Vom Goldäffchen zum Gockel

Vom Goldäffchen zum Gockel

Thematische Gewinner: Tierkreiszeichen auf Blocks, Bogen und Markenheftchen sind international ein sehr beliebtes Sammelgebiet. Nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender steht das Jahr 2017 im Zeichen des Hahns, der Ende Januar den Affen abgelöst hat und bis zum 15. Februar 2018 regiert. Auch in der internationalen Philatelie sind „stolze Gockel“ gern gesehene Gäste und symbolträchtige Wesen, die thematische Sammlungen bereichern.

China im Affenfieber

Auf Ersttagsbrief mit rotem Stempel liegt der Wert des „Affen“ über 1000 Euro.

Im vergangenen Jahr haben wir in dieser Rubrik über aktuelle Preissteigerungen bei der meistgesuchten Ausgabe von Tierkreismarken aus der Volksrepublik China berichtet (MiNr. 1594, siehe BMS 3/2016). Mit der kleinen Sondermarke zu acht Fen vom 15. Februar 1980 startete die Postverwaltung ihre beliebte Serie von Ausgaben mit den zwölf Wesen der Horoskope und menschlichen Charakterisierungen. Der sprunghafte Aufstieg vom einstigen Groschenwert zum gesuchten Spitzenstück, das – bei einer Auflagezahl von fünf Millionen – vierstellige Beträge in Euro, Dollar oder Pfund erreicht, ist inzwischen zum Thema für Marktbeobachter, Händler und Sammler rund um den Globus geworden.

Das dritte Markenheftchen der Volksrepublik China erschien zum Jahr des Hahns 1981.

Auch schon stark gestiegen ist die chinesische Marke zum Jahr des Hahns 1981.

Auch für Auktionsfirmen stellt diese Marke mittlerweise eine feste Bank dar, die sich als Blickfang für Käufer und sicherer Umsatzbringer eignet. Mit Ehrfurcht werden heute größere Einheiten betrachtet, ähnlich wie man Multiple seltener klassischer Sorten behandelt. Das Nonplusultra beim chinesischen Affen von 1980 stellen die erhaltenen vollständigen Schalterbogen mit 80 Exemplaren der Marke dar.

Ende vergangenen Jahres konnte das Haus Heinrich Köhler Bemerkenswertes von seiner Schwesterfirma John Bull in Hongkong berichten. Im Jahr 2010 hatte das Unternehmen erstmals einen kompletten Schalterbogen angeboten, der bereits damals für umgerechnet 125 000 Euro verkauft wurde. Bei der 326. John Bull-Auktion 2016 galt die Versteigerung eines weiteren Bogens mit 80 Stück als unbestrittener Höhepunkt: „Die Begeisterung für die Marke ist weithin bekannt, dennoch haut das Ergebnis die Beteiligten fast von den Stühlen. Nach einem Ausruf zu einer Million Hongkong-Dollar wird der Schalterbogen für sensationelle 1,38 Millionen HKD, nach tagesaktuellem Kurs umgerechnet 168000 Euro, an einen glücklichen Käufer verkauft.“

Der „Rote Affe“ kostete Sammler im Jahr 1980 bei der Erstausgabe umgerechnet 20 Cent, ein Schalterbogen von 80 Exemplaren war für 16 Euro zu haben. Das entspricht tatsächlich einer Brutto-Steigerung auf den 10000-fachen Preis. Und das stellt bei dieser Marke keinen Einzelfall dar. Im März 2017 erzielte bei Zurich Asia ein ungefalteter postfrischer Originalbogen mit frischen Farben und glänzendem Golddruck 1426000 Hongkong-Dollar, rund 170000 Euro inklusive Provision.

Der selten gewordene Komplettbogen Chinas zum Jahr des Affen 1980 ist von 16 Euro auf den 10000-fachen Preis geschossen.

Chinas Block zum Jahr des Hahns 2005.

Etwas höher schloss ein unvollständiger Bogen, bei dem das rechte untere Eckrandpaar fehlte, beschrieben mit Hinweis „ideal für Aufteilung und Wiederverkauf“. Er kostete den Höchstbieter 1,081 Millionen, umgerechnet etwa 128800 Euro; macht 1610 Euro pro Marke. Viele fragen sich, wie weit und wie lange der Aufwärtstrend dieses Markenzeichens der modernen chinesischen Philatelie noch anhalten kann. Die Kurse postfrischer Normalstücke scheinen in den vergangenen Monaten eine gewisse Stabilisierungsphase oberhalb von 1000 bis 1200 Euro zu verzeichnen. Die beschriebene Michel-Erhöhung auf ** 2700 reicht aber derzeit aus und bietet noch genügend Spielraum zu Luxusexemplaren. Ein Eckrandstück von rechts unten erzielte bei Zurich Asia in Hongkong zuletzt 13800 Dollar inklusive Aufgeld, etwa 1645 Euro; ein Randviererblock ** schloss zu 57500.

Gestempelte und FDC

Zwei Werte zum chinesischen Neujahr mit der Krone Königin Elizabeth II. in der Ecke.

Hongkong 1969: Seltener Fehldruck ohne rote Farbe bei der 10-Cent-Marke.

Dagegen wird es bei der gestempelten Erhaltung eng, die offensichtlich gerne als Ersatz oder Ergänzung zu den Postfrischen gesucht wird und langfristig zurückgeblieben ist. Zu 400 Euro steht die lose MiNr. 1594 in dieser Form derzeit im Michel. In der niederländischen Corinphila-Auktion fand eine knitterige, offensichtlich bedarfsgebrauchte Marke mit teils weißer Zähnung zu 420 Euro einen Abnehmer. Eine Erinnerungskarte aus Peking mit der Marke und schwarzem Sonderstempel vom Ersttag steigerte sich von 3000 auf 8000 Hongkong-Dollar.
Michel unterscheidet bei Ersttagsbriefen zwischen FDC mit schwarzem Stempel zu 900 und Belegen mit rotem Stempel, die mit 1800 Euro doppelt so hoch notieren. Unter weiteren bisherigen Resultaten des Jahres 2017 finden wir Auktions-Zuschläge von 1000 Euro für die Marke auf einem illustrierten Ersttagsbrief der China Stamp Company, mit roter Abstempelung vom Ausgabetag 15. Februar 1980 (März, Corinphila Veilingen). Einige weitere FDC dieser Version wurden in Hongkong zwischen 7000 und 10000 Dollar ausgerufen und jeweils zu 10350 verkauft. Zwei Ersttagsbriefe mit schwarzen Stempeln schlossen zu knapp 7500 Dollar pro Stück, das entspricht etwa vollem Katalogwert – auch hier könnte also noch Steigerungspotenzial vermutet werden. Ob es vielleicht noch Entdeckerchancen in Wühlkisten oder Nachlässen gibt?

Auch in Heftchen

Auch die Automatenmarken von Hongkong trugen 1993 einen Hahnen-Eindruck.

Beachtung verdient auch die Nachfolgerin des Goldenen Affen: die Ausgabe der Volksrepublik China zum Jahr des Hahns, MiNr. 1658. Ausgegeben wurde sie am 5. Januar 1981, im selben Nennwert von acht Fen wie ihre Vorgängerin, vierseitig gezähnt in verdoppelter Auflagezahl von zehn Millionen Stück. Dazu erschien das Motiv erstmals auch teilgezähnt in Form von Markenheftchen, die jeweils zwölf Stücke in oben und unten geschnittenen Paaren enthalten, neben einem Zierfeld mit dem gesamten Tierkreis.
Nach Borek-Weltkatalog 2000 kosteten zur Jahrtausendwende beide Versionen „Neujahr-Hahn 1981“ zusammen 80 Mark. Das Jahr des Affen 1980 wurde damals noch zu 500 eingestuft. Heute verbucht die Glücksbringer-Ausgabe zum Xinyou-Hahnenjahr 1981 postfrisch nach Michel 40 Euro, und das in allen Zähnungsvarianten aus Bogen oder Heftchen.
Das erste Markenheftchen zum Jahr des Hahnes, die amtliche Nummer SB3 mit zwölf Marken, steht als einzige Quelle der teilgezähnten Werte MiNr. 1658 C mit diesen in direktem Zusammenhang. Preislich wirkt es zeitweise etwas vernachlässigt. So blieb es 1991 bei einer Michelbewertung von 20 Mark, während die enthaltenen Marken sich bereits auf 42 addierten.

Edel und preiswert ist der zweisprachige kanadische Block zum Year of the Rooster / Année du Coq 2005.

Inzwischen ist das Zwölfer-MH SB3 auf 350 Euro geklettert, der 35-fache Wert von einst. Der Markeninhalt entspricht allerdings einem Katalogpreis von 480 Euro, ein nennenswerter Rabatt. Tatsächlich waren die Heftchen noch vor gut einem Jahr gelegentlich zu 100 bis 120 Euro zu finden.
Einige Ergebnisse der 83. Asien-Auktion von China Philatelic vom November 2016 zeigen Kurse von zwölf Euro für eine postfrische Einzelmarke zum Jahr des Hahns 1981, MiNr. 1658 A; 140 für ein Markenheftchen 3; ein Los mit drei MH ** erzielte 440 Euro. Aktuelle Zahlen aus Asien vom Frühjahr 2017 zeigen leicht steigende Tendenz: Drei Lose mit je zwei MH brachten Resultate zwischen 2530 und 3450 Hongkong-Dollar, entsprechend 150 bis 205 Euro pro Stück. Erwähnenswert ein Ergebnis für einen postfrischen Eckrand-Viererblock der MiNr. 1658 A von links oben mit aufgestempelter Bogennummer, das etwa 220 Euro entsprach. Knapp doppelt so viel brachte ein Los mit vier Randviererblocks aus unterschiedlichen Positionen mit Randdrucken.

Interessante Nachfolger

Auf dem Block der britischen Kanalinsel Jersey durfte der Hahn 2005 einen Schal tragen.

Nicht vernachlässigen sollte man die nachfolgenden Ausgaben der Volksrepublik zum Chinesischen Jahreshoroskop, die teils schon zu Preisen über Katalogwert angeboten werden. Am 5. Januar 1982 erschien die Marke zum Jahr des Hundes, MiNr. 1782 A mit vierseitiger und 1782 C mit dreiseitiger Zähnung aus Markenheftchen. Ein Komplettbogen mit 80 Hunden wurde kürzlich zu 3220 Hongkong-Dollar verkauft, etwas über 380 Euro. Mehr geschätzt und höher gehandelt wird das bunte Schweinchen, das am 5. Januar 1983 in Umlauf gebracht wurde, wiederum mit Zähnung an vier Seiten (MiNr. 1852 A) oder an drei aus Heftchen (1852 D). Für den 80er-Bogen wurden 8625 HK-Dollar bewilligt, rund 1030 Euro. Die Ratte folgte entsprechend am 5. Januar 1984 unter MiNr. 1920 A/D. Zum Jahr des Hahnes 2005 war das Ausgabeprogramm schon etwas umfangreicher. Das übliche Bogenformat umfasste 24 Stücke, noch handlich und mit Preisen bis über 90 Euro dotiert. Die Markenheftchen enthalten zehnmal MiNr. 3605 ohne fluoreszierende Kontrollnummern in der Anordnung 2×2 und 3×2 mit Zwischenfeld. Dazu kam ein Kleinbogen mit sechs Werten in besonderer Gestaltung, der aktuell nach Michel bei 50 Euro steht, aber gelegentlich bis zu 70 Euro angeboten wird. Schwieriger zu be­- schaffen war zunächst der zugehörige Block 122 mit vier dieser Hähne von MiNr. 3605: Er wurde von der Versandstelle nur an einheimische Briefmarkenabonnenten abgegeben. Mittlerweile ist er im Rahmen des Michelwerts von 24 Euro zu finden.

Hongkongs Hähne

Ein Dutzend Jahre früher als die Volksrepublik feierte Hongkong mit Briefmarken den Hahn als Tier des Kalenders, damals noch britische Kronkolonie, heute chinesisches Sonder-Verwaltungsgebiet. Ab 5. Februar 1969 begrüßte ein krähender Hahn auf MiNr. 242-243 den Lunar-Neujahrstag. Mit einer derzeitigen Michelbewertung von ** 90 Euro ist die postfrische Marke zu 1,30 Dollar die Wertvollste dieser Reihe geworden. 1991/92 stand sie noch bei 45 Mark; im Jahr 2000 musste man nach Borek schon mit 350 Mark für den Satz kalkulieren.
Wer viel Glück hat, entdeckt vielleicht noch einen der Fehldrucke aus der niederländischen Herstellerfirma Enschede, ohne den roten Farbgang bei der Marke zu zehn Cent. Nach Yang-Katalog als Nr. C57a mit 400 Pfund bewertet, kamen bei der InterAsia-Auktion 54 vom Juni 2016 mehrere Exemplare zur Versteigerung. Ein postfrisches Randstück erzielte 3680 Hongkong-Dollar; für den Randviererblock ** mit leichten Tönungspünktchen rückseitig außerhalb der Marken wurden 18400 Dollar bezahlt. Zum chinesischen Jahr des Hahnes gab es ab 7. Januar 1993 ein reichhaltiges Sortiment von Automatenmarken über Markenheftchen zum Postpreis von 18,60 HKD, das je sechs Mal MiNr. 683 und 685 enthält, bis zur Blockausgabe 25 mit MiNr. 683-686, die Stickereien mit Hahnmotiven zeigen.

Gehaltvoller Jahrgang 2005

Österreichs „Astro-Post“ brachte den Hahn 2005
in drei Farben in Umlauf.

Anspruchsvoll zeigte sich auch ein Dutzend Jahre später die Emission mit Hähnen vom 30. Januar 2005. Neben Hongkongs MiNr. 1279 A-1282 A und Block 136 sowie Block 137 mit der ungezähnten MiNr. 1282 B war die kostspielige Blockausgabe 138 zu haben. Sie enthält zwei hohe Werte zu je 50 Hongkong-Dollar mit den chinesischen Tierkreiszeichen Affe und Hahn (MiNr. 1283-1284), ausgeführt im Offsetdruck mit Heißfolienprägung und aufgeklebter Goldfolie, im Michelwert von ** 120 / å 90 Euro. In ähnlichen Zeichnungen erschienen auch MiNr. 1136 und 1687 sowie MiNr. 1279 und 1700.
Wer preiswertere Sorten bevorzugt, findet zum vorangegangenen Jahr des Hahns von 2005 noch etliche gelungene Emissionen. Ein attraktiver Blickfang ist Block 71 aus Kanada, formgestanzt im Umriss eines chinesischen Fächers, dazu am unteren Rand ein abtrennbares Anhängsel mit Strichcode (Michel 2,50 Euro). Auch die zugehörige Einzelmarke MiNr. 2235 vom 8. Januar 2005 wirkt edel dank kombiniertem Offset- und Prägedruck mit Heißfolien-Lackauf­lage.
Aus europäischen Sammelgebieten zählt der Gockel mit farbenfrohem Wollschal der britischen Kanalinsel Jersey zu den beliebten Vertretern jenes Jahrgangs, der seit 9. Februar 2005 Block 47 mit einer gezähnten Sondermarke zu einem Pfund vereint (MiNr. 1168). Nicht leicht machte es die österreichische Post den Sammlern, ihre Ausgaben zum Jahr des Hahns 2005 zusammen zu tragen. Die rote Zeichnung der MiNr. 2525 zu 55 Cent war ab 21. April nur in Form eines Markensets „Astro-Post“ (I) zu haben, je zweimal in einem selbstklebenden Folienblatt, zusammen mit drei entsprechenden Werten der europäischen Tierkreiszeichen, MiNr. 2522-2524. Die geringe Auflagenzahl von 200 000 hat die Michel-Bewertung vom Postpreis 4,40 auf 45 Euro gesteigert. Der Hahn kam in gelber Farbe mit ähnlicher Aufmachung im Astro-Set II vom 22. Juli 2005 zur Ausgabe (MiNr. 2542 mit 2239-2241).
Schließlich erschien er auch noch in Orange, im dritten Sternzeichen-Set vom 24. Oktober 2005 (MiNr. 2554 mit 2551-2553). Trotz Erhöhung der Produktion auf je 300 000 Sätze liegen auch hier die Katalogpreise bei 45 Euro pro Folienblatt. Es könnte Probleme bereiten, diese drei Hähne einzeln zusammen zu tragen, die mit jeweils vier Euro notieren.

Noch aus der Periode als britische Kronkolonie stammt Hongkongs Block 25 aus dem Jahre 1993.

Text: Michael Burzan


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Verfasst von: Stefan Liebig

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