Andere treiben es viel ärger

Andere treiben es viel ärger

Wenn der Philatelist über die Landesgrenzen schaut, wird er immer häufiger mit üblen finanziellen Attacken konfrontiert. Sie verteuern sein Hobby erheblich, ja verleiden es ihm schließlich. Er schließt das betreffende Gebiet ab und verzichtet auf den weiteren Neuheitenerwerb. So verliert das raffgierige Postunternehmen wieder einen guten Kunden.Wenn der Philatelist über die Landesgrenzen schaut, wird er immer häufiger mit üblen finanziellen Attacken konfrontiert. Sie verteuern sein Hobby erheblich, ja verleiden es ihm schließlich. Er schließt das betreffende Gebiet ab und verzichtet auf den weiteren Neuheitenerwerb. So verliert das raffgierige Postunternehmen wieder einen guten Kunden.Ein Beispiel aus diesen Tagen ist die Herausgabe einer postgültigen Spezialedition des Briefmarkenblocks Liechtensteins zur Goldenen Hochzeit des Fürstenpaares vom 6. Juni 2017 (BMS 6/2017, Seite 14).

Schamloser Ausbeutung sind Sammler von deutschen Neuheiten zum Glück nicht ausgesetzt.

Sie ist mit 22 Karat Goldfolie und einem aufgeklebten Rubin auf dem Fürstenhut ausstaffiert, wird in einer mit Goldfolie gestalteten Schatulle geliefert und kostet bereits im Direktbezug von der Versandstelle in Vaduz 250 Franken (Postpreis des Normalblocks 6,30 Franken), wovon 10 Franken an das Liechtensteinische Rote Kreuz gehen. Die Post im „Entwicklungsland Liechtenstein“ hat offenbar solche Finanzquellen bitter nötig. Die 1250 nummerierten Exemplare werden unter den bis zum 22. Mai 2017 eingegangenen Bestellungen ausgelost. So wird Sammeln zum Glücksspiel. Die Post Rumäniens, um ein anderes Negativbeispiel zu erwähnen, lässt laufend teuren Schnickschnack herstellen, inzwischen von fast jeder Neuheit. So gab es jüngst die beiden Europa-Marken 2017 „Burgen“ auch ungezähnt in einem frankaturgültigen Spezialblock mit einer nummerierten Kleinstauflage von 353 Exemplaren. Er wird in einem Präsentationsbuch verkauft, der auch eine der beiden auf dem Block abgebildeten Medaillen enthält. Der Versandstellenpreis für die schnell ausverkaufte „Special Edition“ betrug 57 Euro, der Fachhandel berechnet um die 100 Euro. Es dürfte nur wenige Sammler in Rumänien geben, die sich dies leisten können. Der Sammler, der komplett bleiben will, muss notgedrungen auch solche Auswüchse über sich ergehen lassen, sofern er nicht resigniert das Handtuch wirft. Wenn die Kundenzahlen zurückgehen und die Absatzzahlen einbrechen, rächt sich diese auf schnellen Gewinn bedachte Ausgabepolitik.

Die Marke „150 Jahre Norddeutscher Bund“ erschien am 13. Juli 2017, MiNr. 3321.

 

Die Deutsche Post ist sicher auch kein Kind von Traurigkeit. Das Neuheitenvolumen bei Briefmarken und Ganzsachen ist seit vielen Jahren stattlich. Die Nennwerte sind bis auf 5 Euro geklettert (MiNr. 2877). Am 13. Juli 2017 erscheint eine Sondermarke zu 320 Cent „150 Jahre Norddeutscher Bund“, bestimmt für die Freimachung von Standardbriefen mit der Zusatzleistung Übergabe-Einschreiben. Durch die oftmals parallelen Erscheinungsformen nassklebend und selbstklebend erhöhen sich die Kosten beträchtlich. Jedoch lässt die Post wenigstens die Kirche im Dorf. Die Nennwerte sind bedarfsgerecht, die Wertzeichen in ausreichenden Mengen vorhanden. Sie können zum Postpreis bezogen werden, mögen manche Positionen wie Sondermarken-Heftchen und Sonderganzsachen auch nur bei der Versandstelle und deren Vertriebsstellen erhältlich sein, Plusbriefe und Pluskarten sogar nur im Dauerbezug. Wem das zu umständlich ist, bekommt (fast) alles auch im Fachhandel. Zwar enthält die Vorratsliste der Versandstelle „Philatelie aktuell“ eine kaum noch überschaubare Menge an Artikeln der sogenannten Kartonphilatelie, die arg ins Geld gehen, jedoch benötigt kein Sammler diese Produkte. Jede Bund-Sammlung ist auch ohne sie komplett. Zudem dürfte die Zahl der Philatelisten, die sämtliche Positionen aus diesem Sortiment ordern, verschwindend gering sein. Motivsammler beschränken sich bekanntlich auf die für sie einschlägigen Editionen. Wer nicht weiß, wohin mit seinem Geld, dürfte ohnehin nicht jammern. Die Philateliedienste der Postunternehmen leisten ihren Beitrag zum jeweiligen Postbudget. Angesichts zurückgehender Sammlerzahlen suchen sie nach Wegen, die Einnahmeverluste auszugleichen. Sie vermehren das Angebot an Wertzeichen aller Art und bieten allerlei Firlefanz an. Wenn dies die verbliebenen Kunden verschreckt, drehen sich die gegenläufigen Aufwärts- und Abwärtsspiralen immer schneller. Möge unsere Post der Versuchung widerstehen, den verhängnisvollen Weg einzuschlagen, den eine Reihe einst seriöser Postunternehmen in den letzten Jahren gewählt hat, etwa – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – Australien, Frankreich, Österreich, die USA und die Vereinten Nationen. Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht.

Text: Dr. Hartmut Paetzold

Bildunterschrift Titelbild: Deutsche Briefmarken mit hohen Nennwerten, aber problemlos zum reinen Postpreis erhältlich.


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Verfasst von: Stefan Liebig

Es gibt einen Kommentar zu diesem Beitrag.
  1. Karl Schabauer at 19:52

    Ich habe es satt. Zu normalen Ausgaben der Post kommen noch allerlei Briefmarken auf Wunsch, bis hin zum eigenen Konterfei. Dazu kommt, dass die Marken in DM oder Schilling etwa (viele haben sie ja postfrisch im Abo gesammelt, oft seit 1945 bei Niedriglöhnen) nicht mehr verwendbar sind zum Frankieren. Im Gegensatz übrigens hierzu einiger freundlicher gesinnter Länder, wie Italien und Frankreich. So eben nicht! Nach einer überschlägigen Berechnung zusammen mit meinem Briefmarkenhändler kamen wir auf irre -zig-Milliarden verlorener Werte, die etwa in seinem – und vieler anderer Händler – Lagerbuch schlummern. Unverkäuflich. Daher:

    Ich habe meine Sammlung zur Auktion gegeben und gebe keine müde Mark – äh Euro – mehr aus für die Philatelie. Auch nicht für Literatur, od. gar Kataloge – mit nicht nachvollziehbaren Wunschpreisen drin.

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