig unterschiedliche Rollengrößen dokumentiert werden. Bei den Marken aus der Bundesdruckerei Berlin unterschieden sich früher die geraden Zählnummern großer Rollen von denen kleinerer Rollen, etwa 010 oder 0010. Jetzt ist das Nummernsystem anders gestaltet. Dreierstreifen erfüllen die phil­atelistische Dokumentation vollauf. So lässt sich auch der Aufwand für den Streifenerwerb reduzieren.
Während in Deutschland die Zählnummer jeweils auf der ersten oder letzten Marke des Streifens bevorzugt wird, sammelt man etwa in Spanien Dreierstreifen mit Zählnummer auf der mittleren Marke, eine durchaus überzeugende Praxis.
Lange bestand der Trend, Marken mit Zählnummer nach vorne umzuschlagen. So schreibt Ullrich Häger im „Großen Lexikon der Philatelie“ unter dem Stichwort „Rollenmarken“ wörtlich: „Werden Rollenmarken mit rückseitig aufgedruckten und im allg. auf jeder fünften Marke zu findenden drei- oder vierstellig. Ziffern hergestellt, mit welchen die Gesamtzahl der Marken auf einer Rolle gezählt wird, sammelt man zweckmäßigerweise senkrechte Dreier- (oder Fünfer-) Streifen, wobei die unterste dritte (u.U. auch die oberste erste) Marke den Zahlenaufdruck aufweist und nach oben bzw. unten umgeschlagen wird. Dadurch ist es möglich (allerdings nur ungebraucht), gleichzeitig die Marke im Album auch bildseitig zu zeigen.“

Rollenmarken im 21. Jahrhundert

Viele Jahre praktizierte und heute verpönte Präsenta-tion von Rollenmar-ken in der Sammlung.

Heute sind Rollenstreifen mit Faltspuren weniger beliebt. Zur Präsentation dienen jetzt durchsichtige Folien, die die bequeme Betrachtung von Vor- und Rückseite ohne Faltung ermöglichen. Mit der Umstellung der Rollenherstellung ab 2017 sind neue Aspekte zu beachten. Bei kleinformatigen Dauermarken erscheint nach jeweils fünf Marken ein EAN-Codefeld, bei Sondermarken nach jeweils vier Marken, unabhängig von den verschiedenen Formaten. EAN ist die Abkürzung für European Article Number. Der Strichcode kennzeichnet den betreffenden Artikel, hier also die jeweilige Rollenmarken-Ausgabe, und wird am Schalter mit Hilfe eines Scanners erfasst, speziell bei der Erstellung von Kundenquittungen und bei der Bestandserfassung. Die Strichcodefelder haben unterschiedliche Größen. Bei Sondermarken im Format 44,2 mal 26,2 Millimeter sind sie ebenso groß wie die Marke.
Als Folge der Vierer- statt Fünferstreifen ändern sich bei Rollen-Sondermarken (und nur hier, nicht bei Dauermarken) die Zählnummern: 4, 8, 12, 16, 20 und so weiter statt 5, 10, 15, 20, 25 und so weiter. Die Post liefert neben ganzen Rollen wie bisher auch einzelne Streifen, Dauermarken in Fünferstreifen mit Zählnummer und Codefeld über der fünften Marke, Sondermarken in Viererstreifen mit Zählnummer und Codefeld über der vierten Marke.
Ob man diese Streifen unverändert in die Sammlung einfügt oder sie jeweils auf Dreierstreifen verkürzt, muss wieder jeder Sammler für sich entscheiden. Es gelten weiterhin die bisherigen Überlegungen.

Strichcode-Optik

Neue Sammelmöglichkeiten von Rollenmarken mit EAN-Codefeldern.

Wegen der eingefügten Strichcodefelder gibt es aber weitere Darstellungsformen, etwa Paare mit Zwischensteg, also Marke / Codefeld / Marke, einzelne Marken mit Codefeld unten oder oben, Fünfer- und Viererstreifen mit jeweils zwei Codefeldern, Zehner- und Achterstreifen mit jeweils drei Codefeldern, davon eines als Zwischensteg. Die Versandstelle liefert Fünfer- beziehungsweise Viererstreifen mit Codefeld oben. Größere Einheiten werden über den Codefeldern gefaltet, was die Sammler ärgert.
Ganzbrief-Sammler sollten die erwähnten Kombinationen Marke / Codefeld auch auf Brief dokumentieren. Dadurch lässt sich die Herkunft der verwendeten Wertzeichen aus Rollen statt aus Bogen belegen.
Bei selbstklebenden Marken gelten diese Überlegungen entsprechend. Allerdings stehen hier die Zählnummern weiterhin auf der Trägerfolie und sind eventuell erscheinende Codefelder nur durch diese Folie mit den Nachbarmarken verbunden.
Da während der Übergangsphase eine Reihe von Marken, vor allem Blumen-Marken, in alter und neuer Rollenfertigung angeboten werden, lassen sich die vorstehend beschriebenen Änderungen in der Sammlung dokumentieren. Streifen aus alter Fertigung ohne Strichcodefelder können bei Sondermarken durch die geänderte Zählnummernfolge, bei Dauermarken, durch Sechserstreifen sowie durch Dreierstreifen mit einer mittigen oder auf der obersten Marke stehenden Zählnummer (Zahlenbasis rechts) erkannt werden. Die von der Versandstelle gelieferten Fünfer- streifen mit Zählnummer auf der ersten Marke unten erfüllen diese Voraussetzung leider nicht.
Clevere Internetanbieter haben schnell ein neues Betätigungsfeld entdeckt und bieten alle Varianten postfrisch und mit Frühverwendungsstempeln an. Dabei gibt es erstaunliche Preisvorstellungen. So wird etwa ein Rollenendstreifen der Marke zu 260 Cent „Luthers Bibel-Übersetzung“ mit acht Werten und zwei Codefeldern für 69,90 Euro angeboten.

Text: Dr. Hartmut Paetzold


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Verfasst von: Stefan Liebig

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